21.03.2012

Valueinvesting - Charlie Munger rät Geschichte zu lesen


Das Entstehen einer Blase. Oder wie man eine Immobilienblase, Aktienblase und Goldblase erkennt

Liebe Valueinvestoren und Freunde,

ich habe heute einen interessanten Artikel entdeckt den Ich euch nicht vorenthalten möchte. Bloomberg berichtet über das wiederaufleben des Immobilienmarktes in Dubai.

Dubai war eine klassische Immobilienblase wie Sie im Buche steht. Der Schrecken eines jeden echten Investors und das Grab für Milliarden verbrannte Anlagedollar (wer viel Geld hat, bzw. sich viel leihen kann hat noch lange nicht die Fähigkeit dies klug zu investieren).

http://www.bloomberg.com/news/2012-03-20/dubai-villa-sales-surge-as-bank-lending-gains-mortgages.html

"The boom started after Dubai opened the property market to foreign buyers in 2002, and at its height was driven by cash buyers and speculators who profited from purchasing and selling contracts for yet-to-be-built houses and apartments. Prices fell more than 60 percent over the next three years, keeping buyers and lenders on the sidelines as they waited for the market to hit bottom. "

Der Artikel schreibt über Dubai. Wie so oft vermisse ich das wichtige für den Investor bei diesen Wirtschaftsartikeln. Den Klartext der vielen Investoren helfen würde, helfen würde auch weniger Fehler zu machen.

Ich will diesen Artikel daher mit meinen eigenen Gedanken ergänzen und mit etwas anderen Informationen auffrischen.

Der Immomarkt in Dubai stieg über mehrere Jahre von 2002-2006. Preissteigerungen von jährlich 5%,10% und auch 25% bei einzelnen Immobilien waren eher die Regel als die Ausnahme. Viele, viele verdienten sich ein goldenes Näschen. Immobilienmakler, Bauträger, Baufirmen, Hotels, Reiseunternehmen profitierten alle von einer künstlichen, kreditfinanzierten Supernachfrage.

Ab dem Zeitpunkt 2006 bis 2008, 2009 waren immer mehr Glücksritter an Bord des Spekulationsdampfers. Ich kann mich noch erinnern an Serien in RTL, SAT1 über all die Leute die in Dubai waren oder noch nach Dubai wollten um dort mal eben 5.000, 10.000, 15.000 und noch mehr monatlich zu verdienen. Man hatte die Annahme, daß auch die seltsamsten Konzepte dort funtionieren würden. Eine Ausbildung braucht man nicht und eine Idee braucht man auch nicht. In den Momenten und der Gedankenwelt einer Blase funktioniert alles (denken die Leute).

Am Hochpunkt der Blase war es egal ob die Immobilie überhaupt fertig gebaut war, es war egal ob man überhaupt jemals einen Mieter würde finden können damit sich die Immobilie "rechnet" und es war egal ob überhaupt eine Rendite erwirtschaftet wird mit den Objekten. Den letzten beissen bekanntlich die Hunde. Was für die ersten in der Kette noch gut lief war und ist für den letzten in der Kette (der letzte Käufer sozusagen der jetzt auf dem Schrott sitzt) finanziell der Todesstoss.

Immobilienpreise die um 60% fallen, Leerstand bis der Arzt kommt und Darlehen die niemals durch laufende Einnahmen getilgt und bezahlt werden können sind jetzt die Sorgen der Eigentümer.

Ein abschreckendes Beispiel für jeden Investor. Und ein typisches Beispiel dafür, daß die Fähigkeit Geld zu haben oder die Fähigkeit sich Geld leihen zu können etwas anderes ist als die Fähigkeit sein Geld auch sinnvoll anzulegen.

Jeder dieser Investoren hätte sich mal fragen sollen ob man eine Immobilie kaufen sollte die keine Miete bringt (man kann immer auch Objekte kaufen die bereits vermietet sind) und nicht planbar ist bzw. einiges an Risiko bringt.

Sollte man wirklich etwas kaufen zum 20-fachen, 30-fachen der Jahreserträge ? dadurch sinkt die Rendite auf 3% und ein Kredit kostet in der Regel deutlich mehr als 3%.

Ein Bauträger/Bauherr in Deutschland hat oft bereits Käufer bevor er überhaupt anfängt zu bauen und zu finanzieren. So macht man Business, so macht man Business das planbar ist und kein Selbstmord wird (aber wer weiss das schon als Anfänger mit wenig Erfahrung in der Branche ...). Ein Makler wird niemals erzählen, daß es Selbstmord wäre zu kaufen. Ich sehe in München inzwischen die wildesten Angebote am Immomarkt. Ich wette von 1000 Maklern in München wird nicht 1 dem Käufer abraten zu kaufen....

Es ist bei Blasen immer typisch das der reine Kredit gar nicht gezahlt werden kann aus den Erträgen die das Haus, Grundstück oder Ladenlokal abwirft. Der Käufer hofft immer darauf, daß er den sprichwörtlichen Dummen findet der einen noch höheren Preis zahlen wird und der dann nachts noch weniger wird schlafen können weil seine Kalkulation noch hoffnungsloser wird.

Meine Freunde. Das ist kein Investment (auch wenn es der Verkäufer 100x so darstellt und behauptet). Das ist Müll. Ein Investment muss sich immer selber tragen, wenn es sich nicht selber trägt dann muss man sich fragen ob man es wirklich kann, ob es überhaupt Sinn macht und man nicht lieber etwas anderes macht oder gar nichts unternimmt (Pulver trocken halten ist immer, immer, immer gut!). Wer nicht glaubt das das Müll ist möge bitte die 100.000 verbrannten Ärzte, gutverdiener in Westdeutschland fragen die sich total überteuerte Immobilien in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung gekauft haben nur wegen einem Steuervorteil. Diese Immobillien haben sich in den allerseltensten Fällen wirklich gerechnet, die Miete hat quasi nie die Schulden gezahlt, getilgt und dann noch einen Überschuss erwirtschaftet. Der nachfolgende Preisverfall an den Immomärkten im Osten Deutschlands hat all diesen Bauherren viel Geld gekostet.

Merke: Ein Investment muss sich immer selber tragen. Alles andere ist Murks. Der Makler und Verkäufer freuen sich schon über den nächsten Dummen der Morgen aufwachen wird. Nie wegen Steuervorteil kaufen. Ein Investment MUSS sich selber rechnen. Es darf sich nicht erst dann rechnen wenn man relativ viel Geld verdient und mit Steuern und Abschreibungen trickst (man trickst sich nur selbst aus, aber das wissen die meisten nicht). Das Investment muss für einen arbeiten. Nicht Ich für das Invesment. Wenn man nicht mehr arbeiten will oder arbeitslos wird ist die Investition auf einmal ein reines Verlustgeschäft (erst jetzt erkennt der Investor das auch..). Ein echtes Investment verdient ganz allein Geld, völlig egal ob ich arbeite oder nicht arbeite.

Worauf ich hinauswill ist das folgende. Ich merke schon wieder das der sprichwörtliche Schreibwolf in mir gerade anfängt hochzudrehen und ich will Euch ja nicht langweilen.

Charlie Munger sagte einmal auf die Frage eines jüngeren Investors was die wichtigste Empfehlung wäre für einen Investor. Charlie sagte darauf: Read history, read history, read history.

Er meinte damit, daß sich alles wiederholt. In der Investmentwelt gibt es nichts neues. Jede Blase ist ganz genau ähnlich. Jede Blase, jeder Tiefpunkt läuft gleich ab. Wer gerne Geschichte liest würde wissen, daß vor dem großen Crash 1929 in New York bereits von 1920 bis 1929 in Florida Milliarden und Millionen Gelder verbrannt wurden in Immobilien.
Leute aus Kalifornien oder New York haben Grundstücke gekauft die Sie nie gesehen hatten weil Sie gehört hatten das es so leicht ist Geld zu verdienen in Florida. Diese Leute mussten dann später feststellen, daß Sie Sumpfland  (natürlich völlig wertlos) gekauft hatten.

In Florida wurden zum Hochpunkt der Blase Immobilien verkauft die noch gar nicht fertig gestellt wurden. Manche Grundstücke wurden in 1 Monate gleich ein Dutzend Mal weiterverkauft zu immer höheren, schwindelerregenden Preisen.

Read History. Wer das gelesen hätte wäre nicht auf Dubai reingefallen und wäre auch nicht auf die Blase in den USA 2008 reingefallen und wäre auch nicht auf die Blase in Spanien reingefallen. Read History. Heute noch Gold kaufen ?

Read History (oder diesen Blog). In diesem Sinne. Bis bald!
Robert

p.s. als ich 2010 in Omaha war, war ich vorher in Chicago. Ich bin ein Bücherwurm. Chicago hat die grösste Bücherei in den USA. Ich hatte Tränen der Freude in meinen Augen weil ich dort soviele Bücher über Aktien vor meinen Augen hatte. Noch etwas anderes habe ich gesehen. Es gab ca. 100 Bücher zu Gold. Ca. 95 dieser Bücher waren bereits 30-40 Jahre alt aus der Blase in den 70er Jahren. Allesamt wurden diese Bücher geschrieben zum Hochpunkt der Blase. Nicht vorher, sondern zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Kaum zu fassen oder ? Als Gold in 2002 tief war ist kein einziges Buch herausgekommen. Heute nachdem Gold um 500% gestiegen ist in wenigen Jahren höre ich jeden Tag auf Bayern-5 Nachrichten die Degussa Gold Werbung. Ich sehe Lotto Annahmestellen die Gold annehmen, ich sehe in der Schweiz Automaten in denen ich Gold kaufen... Ihr versteht hoffentlich worauf ich hinauswill... read History!
p.p.s in der letzten Immoblase in den USA wurde in Florida wieder Sumpfland verkauft. Wirklich. (weinen oder lachen über die Dummheit/Unerfahrenheit? Der Makler lacht, der "Investor" weint)
p.p.p.s. hier noch ein Link über den Immomarkt in München München Immomarkt Wirtschaftswoche Artikel August 2011
p.p.p.p.s Wisst Ihr wann die meisten Bücher über den Neuen Markt in Deutschland herauskamen ?
a) deutlich vor dem Hochpunkt d.h. vor dem deutlichen Kursaufstieg?
b) mitten drin im Kursaufstieg ?
c) quasi am Hochpunkt des Aktienmarktes ?
d) als die Aktienkurse bereits fielen, und immer tiefer fielen (und sich nie mehr erholten) ?
Antwort ist C und D. Man schreibt immer das wofür die Nachfrage da ist und was offensichtlich ist und D deshalb weil ein Buch immer mit Timelag geschrieben wird. Die Veröffentlichung und der Druck brauchen Zeit und dann ist der Keks oft schon gegessen...

15.03.2012

Aktienanalyse Wincor Nixdorf Aktie - IBM Aktie | von Alex


Aktienanalyse IBM Aktie - Wincor Nixdorf Aktie von Alex

Diesen Freitag habe ich mal wieder einen Einkaufsmarathon hinter mich gebracht und wie Ihr wisst geht man als Value-Investor mit einem ganz anderen Blick durch die Flure der Einkaufstempel.

Die Suche nach dem Hersteller eines Produkts ist mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Oft begegnet einem Procter & Gamble oder Unilever, recht oft in letzter Zeit anzutreffen ist Reckitt Benckiser.

Johnson & Johnson findet man eher vereinzelt und ich habe mich gefreut, als ich ein Produkt von denen gefunden habe, bis meine Freundin mich gefragt hat, was ich mit den Tampons will?

Naja, um zum eigentlichen Thema zu kommen, als wir beim Lidl zur Kasse gekommen sind stand dort ein Kassensystem von IBM. Bekanntermaßen ist Warren Buffett bei IBM eingestiegen. Viele Leute verwunderte dieser Schritt da sie Warren Buffett immer mit der Maxime „keine Technologie“ in Verbindung bringen aber begründete dies mit der Tatsache, dass diese Firma als Dienstleistungsunternehmen gesehen werden kann.

Es liefert eine Problemlösung, z.B. viele Kassensysteme die in vielen Filialen stehen. Dadurch bindet es die Unternehmen an sich, Softwareupdates, Wartung, Upgrades, Ersatzteile was weiß ich … Auf jeden Fall wird ein IBM-Kunde immer wieder mal auf die Dienste von IBM zurückgreifen müssen… einen Wechsel des Systems ist wohl eher die Ausnahme da teuer daher hat IBM auf Grund der Abhängigkeits-Situation eine gewisse „Preisgestaltungsmacht“ zumindest so lange sie nicht übertreiben …

Als ich beim Aldi war, stand dort auch ein Kassensystem, aber eins von Wincor Nixdorf, einer deutschen Firma die auch z.B. die Geldautomaten bei der Sparkasse stellt (soweit ich weiß) Grund genug um uns das ganze mal kurz anzusehen. Außerdem haben wir so gleich zwei Firmen die wir miteinander vergleichen können. Achtung: Werte von IBM sind in US-Dollar, Wincor Nixdorf in Euro<

Gewinn je AktieIBM $Wincor Nixdorf €
200551,7
20066,22,5
20077,33,3
20089,14
200910,13,6
201011,73,4
201113,33,5
Quelle finanzen.net

Was wir hier sehen, ist dass der Gewinn/Aktie bei IBM wesentlich linearer steigt und somit berechenbarer ist, während bei Wincor Nixdorf eher etwas sprunghafter/unberechenbarer ist. Mir fällt auf, dass IBM in den letzten 7 Jahren, welche u.a. die Finanzkrise und die Eurokrise beinhalten, keine Anstalten gemacht hat irgendwie betroffen zu sein. Aber auch Wincor Nixdorf hat seinen Gewinn von 1,7€ auf 3,5€ steigern können, es gibt schlimmeres ;)
Umsatz je AktieIBM $Wincor Nixdorf €
20055752
20108167
Quelle finanzen.net



Der Umsatz zeigt bei beiden in der Tendenz nach oben,
bei IBM eine Steigerung von ca. 40%, bei Wincor Nixdorf sind es nur 30%.

Schauen wir weiter auf die Dividenden der beiden Aktien:
Dividenden je AktieIBM $Wincor Nixdorf €
20050,781,05
20061,11,4
20071,52,78
20081,92,13
20092,151,85
20102,51,7
20112,91,7
Quelle finanzen.net


Hier wieder dasselbe Bild, IBM ist berechenbarer, Wincor Nixdorf ist aber auch auf jeden fall keine Katastrophe. Schaut euch die Werte mal absolut an. 2005 waren es 0,78$ bei IBM welche heute auf 2,9$ gestiegen sind das ist eine Verdreifachung (Pi mal Daumen) in 6 Jahren heißt das, dass es in 2017 wenn es so weitergeht in etwa 8,7$ Dividende je Aktie gibt?

Wincor Nixdorf meinte es 2007 verdammt gut mit den Aktionären und verdoppelte die Dividende auf ein Niveau das sie nicht dauerhaft halten konnten. Aber wir sehen keine Nulldividenden.

Sehen wir uns nun die Anzahl der sich im Umlauf befindlichen Aktien an, einem Wert dem Warren immer viel Beachtung geschenkt hat. Eine Kennzahl für ein gutes Management das auf die Bedürfnisse der Aktionäre wert legt.
Aktien im Umlauf (Mio.)IBMWincor Nixdorf
2006150733,1
2007138532,8
2008133931,8
2009130533,1
2010122033,1
2011
33,1
Quelle ariva.de

Wir sehen bei IBM wesentlich mehr Aktienrückkäufe, bei Wincor Nixdorf bewegt sich der wert ganz genau nirgendwohin was aber zu mindest keine große Verwässerung bedeutet. Hier hat IBM ganz klar die Nase vorn, wie eigentlich schon die ganze Zeit, diesmal aber deutlicher.

Eigenkapitalrendite (return on equity). Warren Buffet hat dieser Kennzahl immer besonders viel Wert beigemessen. Sie sagt aus wie gut das Management mit dem erwirtschafteten Geld umgehen kann. Ob es dieses in unrentablen Projekten verpuffen lässt oder ob es intelligent mit dem Geld der Aktionäre umgeht.
Eigenkapitalrendite % (ROE)IBMWincor Nixdorf
2006339
20073610
20089111
20095910
2010648
2011788
Quelle boersennews.de

Ich kann mich erinnern, Irgendwo gelesen zu haben, dass US-Firmen aus dem S&P500 eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 12% aufweisen, wir haben mit Wincor Nixdorf also eher eine leicht unterdurchschnittliche Firma. Im direkten Vergleich zu IBM verblasst Wincor sogar total und sieht aus wie ein klappriges etwas, dass man besser nicht anfassen sollte.

Eigenkapitalquote:
Eigenkapitalquote in %IBMWincor Nixdorf
20053121
20062723
20072322
20081221
20092027
20102028
20111725

Hier sehen wir, dass IBM momentan mit mehr Fremdkapital arbeitet als Wincor Nixdorf und dies in der Vergangenheit oft der Fall war. In diesem Fall mache ich mir aber keine Gedanken, vor allem auf Grund der linearen und berechenbaren Gewinne, der Preisgestalltungsmacht, des ROE usw…


FremdkapitalsiturationIBMWincor Nixdorf
Schulden (gesamt) (mrq):31,32Mrd.241,03Mio.
Auf Stammaktien entfallender Jahresüberschuss (ttm):15,86Mrd.98,73Mio.
Cash (gesamt) (mrq):11,97Mrd.116,43Mio.
Quelle Yahoo

Ich sehe da bei beiden Unternehmen keine besorgniserregenden Zahlen die mich abschrecken würden wie z.B. schon mal erwähnt bei General Electric:

FremdkapitalsituationGeneral Electric
Schulden (gesamt) (mrq):453,44Mrd.
Auf Stammaktien entfallender Jahresüberschuss (ttm):13,04Mrd.
Cash (gesamt) (mrq):84,50Mrd.
Quelle Yahoo
Mittlerweile haben wir schon erkannt, dass IBM definitiv die bessere Firma ist, aber eine gute Firma bedeutet noch nicht dass es auch eine gute Investitionsmöglichkeit ist. Wir vergleichen hier einen Porsche mit einem VW Golf. IBM ist ein Top unternehmen nach dem man sich die Finger lecken kann, Wincor Nixdorf ist aber definitiv auch kein verrosteter Trabant auf Ziegelsteinen, es ist eher ein solider, verlässlicher Golf… und wie es nun mal so ist kann man beim Kauf beider Autos über den Tisch gezogen werden… daher versuche wenn ich schon mal dabei bin einen fairen Preis für die Unternehmen festzumachen:

Fassen wir dazu die aktuellen Daten zusammen und behalten wir im Hinterkopf, dass IBM die eindeutig bessere Firma ist:

IBMWincor Nixdorf
Momentaner Gewinn je Aktie13,3$3,50 €
Preis bei KGV 10133$35 €
ROE (mindestens)30%8%
Aktienrückkäufejanein
Dividendensteigerungenstetigunregelmäßig
Wenn es beide Unternehmen für das gleiche KGV gibt, dann ist IBM sicher der bessere Deal, wenn es Wincor Nixdorf für 17,5€ (KGV 5) gibt und IBM für ein KGV von 12 dann könnte ich schwach werden und mich für Nixdorf entscheiden.

Da der ROE bei Nixdorf nicht sehr berauschend ist und auch keine tollen Aktienrückkaufprogramme gefahren werden wäre ich bereit für IBM eine große Schippe „Goodwill“ mit draufzupacken, ganz einfach weil der Gewinn bei IBM mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit in zwei Jahren höher ist als heute, worauf ich bei Nixdorf nicht unbedingt setzen würde.

Wenn ich z.B. mit bei der Beispielrechnung von Siemens bleibe und den Gewinn mal dem ROE nehme für ein Jahr Haltedauer und dieses Spielchen noch mal spiele für das zweite Jahr Haltedauer dann komme ich auf einen Gewinn je Aktie in 2 Jahren von
13,3 * 1,30 * 1,30 = 22,477 22,477 ist unrealistisch für 2014 wenn man sich diese Tabelle noch mal ansieht:
Gewinn je AktieIBM
20055
20066,2
20077,3
20089,1
200910,1
201011,7
201113,3
Quelle finanzen.net
irgendwas um 17$ rum ist für 2014 (in zwei Jahren) wahrscheinlicher aber wir müssen ja nicht in 2 Jahren verkaufen, daher ist die Annahmen, das IBM irgendwann mal 22,477$ je Aktie verdient wahrscheinlich…  die Frage ist nur wann und die Antwort ist in 4 Jahren!
Nee Spaß, wann genau kann wohl niemand sicher sagen, aber ich halte 4 Jahre für sehr gut möglich, der schöne linear steigende Verlauf der Gewinne lässt dieses erahnen.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten einen wert zu beziffern, für Wachstumsfirmen wird ein KGV von 15 oft als nicht überteuert angesehen… und ein KGV von 15 ergibt bei IBM 199,5$

Bei Wincor Nixdorf bin ich eigentlich nicht bereit mehr als das KGV von 10 auf den Tisch zu legen, ich rechne daher die 3,50€ Gewinn pro Aktie aktuell mal 10 und erhalte so 35€

Jetzt schauen wir uns noch kurz die aktuellen Kurse an:

IBM: 198,81 USD
Wincor Nixdorf: 40,80 EUR

Ich halte beides übrigens für keine Mondpreise die total abgekoppelt von dem eigentlichen Firmenwert in einem luftleeren Raum aus Hoffnungen und Euphorie dahinschweben!

Ein Preis von 62€ für die Nixdorf Aktie vor einem Jahr vielleicht schon eher. Wer sich die IBM Aktie für 160$ ins Portfolio geholt hat bekommt von mir übrigens ein Glückwunsch!

Disclaimer: Ich halte momentan keine der beiden Aktien ziehe aber einen einstieg bei einem Kursverfall ggf in betracht!

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Das ist eine neue Aktienanalyse von Alex. Er mutiert langsam vom fleissigen Mitleser zum noch fleissigeren Mitschreiber :=). 

Alex, danke für die Email und die Analyse an dieser Stelle ! Und gleichzeitig ein Riesensorry an Dich das ich manchmal meine eigenen Emails so selten lese.Ich finde die Analyse sehr gelungen und damit kann man schon eine Entscheidung treffen. Alex freut sich sicher auf Eure Kommentare. Bis bald liebe Leute !

27.02.2012

Walter Schloss - Investmentlegende und Superinvestor stirbt mit 95 Jahren.

Walter Schloss - Schüler und Mitarbeiter bei Benjamin Graham & Freund von Warren Buffett

In den letzten Tagen ist ein Titan der Investmentwelt verstorben. Ich glaube in einem oder anderen Kommentar habe ich seinen Namen einmal erwähnt. Walter Schloss ist im stolzen Alter von 95 Jahren verstorben.

Walter Schloss war viele Jahre Mitarbeiter bei Benjamin Graham und lernte da auch Warren Buffett kennen als dieser in der Firma von Graham sein "Praktikum" machte. Walter Schloss machte sich nachdem Grahams Firma geschlossen wurde selbständig und investierte von einem stillen Zimmerlein, ganz ohne PC und Internet bis zuletzt!, für sich und seine handvoll Investoren. Als Schüler (er war kein Schüler in dem Sinne. Ich meine damit, daß man automatisch zum Schüler wird wenn man für einen echten Meister arbeiten darf) und Mitarbeiter von Graham kann man davon ausgehen, daß er die Prinzipien des Valueinvestings verinnerlicht hat.

Schloss war und ist einzigartig aus den folgenden Gründen. Nur Stichpunkte, wir können ja in den Kommentaren darüber reden und es vertiefen.

Investmentprinzipien und Fakten über Walter Schloss
- Die Investorhistorie von Walter Schloss ist fast 50 Jahre alt. Von 1955 bis 2000 erwirtschaftete er 15.5% für seine Anleger. Der S&P500 machte in der gleichen Zeit runde 10%. Eine derart lange Distanz, mit dieser Performance, ist kaum einer gelaufen in der Investmentwelt.
- Walter Schloss benutzte nie einen PC, Internet oder sonstiges ablenkendes und geldverschlingendes Zeug um damit Aktienanalyse zu machen. Ein Klassiker den sich jeder von uns hinter die Ohren schreiben sollte. Auch heute noch gültig. Um erfolgreich zu investieren brauchen wir wirklich kein Internet - auch wenn einiges dann leichter ist - wir brauchen kein Highspeed Zugang, wir brauchen kein tägliches Gejohle in den Nachrichten. Es ist alles nur reine Ablenkung wenn es ums investieren geht. Die Millionen von Ideen und Kommentare aus allen Ecken bringen uns nicht weiter. Ein echter Valueinvestor muss (!!) letzlich für sich denken und alleine entscheiden. Den Lemmingen (die Presse und Co.) hinterherzulaufen wird nicht funktionieren. Warren Buffett und andere Valueinvestoren haben schon genug zu dem Thema geschrieben.
- Walter Schloss besuchte nie eine Firma. Sprach nie mit dem Vorstand. Wollte nie etwas von der IR Abteilung (auch Lügenabteilung genannt) wissen und benutzte nur die offiziell zugänglichen Materialien, d.h. Geschäftsberichte & Quartalsberichte. Das war eines seiner Prinzipien. Auch Warren Buffett arbeitet nicht viel anders. Ich habe nicht gelesen das Buffett jedesmal rumfährt oder telefoniert. Was ich gelesen habe ist, daß Buffett im Morgenmantel aus seinem Schlafzimmer heraus gearbeitet hat und sich bis heute nicht die Mühe macht (weil es einfach nicht wert ist. ---> Ein Vorstand, IR-Sprecher wird IMMER sagen das die Zukunft gut ist, daß das Unternehmen gut aufgestellt ist, daß wir die Besten sind usw.) anders zu verfahren. In jedem Geschäftsbericht von Berkshire kann man nachlesen, daß man Warren Buffett eine Bilanz schicken soll und er innerhalb von 1 Tag in der Lager ist ein Angebot abzugeben ob er die Firma übernehmen wird oder nicht. Er benötigt kein Gespräch, keine IR-Abteilung und andere Leute die Ihm ohnehin nur einen Bären erzählen würden. Es steht alles in den Bilanzen... so ist es  bis heute, und so wird es in tausend Jahren noch sein.
- Walter Schloss hatte eine sehr hohe Diversifikation verglichen mit seinem Lehrer Graham oder auch im Vergleich zu Buffett. Walter Schloss hatte durchschnittlich und zu jeder Zeit 100 Aktien im Depot und es gab nie Positionen die wirklich konzentriert waren (ein Buffett hat in jungen Jahren auch öfter "All In" gespielt und 30/50/70% in eine Aktie, in eine Idee gesteckt). Nur in absoluten Ausnahmefällen wurden maximal 20% des Depots in eine einzige Aktienidee investiert
- er orientiert sich an Bilanzwerten, Zerschlagungswerten. Buchwerte waren ausschlaggebend für Walter Schloss
- Schulden müssen immer weniger sein als Eigenkapital
- man muss geduldig sein. Walter Schloss hat einen Turnover des Depots von 25%. 25% des Depots wurden durchschnittlich jährlich durch neue Ideen ersetzt. In durchschnittlich 4 Jahren hat Walter sein Depot komplett umgebaut. (Anmerkung: etwas was Warren Buffett dem "normalen Investor" nicht empfiehlt, ich auch nicht unbedingt... wenn man ein Depot mit 30-40 Aktien hat, würde das bedeuten jedes Jahr ca. 8 neue Aktien zu finden. Das ist gar nicht so einfach wenn die Börse nicht als Nebenjob ausarten soll meiner Meinung nach. Wer ein gutes Depot hat, mit guten Unternehmen, der wird schwerlich jedes Jahr 8 neue/bessere Ideen finden)
- wenn eine Aktie gekauft wird dann am Tief der letzten 5 Jahre oder der letzten 52 Wochen. (eine regelmässige Übung von vielen Valueinvestoren ist das studieren der Aktien die auf 52 Wochen Tief notieren, auch Walter Schloss hat das jeden Morgen direkt nach dem Zähne putzen gemacht)
- man sollte versuchen Assets/Bilanzwerte billig zu kaufen. Er hat weniger Wert darauf gelegt Gewinne/Earnings billig zu kaufen
- Emotionen sollten einen nicht beeinflussen
- Aktien sollten grundsätzlich immer gegenüber Bonds und Cash bevorzugt werden. Eine Besonderheit von Walter Schloss meiner Meinung nach. Er war fast zu jeder Zeit immer 100% investiert. Kein Cash, keine Shortgeschäfte, keine Anleihen. Mit Aktien schlief er am Besten. Auch das Thema Inflation und der Schutz vor Inflation war wichtig für Ihn - das konnte er seiner Meinung nach nur mit Aktien erreichen (siehe auch hier im Blog die Gedanken von Warren Buffett zu dem Thema Gold vs. produktive Assets wie Aktien). Oder vielleicht besser ausgedrückt mit Aktien konnte er diesem Ziel relativ nah und einfach erreichen im Vergleich zu Cash und Anleihen.
- er benutzte kein Fremdkapital wenn er Aktien kauft da er meinte, daß Fremdkapital die Neigung hat immer im ungünstigsten Moment "gegen" einen zu laufen.
- Walter investierte nur in Unternehmen die eine (mindestens) 10 jährige Geschichte haben. Alles was nach New Economy, neue und unbekannte Zukunftsbranchen aussah wurde nicht gekauft
- Walter liebte es wenn die Insider/Management selbst stark beteiligt waren
-  mit dem Verkauf seiner Aktien hatte Walter Schloss Schwierigkeiten. Auch dieser Superinvestor verkaufte oft eine Aktie die danach noch um 100,200,300,400% gestiegen ist.
- man sollte nie nach einem heissen Tip investieren oder für den schnellen Profit eine Aktie kaufen
 - wenn es schlechte Nachrichten gibt, die Aktie stark fällt dann sollte man nie aus Panik verkaufen
- jeder sollte eine Investmentphilosophie haben und diese auch befolgen (heute Valueinvestor sein, morgen Growth Investor, übermorgen Devisen handeln und über-übermorgen versuchen der geniale Asset Allocator zu sein wird nicht funktionieren)
- immer versuchen die Emotionen rauszuhalten. Angst und Gier sind die gefährlichsten Gefühle wenn es darum geht Aktien zu kaufen oder verkaufen

Warren Buffett schrieb in dem Berkshire Hathaway Geschäftsbericht von 2006 das folgende zu Walter Schloss (ich übersetze ganz kurz, ganz frei, verzeiht mir wenn es sich teils unrund anhört / ich hab jetzt nicht soviel Zeit):

Walter Schloss verdiente erst Geld mit seiner Partnerschaft wenn auch seine Investoren Geld verdienten (Anmerkung: kuckt heute dazu im Vergleich die Vergütung des Standard Hedge Fonds und der Fonds allgemein an). Walter Schloss hat eine überragende Performance in den letzten 50 Jahren. Und das er erfolgreich sein wird sage ich nicht erst rückblickend. Walter war vor 50 Jahren meine einzige Empfehlung für eine Familie aus St. Louis die einen fähigen und ehrlichen Investment Manager wollte. Walter besuchte nie ein College und keine Business School. Er hatte nie Insiderinformationen und benutzte reine fundamentale Daten / Statistiken für seine Aktienauswahl. Als Walter 1986 für das Magazin "Outstanding Investors Digest" gefragt wurde wie er seine Investmentauswahl beschreiben würde, sagte Walter : "Wir versuchen Aktien billig zu kaufen" (Wie man sieht hat Walter genau den gleichen Humor wie Warren Buffett - zum brüllen).

Walter verfolgte eine Strategie die kein Risiko beinhaltet - definiert als das Risiko sein Vermögen nachhaltig zu vermindern (kurzfristig/mittelfristig ist auch das Depot von Warren Buffett jederzeit bis zu 50% im Minus).

Walter Schloss hat Ergebnisse erzielt die deutlichst besser waren als die Rendite des S&P500 im Zeitraum 1955 bis 1984 und auch 1955 bis 2002. Es ist besonders erwähnenswert das er seinen Rekord auf tausend Aktien aufbaute die er in dieser Zeit kaufte und verkaufte. Meistens Aktien eher lustlosen, langweiligen Typus. Einige wenige Gewinner machten nicht seinen Erfolg aus (Anmerkung: große Wetten/hohe Konzentration gab es nicht. Er hat quasi tausend gute Aktien rausgepickt. Zuverlässig wie ein Uhrwerk hat er gezeigt das Aktienanalyse funktioniet. Glückstreffer sind völlig ausgeschlossen bei seiner Performance).

Es ist leicht zu sagen, daß tausende von Investmentmanagern die
a) Aktien aus dem Hut per Zufall ziehen
b) Aktien in gleichem Wert und zur gleichen Zeit wie Walter gekauft haben
und c) die Aktien zur gleichen Zeit verkauft haben wie Walter auch die glücklichsten niemals seinen Erfolg erreicht hätte

hier eine Übersicht die zeigt welche Wunder Valueinvesting und Aktienanalyse bewirken können:

Performance Tabelle Walter Schloss Partnership 1956-1984

Quelle: Superinvestors of Graham & Doddsville von Warren Buffett

Wie die Performance Tabelle zeigt gehörte Walter Schloss zu den allerbesten Valueinvestoren. Fast in jedem Jahr Outperformance, teils dramatisch, gegenüber dem Index. Er spielte damit in einer Liga mit Warren Buffett, George Soros, John Templeton die ebenfalls über Jahrzehnte eine deutlich bessere Rendite eingefahren haben als die Indizes.Und wieder einmal sehen wir, daß 15% jährlich über lange Zeiträume nur die echte Elite der Geldanlage schafft. (Anmerkung: wieviel Spam Emails mit tausend Prozent Rendite habt Ihr letzte Woche im Postfach gehabt?)

Und eine Besonderheit, wie auch bei Buffett, wenn der Index verliert, verliert ein Großmeister des Investments noch lange nicht.

1973 geht der S&P500 -14% in die Grütze und Walter macht nur -8%, 1974 S&P500 -26% und Walter schläft gemütlich mit -6%, in 1977 zeigt Walter dem Index dann wie ein echt harter Punch aussieht : Index -8% und Walter +25%. Index K.O. würde ich sagen - Winner Walter Schloss!

Ende 2002 schliesst Walter Schloss seine Partnership und verwaltet nur noch sein eigenes Geld. Einige fragten ja bereits in den Kommentaren wie die Performance in den letzten Jahren war. Sie war gut. Was ich recherchieren konnte war das Walter Schloss bevor die Blase im Jahr 2000 platzte massiv Amazon und Yahoo short war. In 2000 war Walter mit 28% im Plus (der Index mit 9% im MINUS) und in 2001 war Walter +12% unterwegs im Vergleich zu dem Index mit -12%. Dieses Geschäft brachte 130 Millionen Dollar für seine Investoren in seiner Partnerschaft und er hatte damit einen gelungenen "Abgang" aus dem Vermögensverwaltergeschäft.

(Anmerkung: Walter war selten short, in 2000 muss es für Ihn so offensichtlich gewesen sein, wie für andere Valueinvestoren auch, daß er über seinen Schatten gesprungen ist und massiv short war mit Amazon und Yahoo Aktien)

Nets/Nets lassen sich nicht mehr ganz so leicht finden wie 1930,1940,1950 aber es gibt Sie noch. Bei jedem Crash gibt es Sie gleich zu Dutzenden und hunderten. Auch heute finde ich noch relativ gute Nets/Nets aus der dritten Reihe. Das heisst im Dax,Mdax sehe ich nichts. Im Dax sieht man auch mitten in einem Crash selten etwas (Continental in der letzten Krise vielleicht), im MDAX gab es schon gleich ein Dutzend Unternehmen in denen der Lagerbestand mehr wert war als der Börsenwert in der letzten Krise (Leoni, Pro7). Wir müssten schon tiefer wühlen um etwas zu finden. Raus aus Mdax, Dax usw. in die Aktien die nicht so in der Öffentlichkeit stehen. Unternehmen mit einer Kapitalisierung von 100 Millionen bis 300 Millionen, die teilweise mehrere Milliarden Umsatz machen und keineswegs als Klitschen bezeichnet werden können. Und die vor Ihrer jeweiligen Krise auch Milliarden Kapitalisierungen hatten. Es gibt Sie auch jetzt immer noch.

Die Frage ist nur ob Net/Nets etwas für den "defensiven Investor" sind. Ich glaube eher nicht. Nets/Nets erfordern schon eine recht hohe Diversifikation (ausser man heisst Buffett) meiner Meinung nach um den Totalausfall einer Aktie und die Auswirkungen auf das Depot und die Rendite zu minimieren. Erfordern viel Erfahrung (man muss es gewohnt sein das Depot mit minus 20% zu sehen während der Markt +15% macht und die Kollegen/Ehefrau/Bruder sich lustig über einen machen. In der Presse liest man auch jeden Tag welchen Müll man doch gekauft hat). Und natürlich Geduld, Geduld, Geduld - ein typischer Turnaround (ein Net/Net heutzutage hat vermutlich immer eine kleine/große Krise. Früher gab es Net/Nets die gar keine Krise hatten und weniger wert waren als das Geld in der Kasse) dauert 2-3-4 Jahre. Nets/Nets sind auch eine aktivere Geschichte als buy&hold. Eine Procter & Gamble oder Coca Cola kann ich heute kaufen und dann 20 oder 30 Jahre lang halten, ich muss einzig und allein darauf achten, daß ich die Aktie nicht zu teuer kaufe.

Bei net/net Stocks heutzutage muss ich ständig aufpassen. Das ist nur etwas für jemanden der Börse auch als Hobby betreibt und dem es Spaß macht, und keinen Streß, in der Freizeit über Geld nachzudenken. Ein Investor wie Walter Schloss hat nie aufgehört nach Nets/Nets zu suchen. Ein net/net ist sehr selten eine dieser unendlichen Wachstums und Gewinngeschichten wie Coca Cola. Ich würde sogar soweit gehen, daß ich net/net Aktien gar nicht empfehle. Bzw. die Suche nur nach Nets/Nets ist einfach zu schwer, zu wenig erfolgversprechend (da ich zu oft auf die Nase fallen werde und meine Rendite eher schlechter als besser wird - ausser ich heisse Buffett :=) ). Ich kanns nicht empfehlen, wirklich, wirklich, wirklich nicht. Aktiv nach nets/nets zu suchen bedeutet heute schlechte Unternehmen zu kaufen.
Wenn ein ordentlicher Crash da ist, ist die Sache schon anders. Es ist heute kaum möglich ein Depot nur mit nets/nets zu haben. Da müsste ich immer auf den Crash warten und darf nur dann investieren. Dann hätte ich aber auch die Alternative, daß viel, viel bessere Unternehmen sehr günstig sein werden (natürlich nicht auf net/net Niveau) aber relativ gesehen immer noch billig. (genug gewarnt, macht was Ihr wollt...)

Auch in meinem Depot habe ich nicht allzuviele Nets/Nets. Ist mir zu heiss die Geschichte. 10-20% kann ich verkraften. Beim Rest kaufe ich lieber gute, solide Unternehmen die völlig ungerechtfertigt im Kurs gefallen sind. (z.B. habe ich schon länger die Tesco im Depot. Super Unternehmen. Der Aktienkurs ist an einem Tag -14% gefallen weil Tesco etwas weniger Gewinn ausgewiesen hat bzw. das Wachstum nicht ganz so war wie erwartet / von den Analysten erwartet / da reibt sich doch jeder Valueinvestor die Hände ...).

Wie Walter in div. Interviews sagte wurde es mit der Zeit immer schwieriger die Aktien/Unternehmen zu finden deren Barbestand abzgl. aller Verbindlichkeiten doppelt so hoch, oder noch höher, war als der Börsenwert des Unternehmens. Er versuchte immer relativ billig zu kaufen gemessen an den Buchwerten des Unternehmens. Ein gutes Motto mit dem ich den Artikel über Walter Schloss auch beenden kann :=).

Weitere Zeitungsartikel über Walter Schloss und seine Investmentkarriere:
Bloomberg Artikel über den Tod von Walter Schloss
Forbes Artikel über den Mann der mit 91 alle in die Tasche steckt

Noch viel Erfolg mit den Aktienanalysen und haltet heute kurz eine Minute inne, zündet gedanklich eine Investmentkerze an und erinnert Euch an diesen alten, erfolgreichen Investor und Mann.