Das Kurs Gewinn Verhältnis
Dieser Beitrag soll Ihnen einige Grundbegriffe vermitteln, die für die Fundamentalanalyse notwendig sind, als auch einiges über die Prinzipien und Ideen, die hinter diesen Kennzahlen stecken, erzählen. Lassen Sie uns gemeinsam die Geheimnisse der Wertpapieranalyse lüften. Auch der Artikel aus der letzten Woche stellt Ihnen weitere Grundlagen der Aktienanalyse vor.
Der Versuch, zu bestimmen, ob ein Aktienkurs (also der Preis der Aktie an der Börse) gerechtfertigt ist oder nicht, stellt die große Idee der Wertpapieranalyse dar. Bei der Analyse der Aktien lassen wir uns von einigen wichtigen Fragen leiten.
Diese grundlegenden Fragen, die sich ein Investor vor jedem Aktienkauf stellen sollte, lauten:
- Steht der aktuelle Börsenkurs in einer gesunden Relation zu den Gewinnen und Umsätzen des Unternehmens?
- Welche Rendite lässt sich erzielen, wenn ich die Aktie zu dem heutigen Kurs kaufe und sich meine Annahmen erfüllen?
- Welches Gewinn- und Umsatzwachstum erwarte ich von dem Unternehmen in der Zukunft?
- Welche Auswirkungen hat es auf den Aktienkurs, wenn dieses Wachstum nicht eintritt und dementsprechend auch meine Annahmen nicht eintreten?
Mit Hilfe dieser Fragen gilt es zu klären, ob die Ertragskraft eines Unternehmens bestellt ist. Unternehmen, die von jedem Euro Umsatz möglichst viel Gewinn für uns Aktionäre übrig lassen, sind von Haus aus sehr interessant für eine Anlage. Nach der Beantwortung dieser Fragen, erhält man schon ein erstes Bild darüber, ob der Aktienkurs in gesunder Relation zum inneren Wert steht.
Gute Renditen durch ein gesundes Kurs Gewinn Verhältnis = KGV
Gute Relationen für das Verhältnis von Unternehmensgewinne zu Aktienkursen sind grundsätzlich Bereiche zwischen 8 bis max. 15. In diesem Bereich wird eine Aktie erworben, die wenig bis gar keinen Spekulationscharakter aufweist. Sehr gute Renditechancen bei begrenztem Risiko haben Aktien, die in dieser Region gekauft werden können. Vorausgesetzt natürlich, dass sich Umsatz und Gewinn in der Zukunft genauso entwickeln werden, wie in der Vergangenheit.
Rechenweg für die KGV Ermittlung
Um das KGV zu ermitteln, benötigt man zunächst einmal den Unternehmensgewinn. Diese Zahlen können Sie von jeder börsennotierten Aktiengesellschaft erhalten, Sie müssen nur auf die Homepage des Unternehmens gehen. Im Bereich ‚Investor Beziehungen’ (engl. ‚Investor Relations’) sind in der Regel alle Firmenkennzahlen aufbereitet. Neben dieser Angabe, gibt es auch Informationen über die Geschäftsberichte und Bilanzen der letzten Jahre.
Bitte achten Sie bei der Aktienanalyse eines Unternehmens darauf, dass Sie jeweils die gleiche Gewinnbasis nehmen. Wenn Sie bei einem Unternehmen den Gewinn vor Steuern nehmen, sollten Sie so auch bei den anderen Unternehmen vorgehen, um einen Vergleich zu erhalten. Der englische Begriff für den ‚Gewinn vor Steuer’ lautet: ‚Earnings before Taxes’, mit der Abkürzung EBT. Diese Vorgehensweise sollten Sie auch bei der Errechnung weiterer Kennzahlen beibehalten.
Beispiel KGV Berechnung Hochtief AG für die Jahre 2007 und 2000
Gewinn Hochtief Jahr 2000: 123 Millionen EUR
ausstehende Aktien Jahr 2000: 70 Millionen Aktien
Der Unternehmensgewinn des Jahres 2000 muss durch die Anzahl der existierenden Aktien geteilt werden. Dadurch wird der Gewinn je Aktie errechnet (engl. ‚Earnings per Share’, oder auch EPS).
Die Formel lautet: Jahresgewinn geteilt durch ausstehende Aktien.
Jahr 2000: 123 Millionen EUR / 70 Millionen Aktien = 1,76 € Gewinn je Aktie
Für 2000 ergibt sich damit ein Gewinn per Aktie (EPS) von 1,76 EUR. Der Gewinn, den ich in 2000 und 2007 verwende, bezieht sich auf den bereinigten Gewinn nach Minderheitsanteilen Dritter.
Für 2007 sieht die Rechnung wie folgt aus:
Gewinn Hochtief Jahr 2007: 141 Millionen EUR
ausstehende Aktien Jahr 2007: 67,87 Millionen Aktien
Jahr 2007: 141 Millionen EUR / 67,87 Millionen Aktien = 2,07 € Gewinn je Aktie
Nachdem der Gewinn je Aktie errechnet ist, kann man diesen Wert in Beziehung zu dem Aktienkurs setzen und mit einem letzten Schritt das KGV dieser Aktie ermitteln. Hierfür ist nur eine einfache Division nötig:
Der durchschnittliche Aktienkurs 2007 betrug 74,5 EUR je Aktie. Um das KGV für das Jahr 2007 zu ermitteln, muss der Aktienkurs durch den Gewinn per Aktie geteilt werden: 74,5 EUR Aktienkurs / 2,07 EUR GpA = 35,99 KGV
Das durchschnittliche Kurs Gewinn Verhältnis betrug damit im Jahr 2007 das rund 36fache des im selben Jahr erzielten Jahresgewinns. Das heißt, dass sich diese Zahl in keinem gesunden Rahmen bewegt und die Aktie, gemessen an ihrem tatsächlichen Gewinn in 2007, meiner Meinung nach, zu teuer bewertet war.
Falsche und fehlende Unternehmenskennzahlen im Internet
Von den unzähligen Informationsdiensten im Internet rate ich in der Regel ab, wenn es darum geht, sich Unternehmenszahlen zu besorgen. Sowohl bei onvista.de, reuters.de, yahoo.de, faz.net, als auch auf vielen anderen Seiten, sind entweder nicht alle Zahlen aufgeführt oder sie sind falsch. Diese Seiten reichen sicherlich aus, um sich einen schnellen und oberflächlichen Eindruck zu verschaffen. Wollen Sie aber tiefer in die Analyse gehen, kommen Sie nicht daran vorbei, sich die Geschäftsberichte der Unternehmen durchzulesen.
Weitere Fragen für die Wertpapieranalyse
Es gibt noch viele weitere Fragen, die man sich stellen kann und auch stellen sollte. Viele dieser Fragen, werde ich in Zukunft auf diesem Blog vorstellen, beantworten und dann in echten Analysebeispielen anwenden.
Rechnen Sie doch gleich einmal das KGV Ihrer Lieblingsaktie aus! Wie ich Ihnen hoffentlich zeigen konnte, ist die fundamentale Aktienanalyse kein Buch mit sieben Siegeln. Denn die wesentlichen Techniken der Aktienanalyse, sind schnell zu erlernen. Auf diesem Blog werde ich die wesentliche Technik der Aktienanalyse vorstellen. Viel Spaß wünsche ich.
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