23.01.2012

AKTIENANALYSE MÜNCHENER RÜCKVERSICHERUNG AG

Valueanalyse Münchener Rückversicherung AG Aktie

Wie Viele schon wissen, hat Warren Buffet Anfang 2010 Anteile an diesem Unternehmen erworben.

Wir versuchen uns mit dieser Aktienanalyse selbst ein Bild über das Unternehmen zu machen und dann zu entscheiden, ob aus heutiger Sicht (Januar 2012) eine Investition sinnvoll wäre.

In meiner Valueanalyse nehme ich die Zahlen aus den Jahren 1994 bis 2010.
Wir beginnen mit dem Umsatz (in Euro umgerechnet und in Mrd.) der Münchener Rückversicherungs AG

Umsatzentwicklung 1994 - 2010 Münchener Rück AG1994 - 14,64 Milliarden Euro
2000 - 31,10 Milliarden EUro
2005 - 38,20 Milliarden Euro
2010 - 45,50 Milliarden Euro

Wie wir sehen, ist der Umsatz stetig gestiegen. Zwar nicht in dem Umfang, wie in den 90er Jahren, aber viel wichtiger ist in meinen Augen, dass eine kontinuerliche Steigerung da ist.

Zu dem Ertrag komme ich später. Zuerst möchte ich gerne untersuchen, welchen Zinsertrag das Unternehmen aus den Kapitalanlagen erwirtschaftet. Hintergrund: ein größerer Anteil am Gesamtertrag kommt aus den Kapitalanlagen (Geld der Versicherten wird ja investiert) und je nach Marktlage an den Aktien und Rentenmärkten ist dieses investierte Geld erheblichen Schwankungen unterworfen. Ich fange mit dem Jahr 2000 an, da es gerade ab diesem Jahr zu erheblichen Marktverwerfungen kam.

Ertrag Kapitalanlagen 2000 - 2010 Münchener Rück
2000 - 7,63 %
2001 - 6,43 %
2002 - 3,16 %
2003 - 4,15 %
2004 - 4,51 %
2005 - 6,11 %
2006 - 5,07 %
2007 - 5,25 %
2008 - 3,38 %
2009 - 4,33 %
2010 - 4,48 %

Aus den Geschäftsberichten geht hervor, dass das Unternehmen überwiegend in Staatsanleihen investiert, vor allem aus Deutschland. Die Renditen der Kapitalanlage sinken und spiegeln das Marktzinsniveau wieder.

Die Leitzinsen der Zentralbanken bringen gerade 1-2 % (Diskontsätze sind in wichtigen Industrieländern fast auf Null gesenkt worden). Die Rendite der Staatsanleihen (ausgenommen Peripherieländer Europa) betragen nurzwischen 2 bis 4 %.

Ob es bald zu höheren Zinsen kommt weiss natürlich keiner. Ich bin aber der Meinung, dass 4 % Rendite, die das Unternehmen im Durchschnitt in den letzten Jahren erwirtschaftet hat, nachhaltig sind. Viel mehr muss uns interessieren, dass die Rendite in den turbulenten Zeiten nicht zu schwankunsanfällig war, was die obengenannten Zahlen auch beweisen. Im Jahr 2011 erfolgte auch die Wertberichtigung in der Höhe von 933 Mio. auf die griechischen Staatsanleihen.

Man kann annehmen, dass das Jahr 2011 nicht mit ausserordentlichen hohen Gewinnen in die Geschichte der Münchener Rück eingeht. Es soll ihnen aber klar sein, dass dies NUR vorübergehend ist. Die Mehrjahreszahlen zeigen ein anderes Bild.

Das Unternehmen hat vor kurzem gemeldet, dass das Jahr 2011 wegen Naturkatastrophen das teuerste Jahr in der Unternehmensgeschichte war. Das mag in 2011 sein, wenn man aber die Statistik der Schadenskostenquote (Rückversicherung, weil genau durch diese Sparte die großen Kostenposten zu bezahlen sind) nimmt, kommen nicht unbedingt die schlimmsten Zahlen hervor. Die Schadenkostenquote ist bei Versicherern eine der wichtigsten Kennzahlen.

Schadenkostenquote Münchener Rückversicherung
1998 - 105,70 %
1999 - 118,90 %
2000 - 115,30 %
2001 - 135,10 %
2002 - 123,70 %
2003 - 96,50 %
2004 - 98,90 %
2005 - 111,70 %
2006 - 92,60 %
2007 - 96,40 %
2008 - 99,40 %
2009 - 95,30 %
2010 - 100,50 %
2011 - 117,90 % (1-3 Quartal).

Die Zahlen aus den Jahren 2000-2002 weisen noch höhere Schadenskostenquoten auf. Da das Unternehmen mehr Umsatz erzielt, also mehr Risiken versichert werden und das Geschäft der MüRü wächst, entstehen zwangsläufig natürlich höhere Aufwendungen für die Schäden. Allein aus diesem Grund ist das Jahr 2011 das teuerste für die Münchener Rück (gemessen an den absoluten Zahlen die für Schäden aufgewendet wurden). Das Verhältnis Einnahmen/Versicherungsprämien zu Kosten/Versicherungsauszahlungen bleibt aber unter den Werten aus den Jahren 2000-2002. Ich bin der Meinung, daß man die obengenannten Aufwendungen nicht überbewerten sollte.

Jetzt komme ich zu einer der wichtigsten Kennzahl eines Unternehmens: Die Umsatzrendite.
In den Jahren bis 1998 war der Jahresabschluss zum 30.06. Ab 1998 erfolgte der Jahresabschluss jeweils zum 31.12.

Umsatzrendite Münchener Rückversicherungs AG
1993 - 1,21 %
1994 - 1,77 %
1995 - 4,00 %
1996 - 4,04 %
1997 - 3,71 %
1998 - 2,40 %
1999 - 4,14 %
2000 - 5,64 %
2001 - 0,69 %
2002 - 0,35 %
2003 - -1,24 % (Verlustjahr)
2004 - 4,81 %
2005 - 7,01 %
2006 - 9,16 %
2007 - 10,30 %
2008 - 4,11 %
2009 - 6,09 %
2010 - 5,32 %

Es ist auf jeden Fall zu erkennen, dass das Unternehmen wirtschaftlicher arbeitet als in den 90er Jahren und nach der Einführung des Euro.

Aus der Sicht eines Miteigentümers möchte Ich am Erfolg eines Unternehmens teilhaben. Die Divedende stellt für viele eine wichtige Einkommensquelle dar.

Ich werde bewusst die Höhe der Dividende und die Divedendenrendite reinstellen, da ich die Kursschwankungen nicht unbedingt in die Bewertung der Dividende reinnehmen möchte. Mich interessiert weniger die Schwankung des Aktienkurses als die Schwankung der Dividende.

Dazu achten Sie bitte auf das KGV. Man kann eine totale Überbewertung der Münchener Rückversicherungs AG Aktie in den Jahren 1998-2001 feststellen.

Dividende Rendite & KGV Münchener Rück von 1998 bis 2011
1998 0,95 € 0,86 % KGV 30,12
1999 0,95 € 0,38 % KGV 39,32
2000 1,25 € 0,33 % KGV 38,31
2001 1,25 € 0,41 % KGV 215,48 das ist kein Tippfehler
2002 1,25 € 1,10 % KGV 145,49 auch kein Tippfehler
2003 1,25 € 1,30 % KGV minus / Verlustjahr
2004 2,00    2,21 % KGV 11,33
2005 3,10 € 2,71 % KGV 9,80
2006 4,50 € 3,45 % KGV 8,84
2007 5,50 € 4,14 % KGV 7,14
2008 5,50 € 4,95 % KGV 14,09
2009 5,75 € 5,29 % KGV 8,12
2010 6,25 € 5,51 % KGV 8,83

Wir sehen, dass die Höhe der Divedende stetig steigt. Das gibt uns Zuversicht, dass das Unternehmen sich um die Eigentümer kümmert und auch kümmern wird. Es zeigt ebenso, daß das Unternehmen nachhaltig wirtschaftet. Auch in Zeiten in denen große Schäden auftraten war man in der Lage die Dividende zu zahlen.

Völlig unabhängig davon was der Aktienkurs gemacht hat, hat der Eigentümer sein Geld und eine Entlohnung in Form einer Dividende erhalten. Dazu möchte ich noch sagen, dass die Gewinnrücklage (nicht zu verwechseln mit der versicherungstechnischen Rückstellung) zum 30.09.2011 11921 Mio. betrug. Diese Gewinnrücklagen, als rechnerischer Wert, belaufen sich auf 67 Euro pro Aktie.
An der Ertragskraft der Aktie (Gewinn je Aktie zum Kurs) kann man, wie auch am KGV erkennen, ob die Aktie überbewertet oder unterbewertet ist. Hier sind die Daten.

Ertragskraft Münchener Rückversicherungs AG
1993 - 3,19 %
1994 - 4,46 %
1995 - 9,00 %
1996 - 6,34 %
1997 - 4,34 %
1998 - 3,32 %
1999 - 2,54 %
2000 - 2,61 %
2001 - 0,46 %
2002 - 0,49 %
2003 - Verlustjahr
2004 - 8,83 %
2005 - 10,20 %
2006 - 11,85 %
2007 - 14,01 %
2008 - 7,10 %
2009 - 12,31 %
2010 - 11,33 %

Würden Sie im Jahr 2001 und 2002 diese Aktie kaufen, um nur 0,46 bzw. 0,49 % Rendite zu erzielen ? Oder würden Sie diese Aktie in den obengenannten Jahren halten, falls Sie sie vorher erworben haben? Die Antwort ist eindeutig NEIN.Ich denke es wird langsam klar, dass die Aktie momentan über eine gute Ertragskraft verfügt und eine hohe, zuverlässige Dividendenrendite aufweisen kann.

Der Umsatz wächst und die durchschnittliche Umsatzrendite wächst ebenfalls mit. Bei der Umsatzrendite kann es mit den Steigerungen natürlich nicht unendlich nach oben gehen. Ich sehe jedoch keinen Grund warum die Münchener Rück auch in den nächsten Jahrzehnten stetig mehr Geschäft machen kann.

Das Eigenkapital der Münchener Rück ist in dem Zeitraum auch stetig gestiegen, bis auf die letzten 4 Jahre, wo der Unterschied zu den Jahren nur minimal ist. Momentan beträgt das Eigenkapital um die 10 %, was für einen Versicherer recht ordentlich ist.
Eigenkapitalrendite Münchener Rück
1998 - 3,79 %
1999 - 6,14 %
2000 - 7,44 %
2001 - 1,29 %
2002 - 1,01 %
2003 - Verlustjahr
2004 - 8,94 %
2005 - 10,98 %
2006 - 13,02 %
2007 - 15,19 %
2008 - 7,37 %
2009 - 11,10 %
2010 - 10,53 %

Auch an diesen Zahlen sehen wir, dass das Unternehmen wirtschaftlich momentan sehr gut aufgestellt ist.

Ich habe bewusst auf den direkten Preis der Aktie in meiner Analyse verzichtet, weil viele Zahlen (KGV, Ertragskraft, Dividendenrendite) bereits im Aktienpreis wiedergespiegelt werden. Aufgrund dieser Analyse wollten wir ja feststellen, ob eine Investition in die Münchener Rück Aktie aufgrund der Ertragslage des Unternehmens sinnvoll wäre und wenn ja zu welchen Bedingungen (Dividende, Ertragskraft der Aktie).

Ich möchte auch keinen inneren Wert ausrechnen, da dieser Wert nicht genau errechnet werden kann. Es muss uns einfach klar werden: ist ein Teil (Aktie) des Unternehmens mit der oben analysierten Ertragslage billig um zu kaufen oder teuer um nicht zu kaufen bzw. sogar so teuer das verkauft werden könnte.

Ebenfalls verzichte ich bewusst auf einen Blick in die Zukunft, da es einfach kein Ereignis gibt und auch geben wird, welches die Ertragslage von heute auf morgen umwerfen könnte. Wenn man regelmäßig aus den Geschäftberichten diese paar Zahlen zu Kenntnis nimmt und die Zahlen historisch vergleicht, kommen Sie selbst zu dem Schluß, ob Sie an dem Erfolg des Unternehmens noch teilhaben möchten oder nicht.

Aus meiner Sicht werfen die Aktien der Münchener Rück auch im Januar 2012 hervorragende Werte , wie eine Dividendenrendite um die 6,5 % und eine Ertragskraft gemessen ab 2005 um die 12 % ab.

PS: Größte Teile der Anleihen aus den Kapitalanlagen sind Anleihen aus den Staaten mit einem AAA-Rating (Anteil über 60 % laut dem Zwischenbericht 1-3 Q. 2011). Zudem möchte ich anmerken, dass die momentane Krise mehr zu einer Medienkrise als einer Wirtschaftskrise tendiert.

Es gibt Japan mit 200 % Schuldenquote im Vergleich zum BIP. Es gibt die USA die in den 50 er Jahren mit einer Verschuldung von 140 % unterwegs war. Zudem möchte ich behaupten, dass die Schulden jemals zurückgezahlt werden mussen, widersprechen. Die Schulden müssen nicht zurückgezahlt werden, da sie mit Inflation und mit Wachstum effektiv zurückgefahren werden können und ohne Schulden kein Wirtschaftswachtum möglich wäre und auch wird.

Dies war ein Gastbeitrag von Sergej. Einem fleissigen Mitleser des Aktienanalyse Blogs. Herzlichen Dank an dieser Stelle von mir für den Beitrag. Wer ebenfalls seine Fundamentalanalysen veröffentlichen möchte schreibt einfach eine Email mit der Analyse an : zuckerdepot@yahoo.de . Ich veröffentliche dann den Artikel und lade alle herzlich zur Diskussion/Kommentaren ein. Wer regelmässig schreiben will erhält auch gerne einen Gastautor Zugang (ich glaub das geht bei Blogger.).

Bis bald in diesem Fundamentalanalyseblog.

18.01.2012

Margin of Safety - Ideen für Valueinvestoren von Benjamin Graham

Die Margin of Safety und Mr. Market - Benjamin Graham und Warren Buffett
Die wichtigste Idee für jeden Investor - Die Margin of Safety


Das Ziel der Valueanalyse und dieses Blog ist es dem durchschnittlichen Investor zu zeigen das es möglich ist, durch das lesen von Geschäftsberichten (mindestens der letzten 5 Jahre, und wenn eine erste Vorauswahl getroffen wurde lohnt es sich auch die Geschäftsberichte und Bilanzen der letzten 10 Jahre und ggf. länger anzuschauen), den Bilanzen und der Gewinn und Verlustrechnungen, einen ungefähren Wert bestimmen zu können was ein Unternehmen, und dessen Aktie, wirklich wert ist (innere oder echte Wert).

Da sich dieser Wert nicht genau bestimmen lässt sollte man sehr vorsichtig und konservativ einen Wert der Aktie ermitteln. Konservativ bedeutet, daß wir z.B. Sondereinflüsse die einmalig bzw. nicht regelmässig wiederkehrend sind aus der Gewinnrechnung herausnehmen.

Wie schätze ich Gewinne, Umsätze usw. ?
Ein Beispiel für eine konservative Ermittlung der Gewinne : Unternehmen XYZ hat einmalig einen großen Teil Immobilien verkauft die 30 Jahre in der Bilanz standen und jetzt mit satten Bilanzgewinnen verkauft werden.

Ein weiteres Beispiel das zeigt wie der innere Wert einer Aktie verfälscht werden könnte: Ein Rohstoffunternehmen (Gold, Aluminium Diamanten usw.) schreibt in den Jahren 2008-2011 Supergewinne nicht zuletzt dadurch, daß der Goldpreis sich verdreifacht hat. Die Gewinne des Rohstoffunternehmens in den Jahren 1990 bis 2005 (eine viel längere Periode) waren bedeutend tiefer. Der vorsichtige Investor wählt zu seiner eigenen Sicherheit die durchschnittlichen Gewinne der Periode 1990 bis 2005 um einen Unternehmenswert zu ermitteln. Die hohen Gewinne sind nur das Produkt einer vorübergehenden Rohstoffhausse an den Rohstoffmärkten. Wir wissen, daß Rohstoffe sehr zyklisch sind. Also wissen wir auch, daß die zyklischen Höchstgewinne dieser Unternehmen mit Vorsicht zu geniessen sind.

Ein weiteres Beispiel für die Ermittlung der echten Gewinne pro Aktie: Eine Investmentbank konnte Ihren Gewinn in den letzten 5 Jahren verfünffachen (Beispielhaft die letzten 2 Jahre vor der Finanzkrise von 2005-2007). Der konservative Investor berücksichtigt, daß der Anteil der Gewinne von Banken in den jeweiligen Indizes wie z.B. S&P500, DAX, Eurostoxx im Vergleich zu anderen Branchen so hoch wie das letzte Mal vor 50 Jahren ist. Der konservative berücksichtigt, daß bei Bankenübernahmen ein Goodwill von 100% und mehr gezahlt wird und viele Gewinne der Banken auf "Luftbuchungen" basieren (dubiose Derivatedeals und so weiter / ein Warren Buffett hat bereits 10 Jahre früher vor dieser Katastrophe gewarnt).

Zur Abwechslung einmal ein Beispiel mit Verlust: Ein Industriekonglomerat muss Ihre Beteiligung an einer Tochter komplett abschreiben da absehbar ist, daß diese Beteiligung in der Zukunft nicht mehr die erhofften Gewinne/Umsätze bringen wird. Das ein Unternehmen eine Beteiligung auf einen Schlag komplett abschreibt ist gar nich so selten wie man meinen könnte, die Regel ist natürlich das langsam abgeschrieben wird und der Vorstand (der in der Regel nur hochbezahlter Angestellter aber kein echter Eigentümer ist) versucht seine Fehlentscheidungen gegenüber den Eigentümern zu verschleiern (Der Fall Olympus lässt grüssen). Es fällt dadurch ein hoher einmaliger Bilanzverlust an der in den kommenden Jahren, zumindest nicht mehr aus diesem Sachverhalt, nicht mehr auftreten kann.

Benjamin Graham ermittelte einen Durschnitt der Gewinne für die letzten 10 Jahre. Was ebenso simpel wie effektiv ist. Hohe Werte in einem oder zwei Jahren werden automatisch nach unten gezogen und normalisiert. Was Benjamin Graham recht war kann uns nur billig sein. Die Gewinne zu mitteln ist auch heute noch ein beliebtes Werkzeug für Valueinvestoren um den Gewinn vorsichtig zu ermitteln.

Was für die Gewinne gilt, gilt ebenso auch für weitere Kennzahlen der Fundamentalanalyse. Umsatzrenditen, Bestellungen, Absatzzahlen, Margen/Handelsspannen, KBV, KUV usw. sollten ebenso als simpler Durchschnitt der letzten Jahre gemittelt werden. Wenn ein Unternehmen im langfristigen Vergleich eine Umsatzrendite von 8% erzielt hat und die letzten 2 Jahre die Umsatzrendite auf 10% steigern konnte müssen wir scharf nachdenken ob die Steigerung wirklich nachhaltig ist. Wenn alle Unternehmen einer Branche mit Abschreibungen auf Ihr Anlagevermögen in Höhe von 5% arbeiten dann sollten wir sehr auf der Hut sein wenn Unternehmen XYZ jährlich nur 3% abschreibt. Sollen hier nur Gewinne geschönt werden, und die dicke Rechnung wird 10 Jahre später präsentiert, oder wieso soll dieses Unternehmen realistischerweise in der Lage sein nur mit 3% anstatt 5% Abschreibung zu rechnen ? Die Maschinen sind in der Regel ähnlich und alle kochen doch nur mit Wasser. Wir sollten uns nicht einlullen lassen und die mentalen Hürden wirklich hoch setzen. Im Zweifelsfall immer mitteln und die Gewinne, Umsätze, Renditen usw. eher zu niedrig als hoch ansetzen.

Vergangenheit sagt nichts über die Zukunft
Beispiel aus der Immobranche : viele amerikanische und UK Häuslebauer Unternehmen (Homebuilder) haben in der Immoblase 2002-2007 natürlich sehr hohe Umsatzrenditen und tolle Gewinne geschrieben. Wie realistisch war es jedoch diese Gewinne, Renditen, Auslastungen, Neubestellungen auch für die Zukunft anzunehmen ?  Was sprach dafür, was sprach dagegen ?

Beispiele und Gründe gegen weiter steigende Immobilienpreise :
Die Zinsen waren in 2002-2003 historisch einmalig niedrig, d.h. wenn die Zinsen fast bei Null rumkrebsen (bildlich gesprochen) ist es doch ein Irrsinn anzunehmen, daß es noch tiefer gehen könnte. Als vorsichtiger Investor müssen wir davon ausgehen, daß die Zinsen in Zukunft wieder steigen werden, daß die steigenden Zinsen die Nachfrage senken werden da weniger Menschen sich eine Immobilie werden leisten können und durch die sinkende Nachfrage automatisch auch die Auslastung, Renditen, Gewinne usw. der Homebuilder Unternehmen sinken werden.

Die sinkenden Zinsen waren nur ein Anhaltspunkt für den vorsichtigen (Graham spricht im englischen vom "defensive Investor") Investor um zu erkennen, daß es eine Blase ist bzw. es sich um ein zyklisches Hoch handelt. Der Index für die Erschwinglichkeit einer Immobilie (Verhältnis Jahres Einkommen zu Kaufpreis der Immobilie) war auf einem Tief, d.h. es mussten historisch deutlich mehr Jahresgehälter für eine Immo gezahlt werden als in den letzten 50 bis 100 Jahren üblich.

Es gab im Fernsehen erste Serien über die sogenannten Homeflippers, d.h. Leute die erfolgreich eine Immo kaufen, die kurz renovieren und nach ein paar Wochen mit hohem Gewinn wieder verkaufen. Häufige Fernsehsendungen, Bücher und Reportagen in denen über die phänomenalen Renditen der letzten 3,5,7 Jahre berichtet wird (uns interessiert nur die Zukunft) sind  typische Erscheinungen in jeder Blase (meine Kommentare zu Gold und der Goldblase könnt Ihr hier nachlesen oder bei wallstreet-online).

Der Backlog an nichtverkauften Immobilien war historisch hoch. Es wurden immer mehr Immobilien nicht mehr verkauft und für die Halde produziert. Der Backlog im Vergleich zu den neu gegründeten Haushalten wuchs inzwischen auf Jahre an (siehe auch Spaniens Immoblase).

Die Erfolge der Homeflipper wurden immer schwerer. Schon recht früh kaufte man sich Häuser die gar nicht mehr der Absicht dienten damit Mieteinnahmen zu erzielen oder darin zu wohnen. Man kaufte sich Häuser weil man fest davon überzeugt war, daß die Häuser in ein paar Wochen (sogar Stunden) wieder zu einem deutlich höheren Preis verkauft werden konnten. Viele Homeflipper hatten gleich zwei oder drei Häuser zum weiterverkaufen im Angebot. Dies ist eines der sichersten Anzeichen für eine reine Spekulationsblase die völlig überzogen ist.

Die Homeflipper waren zum grössten Teil völlig branchenfremd und waren nie Vermieter, nie Makler, nie Bauherr, Maurer oder aus sonst einem Berufsfeld der etwas mit Immobilien zu tun hat. Die Homeflipper waren reine Spekulanten, nicht mehr und nicht weniger.

Die reine Mietrendite die schon deutlich vor dem Ende der Blase erzielt werden konnte war mickrig klein. Eine sehr, sehr hohe Zahl der von Homeflipper gehaltenen Immobilien machte Verluste. Die Mieteinnahmen waren deutlich niedriger als die  vom Homeflipper monatlich zu zahlenden Darlehenszinsen. Ein guter Indikator um eine Spekulationsgetriebene Preisorgie zu erkennen.

In den letzten Monaten und Quartalen waren die Immopreise so hoch, daß Sie trotz ultraniedriger Zinsen für sehr viele Menschen nicht mehr erschwinglich waren. Beispiel  Deutschland : München zeigt meiner Meinung nach bereits seit einigen Jahren einige dieser Symptome - vom Münchener Immomarkt würde ich zumindest die Finger lassen. Der Erschwinglichkeitsindex für Wohnungen in München ist auf einem langjährigen Tief und die Renditen die als Eigentümer in München erzielt werden können bei der Vermietung sind mickrig bzw. man macht inzwischen Verluste. Gerechnet auf dem Kaufpreisniveau von heute bzw. der letzten 36 Monate.

Eine Blase im Immobereich muss nicht unbedingt knallartig platzen (wie Aktienblasen), bei Immoblasen ist es auch möglich, daß es 20 oder 30 Jahre keine Preissteigerungen (real) mehr gibt. Davon gehe ich z.B. in Spanien aus.  Auch in München ist die Rendite für die Zukunft eher bescheiden. Es ist unwahrscheinlich, daß die Einkommen in Bayern/München doppelt und dreifach so schnell wachsen wie im Durchschnitt der letzten 30 Jahre um die Schere zwischen verfügbaren Einkommen und Immopreisen wieder zu verkleinern. Hier eine Studie die etwas über die Erschwinglichkeit von Immobilien in München sagt : Münchener Immos zu teuer - Immoblase München

Ich könnte jetzt noch tausend weitere Beispielfälle aus dem echten Leben und der Theorie aufzählen. Ich hoffe, daß Ihr erkennt worauf ich hinauswill und welche Art von Fragen Ihr euch bei einem Investment stellen müsst. Egal ob Ihr in Aktien investiert, eine Immo kaufen wollt um diese zu vermieten oder die Bratwurstbude von nebenan "übernehmen" wollt um dick in das Currywurstgeschäft einzusteigen. Stellt euch viele Fragen. Fangt damit an und habt keine Angst. Eure Fragen und Eure Erfahrung in der Fundamentalanalyse wird mit der Zeit immer besser werden. Einfach mal anfangen ist die Übung und schon mehr als der halbe Weg.

Warten auf die Krise - wann soll ich kaufen ? oder warum warten gefährlich sein kann
Nachem wir jetzt vieles unternommen haben um zu ermitteln was das Unternehmen realistisch und langfristig verdienen kann geht es darum einen Preis auf diese Gewinne zu setzen. Normalerweise werden Unternehmen an der Börse mit dem 8fachen bis 15fachen bewertet. Das heisst der Preis der Aktie, der Preis des Unternehmens, spiegelt den Wert von 15 Jahresgewinnen wieder. Ein KGV von 15 entspricht einer Gewinnrendite von 6,67% (100/15). Ein KGV von 12 mit normalen Gewinnen ist daher meiner Meinung nach nicht unbedingt zu teuer und auch nicht billig. Ein gutes Unternehmen mit einem KGV von 12 kann man durchaus kaufen. Wer weiss wie lange es noch dauert bis zur nächsten Krise und wer weiss ob es die Aktie überhaupt günstig geben wird (siehe McDonalds und andere Unternehmen die in der Finanzkrise kaum gefallen sind, sondern im Gegenteil gestiegen sind). Ein KGV von 12 entspricht einer Rendite von 8,33%, eine Verzinsung von gut 8% für eine sichere Anlage ist doch schon einmal ein Wort. Schon nach wenigen Jahren, in denen die Gewinne und Dividenden gestiegen sind, ist dann schon schnell die 10% Rendite und mehr erreicht wenn wir von unserem Einstiegskurs ausgehen.

Zur Zeit hätte ich eine Alternative in 10 jährigen AAA Anleihen die unter 2% rentieren.Eine Coca Cola, eine Nestle ist in meinen Augen sicherer als die Bonität des Deutschen Staates. Ein Staat ist nichts, er geht notfalls pleite um sich seiner Schulden zu entledigen und fängt neu an. Eine Coca Cola wird deutlich später pleite gehen als jeder Staat dieser Welt.

Bei der Überlegung wann ich kaufen soll helfen mir zumindest auch die Gedanken des Großmeisters Warren E. Buffett. Vorausgeschickt sei die Anmerkung, daß es wohl völlig unmöglich ist regelmässig und zuverlässig jeweils den Hoch und Tiefpunkt zu erwischen (nur eine ganz besondere Sorte Mensch schafft das). Bei echten Top Unternehmen ist es sehr, sehr fragwürdig das diese in einer Krise auf KGV von 3,4,5 fallen. Wir können dort schon froh sein wenn Sie auf einem Niveau bei dem 8fachen oder 9fachen des Jahresgewinns gekauft werden können. Wenn wir zu gierig sind oder anders ausgedrückt eine zu hohe Margin of Safety wählen ist die Gefahr meiner Meinung nach zu groß, daß wir nie zum Schuss kommen werden. Dann sitzen wir auf Geld welches mit Minizinsen vor sich hinvegetiert oder Geld das wir dann zu Kursen investieren müssen die wieder deutlich höher sind. Die Alternative das wir dann anstatt in Topunternehmen in Unternehmen der zweiten und dritten Reihe investieren ist auch keine wirklich gute Alternative.

Wenn wir Topunternehmen haben wie z.B. Coca Cola, Nestle, Walmart, Tesco, BASF, Johnson&Johnson usw. dann ist die Zeit unser Freund. Wir können uns sehr, sehr sicher sein, daß die Gewinne und Umsätze in 3 Jahren höher sind als heute. Wir können uns sehr, sehr sicher sein, daß diese Unternehmen in 15 Jahren erheblich mehr Geschäft machen werden. Die Aktie und der Wert des Unternehmens muss quasi steigen über kurz oder lang. Es ist bei diesen Unternehmen gefährlich auf den optimalen Einstiegszeitpunkt zu warten, dieser Punkt kann niemals kommen und wenn er kommt dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir diesen Punkt verpassen gewaltig.

Meine Meinung ist, daß echte AAA Unternehmen bereits ab einem KGV von 12 wirklich kaufbar sind. Bei einem KGV von 10 sind es schon Schnäppchen und bei einem KGV von 7 oder 8 muss ich schon überlegen ob ich mein Haus beleihen soll und mit Fremdkapital kaufe (nur sehr erfahrenen Anlegern zu empfehlen).

Diese Sichtweise habe ich nur bei AAA Unternehmen. Bei den von Graham und auch Buffett zeitweise geliebten Cigar-Butts (Zigarettenstummel) die noch einen kostenlosen Zug haben sieht die Sache schon anders aus. Diese Unternehmen haben oft eine zweifelhafte Gewinn und Umsatzprognose. Es ist fast schon die Regel, daß diese Unternehmen in 10 Jahren nicht nennenswert mehr Umsatz und Gewinn machen werden. Viele dieser Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe gehen vielleicht auch ganz vor die Hunde.

Bei diesen Unternehmen ist die Zeit nicht unser Freund sagt Warren Buffett. Und er hat völlig Recht. Die Zeit wird uns hier nicht rausboxen, bei AAA Unternehmen ist die Zeit unser Freund, falls wir nicht optimal kaufen. Bei diesen Unternehmen muss ich eine viel höhere Margin of Safety einplanen. Wenn ich denke, daß dieses Unternehmen mit durchschnittlichen Gewinnen ein 10er KGV wert ist und maximal ein 12er KGV dann fange ich erst an zu zucken wenn ich bei einem KGV von 6 kaufen kann. Bei den sogenannten Schrottunternehmen hilft es nur wenn wir die Laune der Märkte ausnutzen, d.h. mit den Bewertungen spielen. Das Schrottunternehmen wird heute mit KGV 5 bewertet und wir hoffen und vermuten, daß wir in den nächsten 5 Jahren vielleicht zu einem 9 KGV verkaufen können. Die Zeit wird uns nicht helfen. Da Schrott nicht wächst und nicht mehr Geld verdienen wird in den nächsten 5,10,15 Jahren.

Zusammenfassung Margin of Safety

Alles ist ungefähr. Alles ist im Dunkeln. Wir können die Gewinne nur ungefähr schätzen, wir wissen nicht wie die Börse in den nächsten 30 Jahren Unternehmen bewerten wird. Die Idee der Margin of Safety von Benjamin Graham schützt uns vor Fehlern bei der Bewertung, schützt uns vor Fehlern beim schätzen. Wenn ein Unternehmen mit einem KGV von 12 realistischerweise betrachtet für uns nicht zu teuer ist und investierbar ist, dann sollten wir mit der Margin of Safety versuchen dieses Unternehmen vielleicht erst bei einem KGV von 10 zu kaufen. Also deutlich unter dem Wert den es unserer Meinung nach hat. Wenn ein ganzes Aktiendepot nach diesen fundamentalen Überlegungen zusammengestellt wird ist die Wahrscheinlichkeit Verluste mit so einem Depot zu machen längerfristig so gut wie ausgeschlossen  (eher geht Deutschland pleite). Die Wahrscheinlichkeit längerfristig bedeutende Gewinne und sichere und hohe Dividenden zu erzielen ist dagegen sehr hoch.

Manchmal notieren Aktien nur bei 50% Ihres inneren Wertes, zu anderen Zeiten zahlt man 2,3,10x oder  gar 20x mal soviel wie die Aktie, nach vorsichtigen Schätzungen, überhaupt jemals (in den nächsten 10 Jahren) wert sein kann. Am Aktienmarkt werden dann Preise erzielt und auch bezahlt die bei Übernahmen an den anderen Märkten niemals erzielt werden (Beispiel GmbH Anteile). Diese Eigenart des Aktienmarktes, die teilweise wilden Preisauschläge (in der Börsensprache: volatile Märkte) und Emotionen erlauben es uns Valueinvestoren Geld zu verdienen und eine Mehrrendite gegenüber dem Markt und gegenüber dem Großteil der Anleger einzufahren.

Das ist eine Besonderheit des Aktienmarktes im Vergleich zu anderen Märkten an denen auch Beteiligungen gehandelt werden wie z.B. bei dem Erwerb von GmbH Anteilen und Unternehmensbeteiligungen generell. Diese Märkte sind nicht standarisiert, reguliert und transparent im Vergleich zu Aktienmärkten. Das Verhalten der Markteilnehmer (Käufer und Verkäufer), die Preisbildung und auch die Preisvolatilität auf diesen Märkten ist deutlich anders als am Aktienmarkt. Auf diesen Märkten gibt es keine Panik wie an den Börsen.

Im besten Fall kaufen wir Unternehmen die deutlich unter Ihrem echten Wert notieren. Da wir wissen, daß der Markt diese Aktien früher oder später richtig bewerten wird und die Aktie entsprechend steigen wird um mindestens Ihren "inneren/echten Wert" wieder zu erreichen. Das kann einmal 2 Jahre dauern und manchmal gar 5 Jahre. Aber wir sind uns sicher, daß früher oder später dieses Missverhältnis zwischen dem Wert des Unternehmens,  d.h. dem Börsenwert der Aktie, und den echten Werten wieder aufgehoben ist.

Benjamin Graham beschrieb ein echtes Investment mit einer Margin of Safety wie folgt:"[To] have a true investment, there must be a true margin of safety. And a true margin of safety is one that can be demonstrated by figures, by persuasive reasoning, and by reference to a body of actual experience".

Warren Buffett beschrieb einmal seinen Job und die Margin of Safety wie folgt : Seine Aufgabe jeden Tag besteht darin sich einfach hinzusetzen und sich hunderte von Unternehmen anzuschauen und den Wert X eines Unternehmens herauszufinden. Und dann versucht er im nächsten Schritt zu kaufen wenn er nur 50% von X zahlen muss.

Der Idealfall eines typischen Margin of Safety Investments wäre wenn sich ein Unternehmen finden lässt was deutlich weniger wert an der Börse ist als das Nettovermögen.

Damit ist gemeint, daß die Summe aller vorsichtig geschätzten Immobilien, Bargeldbestände, Beteiligungen, Umlaufvermögen/Anlagevermögen abzüglich aller Verbindlichkeiten deutlich höher ist als die aktuelle Börsenbewertung. Im Idealfall ist allein der Kassenbestand bereits höher als der Börsenwert (Anlagevermögen, Umlaufvermögen usw. nicht einmal dazugerechnet). Das ist auch heute noch möglich. Wenngleich auch deutlich weniger oft als in den Zeiten der schweren Depression 1929 - 1935.

Diese Tiefstbewertungen finden wir schon nicht mehr bei echten Topunternehmen, bei Weltklasse Unternehmen sollten wir uns damit zufrieden geben wenn wir diese unter Ihren langfristigen KGV kaufen. Unter Bewertungen die uns ruhig schlafen lassen selbst wenn die Börse zumacht. Das reicht für 99% aller Investoren und damit werden bereits sehr, sehr gute Ergebnisse erzielen. Diese Investoren beschreibt Benjamin Graham mit dem Defensive Investor.

Das 1% der Investoren denen das nicht genug ist nennt Benjamin Graham den "Enterprising Investor".  Diese Investoren wollen noch etwas mehr Rendite, noch mehr Performance. Dafür ist jedoch auch ein erheblicher Aufwand nötig. Graham meint damit, daß der Anleger in der Lage sein muss 8-12 Stunden täglich für die Analyse und das beobachten der Unternehmen verwenden zu können. Und selbst dann erzielen viele "Professionals" keine zufriedenstellende Ergebnisse.

Bei diesem Aufwand lassen sich in der Tat auch heute noch Unternehmen aus der zweiten und dritten Garnitur finden die nach einem ordentlichen Abzug für die Margin of Safety immer noch billiger zu haben sind als Ihr Wert an der Börse. Der Enterprising Investor tummelt sich heutzutage weltweit an allen Börsen. Er ist zuhause im Markt für kleine Werte an der Börse London (AIM), kennt das Aktienkürzel der kleinen Unternehmen in Italien und ordert über spezielle Banken auch Aktien in Nordafrika wenns billig und aussichtsreich ist. Das sind dann die Unternehmen und Deals mit denen eine Rendite von über 50% jährlich möglich ist. Ehrlich gesagt wüsste ich gar nicht einmal ob es überhaupt erstrebenswert wäre zu diesen 1% gehören. Spätestens wenn ein Hobby wieder in Arbeit ausartet macht es doch keinen Spaß mehr :=)...

Die zwei wichtigsten Ideen von Benjamin Graham, die Margin of Safety und das Konzept des Mr. Market, kann man gar nicht oft genug studieren und verinnerlichen . Ich hoffe diese kurze Einführung in diese zwei Konzepte hat auch gefallen.

Lest bitte auch den Artikel über den Mr. Market von Benjamin Graham. Diese beiden Konzepte wurden in Benjamins Graham Buch bereits vor über 50 Jahren vorgestellt. Die Zusammenfassung findet Ihr hier : Buchempfehlung Valueanalyse

Ich bin sicher, daß diese Ideen allen Investoren beim Valueinvesting helfen werden. Auch bei anderen Entscheidungen im Leben bei denen es ums Geld geht, z.B. Immokauf, lohnt es sich Warren Buffett und Benjamin Graham zu fragen. Viel Spaß noch mit der Fundamentalanalyse.

16.01.2012

Die 2 wichtigsten Ideen für jeden Investor - Mr. Market und die Margin of Safety
Das Konzept des Mr. Market

Mr. Market oder "warum Aktien manchmal teuer und manchmal billig sind"

 In diesem Artikel geht es wieder um grundlegendes über die Fundamentalanalyse, die Auswahl von Aktien, Geldanlage Allgemein und die notwendige Einstellung im Kopf (Behavioural Finance). Die Finanzkrise seit 2007 und all Ihren Nebenwirkungen waren sicher nicht einfach für uns Anleger. Auch im Jahr 2012 spüren wir immer noch die Nachwehen der Finanzkrise in Form von Beinah Staatsbankrotten und hoher Volatilität der Aktienmärkte. Auch wir Valueinvestoren fragen uns dann ob wir alles richtig machen. Besonders wenn die Börsen wieder auf Talfahrt sind benötigt man starke Nerven und Erfahrung.

Das Konzept des Mr. Market und die Margin of Safety sind zwei der wichtigsten Ideen die uns beim Valueinvesting und der Aktienselektion helfen können. Wir können damit jede Börsen und Finanzkrise als Chance sehen und verfallen nicht mehr in Panik wenn die Börsen crashen und die Aktienkurse bis ins Bodenlose und darüber hinaus fallen.

Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre halten kann, darf man auch nicht 10 Minuten halten
Der Investor sollte seine Aktienanlagen so betrachten als ob er Eigentümer des ganzen Unternehmen wird. Warren Buffett meint, daß man keine Aktie kaufen sollte wenn man nicht auch bereit ist diese Aktie 10 Jahre zu halten.

Wir sollten nur Aktien auswählen bei denen es uns egal wenn die Börse ab morgen für die nächsten 10 Jahre zu macht und wir unsere Anteile nicht mehr verkaufen können. Ein weiterer bekannter Kommentar von Warren Buffett ist, daß man keine Aktien kaufen sollte wenn man nicht die Fähigkeit besitzt einen Kursrutsch von 50% auszuhalten.

Jede Aktie, auch die Aktie eines wundervollen Unternehmens, kann in einer allgemeinen Börsenschwäche um 50 % oder mehr fallen. Der intelligente Investor sollte dann in der Lage sein die Aktien billig nachzukaufen anstatt in Panik zu verfallen. Hinter diesen Aussagen stehen ganz einfache Tatsachen der Geldanlage in Aktien.

Zum einen ist es die Tatsache, daß kein Vermögen in kurzer Zeit entsteht. Wer einen Tipp sucht um schnell reich zu werden wird auf dieser Seite nicht fündig werden. Diese Sorte "Anleger" sollte sich dann lieber einen der tausenden, völlig nutzlosen, Börsenbriefe abonnieren die Renditen von 30% und mehr jährlich versprechen. Da wird der Spekulant dann schon fündig werden. Ob er dadurch auch reich wird ist wieder eine andere Frage.

 So wie ein Zen Jünger seinen inneren Frieden durch tägliches meditieren und tägliche Übungen findet wird jeder Valueinvestor seinen finanziellen Frieden bei der Analyse der Finanzzahlen finden. Der Vorgang an sich, das lesen von Bilanzen, Geschäftsberichten und Pressemeldungen ist die Pflichtübung. Es muss gar nicht zum Kauf oder Verkauf kommen. Es wird nur dann gekauft oder verkauft wenn es sich für uns objektiv und nachvollziehbar lohnt. Bei einem Depot von 5 bis 15 Aktien ist das auch sehr überschaubar in seiner Freizeit möglich. Mehr als 1 Stunde im Monat wird nicht benötigt.

Um als Valueinvestor erfolgreich Valueinvesting zu betreiben und die "wirklich" günstigen Aktien auszuwählen bedarf es gar nicht viel. Die einzigen Fähigkeiten die Ihr benötigt sind:
- wie bewerte ich ein Unternehmen richtig ? Welche Werkzeuge habe ich ? (Margin of Safety)
- welche psychologische Einstellung zu Aktienkursen, Geldanlagen, Geld und der Börse benötige ich ? (Mr. Market)

Wie die erste Fähigkeit erlangt wird könnt Ihr in einer der zahlreichen Aktien Fundamentalanalysen nachvollziehen oder in den Artikeln in denen die Kennzahlen der Aktienanalyse besprochen werden. Wir sollten eine Aktien nur dann kaufen wenn Ihr aktueller Preis deutlich unter Ihrem aktuellen Wert ist. Umso grösser der Unterschied umso höher unsere Sicherheitsmarge.

Die zweite Fähigkeit, die psychologische Voraussetzung, will ich Euch mit einigen bekannten Konzepten von Benjamin Graham näherbringen. Das Konzept des Mr. Market (auf gut Deutsch : Mr. Börse). Diese einfache Metapher wird für immer die Art und Weise verändern mit der Ihr Aktienkurse und Aktienkursveränderungen betrachtet. Die Idee des Mr. Market wird euch dabei helfen jede Börsen und Finanzkrise als Chance zu sehen. Die echten Mr. Market Jünger freuen sich über jede Aktienkrise. Wenn das Mr. Market Konzept richtig verstanden und angewendet wird, wird sich die Rendite von Euren Investments spürbar erhöhen und Ihr werdet viel ruhiger schlafen.

Mr. Market von Benjamin Graham (der intelligente Investor)
Das Konzept des Mr. Market ist ganz einfach erklärt. Wir stellen uns vor, daß wir einen Partner und Teilhaber in einem gemeinsamen Unternehmen haben. Unser Partner heisst Mr. Market. Mr. Market kommt jeden Tag, egal ob wir wollen oder nicht wollen, in unser Büro oder in unser Haus und bietet uns an das er unseren Anteil am Unternehmen abkauft bzw. er bietet uns jeden Tag an seinen Anteil zu einem bestimmten Preis zu übernehmen.

Das besondere an Mr. Market ist, daß er kein stabiles Nervenkostüm hat. Manche würden Mr. Market auch als emotionales Wrack oder gar als Psychopath bezeichnen. Im übrigen neigt Mr. Market dazu manchmal deutlich zu übertreiben. Manchmal ist er sehr gut drauf und geradezu "high" und andere Male ist er manisch depressiv und man muss Angst und Bange um sein Leben sein. So ungefähr können wir uns Mr. Market vorstellen.

Manche würden sagen er ist sehr emotionsgetrieben, er ist kein kühler Analyst von Finanzzahlen. Wenn er sich wieder einmal in einer seiner Superlaune Phasen befindet dann wird er uns ein sehr gutes Angebot machen um unseren Anteil am Geschäft abzukaufen. Die Zukunft für Mr. Market ist rosa, für das Unternehmen sieht er überdurchschnittliches Wachstum von Gewinn und Umsatz für viele, viele Jahre in die Zukunft voraus. Alles ist einfach perfekt und nichts kann schief gehen. Die letzten 3, 5 oder gar 7 Jahre waren ja bereits sehr, sehr erfolgreich. Warum nicht auch die nächsten 50 Jahre ? So denkt auch Mr. Market. In diesem Zustand der Glückseligkeit ist Mr. Market bereit für unseren Anteil absolute Traumpreise zu zahlen. Ihm ist kein Preis zu hoch.

In anderen Zeiten ist seine Stimmung genau umgekehrt. Er ist dann manisch depressiv. Die Vergangenheit, Gegenwart und besonders die Zukunft sieht er dann gar nicht mehr rosa. Die Zukunftsaussichten sind jetzt ganz bescheiden geworden, er ist so bekümmert und betrübt das er uns anbietet seinen Anteil am Unternehmen zu kaufen. Er will und kann es einfach nicht mehr aushalten. Er will kein Inhaber mehr sein bzw. er hat jetzt andere Investmentmöglichkeiten die er für attraktiver befindet. Der Preis den er für seine Geschäftsanteile verlangt ist weit unter dem was die Anteile wert sind. Weit unter dem was er vielleicht vor 6 Monaten noch für seine Anteile haben wollte.

In Krisenzeiten ist Mr. Market jetzt alles egal. Er möchte einfach raus aus seinem Geschäft. Er verliert die Nerven und ist bereit auch sehr niedrige Preise zu akzeptieren damit wir Ihm von seinen Anteilen am Unternehmen "befreien". Weder in den Zeiten Euphorie noch der Depression ist wirklich etwas passiert. Der Wert der Anteile, der Wert des Unternehmens, hat sich nach erprobten Maßstäben der Unternehmensbewertung gar nicht verändert.

Die Umsätze in den nächsten Jahren und die Gewinne in den nächsten Jahren sind vermutlich nicht dramatisch tangiert von der aktuellen Krise. Das einzige was sich verändert hat ist die Wahrnehmung und die Stimmung von Mr. Market und Millionen von anderen Anlegern. Die echten Werte eines Unternehmens (die Fähigkeit Gewinne und Umsätze zu erzielen) schwanken deutlich weniger stark als die Stimmungen unseres Freundes Mr. Market und der anderen Anleger. Einzig und allein diese Stimmungen sorgen dafür, daß Mr. Market heute extrem viel zahlen will , weit über den echten Wert der Anteile, und in ein paar Wochen oder Monaten wenn die Angst überwiegt deutlich weniger zu zahlen bereit ist.

Das interessante an diesem Verhältnis zwischen uns und Mr. Market ist das wir Mr. Market komplett ignorieren können wenn uns sein Preis nicht gefällt. Wenn Mr. Market uns ein Unternehmen anbietet das deutlich weniger kostet als es wert ist dann sollten wir mit beiden Händen kaufen. Wenn die Firma grundsätzlich gesund und profitabel ist können wir uns sicher sein, daß Mr. Market wieder mindestens den "normalen" Preis zahlen wird wenn sich die Stimmung der Anleger wieder normalisiert.

Wenn uns die Angebote von Mr. Market nicht gefallen dann sollten wir nichts unternehmen. Mr. Market wird auch am nächsten Tag, in der nächsten Sekunde, vor unser Tür stehen, mit einem neuen Angebot für unsere Anteile. Mr. Market wird nie müde werden uns ein Angebot zu machen. Umso bedrückter und ängstlicher Mr. Market ist umso besser sind die Chancen für uns "billig" an Anteile zu kommen. Habt keine Hemmungen.

Mr. Market hat kein Gewissen, kein Gedächtnis und Mr. Market hat auch keinerlei Gefühle. Er wird es uns nicht böse nehmen wenn wir Ihn benutzen um aus seinen Depressionen oder aus seiner Euphorie Profit für uns zu schlagen. Solange wir eine klare Vorstellung von dem wahren Wert einer Aktie, eines Geschäftsanteils haben, liegt es an uns seine Angebote anzunehmen oder abzulehnen. Keiner zwingt uns ein Geschäft mit Mr. Market zu machen.

Ihr werdet es sicher schon gemerkt haben, daß Mr. Market nichts anderes als die Börse ist. Jeden Tag kriegen wir Anteile angeboten und jeden Tag können wir unsere Aktien innerhalb von Sekunden verkaufen oder kaufen. Wenn wir es schaffen so über Aktienkurse zu denken, als Angebote von einem manisch depressiven Freund und Geschäftspartner, werden wir über kurz oder lang sogar in der Lage sein fallende Preise herbeizusehnen. Fallende Aktienpreise und ein Crash an der Börse sind für den echten Investor eine lohnende Angelegenheit. In Krisenzeiten fallen die Aktienkurse.

In Krisenzeiten steigen die Aktienprämien
Steigende Aktienrisikoprämien und fallende Aktienkurse bedeuten automatisch eine erhöhte Renditerwartung, und damit auch höhere Rendite, für die Zukunft. Es ist daher grober Unfug, und eine Katastrophe für die Rendite, Aktien zu verkaufen wenn die Aktienkurse bereits deutlich gefallen sind. Genau das Gegenteil tut dann Not. Wer natürlich in die Zukunft schauen kann wird vor jeder Krise rechtzeitig verkaufen (zu Höchstkursen) und kann, da er in die Zukunft blicken kann, rechtzeitig am Tief zu absoluten Tiefstkursen einsteigen. Das die Rendite bei so einem "Hellseher der Märkte" locker 35% jährlich beträgt ist klar. Leider kenne ich keinen einzigen Investor der 35% jährlich über einen Zeitraum von 15 Jahren oder länger erzielt hat. Wie war das nochmal mit den Börsenbriefen die eine hohe Rendite versprechen ... ?

Die Presse macht aus einer schlimmen Geschichte gleich ein Weltuntergangsszenario. Eine Finanzkrise oder eine Aktienkrise oder ein Skandal in einem Unternehmen sind daher ideale Themen für die Aufmacherstory auf der Titelseite. Die Wahrheit ist, daß keiner die Zukunft kennt. Alle Gurus, alle Zeitungen, alle Kommentatoren wissen nichts über die Zukunft.

Die Nachrichten die Ihr lest sind bereits Vergangenheit und damit uninteressant. Über die Zukunft wird nur orakelt und die Prognosen sind öfter falsch als das Sie richtig sind. Über die Zukunft lesen wir leider nichts in der Presse. Die Professoren Sinn und Co. vom IFO Institut und anderen Forschungsinstituten geben das auch hin und wieder sehr deutlich zu verstehen. Das alles was Sie tun nur eine Vergangenheitsbetrachtung ist und nichts über die Zukunft sagt.

Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit in der Finanzkrise von 2007-2009 erinnern als die hochbezahlten Meinungsforscher, aufgrund Ihrer katastrophalen Prognosen, gar eine Zeit lang keine Prognosen mehr stellen wollten. Ich konnte kaum fassen was diese Leute in dieser Zeit von sich gaben. In dieser Zeit wurde sehr deutlich sichtbar was diese Zunft in Wahrheit wert ist. Ausser als Witznummern taugt die ganze Meinungsforscherinstitutszunft überhaupt nichts.

Spätestens dort ist hoffentlich jedem klar geworden, daß man jede Prognose und jeden Kommentar der Presse und Prognosemenschen am besten einfach überliest und überhört. Dadurch wird sich Eure Rendite nur verbessern können. Ein Warren Buffett schaut Börsenfernsehen hat dabei jedoch immer den Ton aus. Ihm reicht es die Aktienkurse zu lesen, er interessiert sich nur für den Preis. Er liest keine Aktienanalysen von anderen Analysten weil er es für Zeitverschwendung hält und das Niveau der meisten Aktienanalysen, auch die exklusiven Analysen und Studien von Investmentbanken, bei Warren Buffett nur ein Kopfschütteln erntet.


Zusammengefasst : nur in Crashzeiten kann billig eingekauft werden. Pressemeldungen sollten keine Grundlage für Anlageentscheidungen sein und die eigene Analyse nicht ersetzen.

Der einzige Zeitpunkt an dem Ihr steigende Aktienkurse oder Höchstkurse sehen wollt ist wenn Ihr Aktien endültig verkaufen wollt. Also irgendwann im goldenen Zeitalter eines Lebens wenn es ums entsparen geht und man sich Gedanken darüber macht an wen man etwas verschenkt oder wie man das Geld in den letzten Jahren noch auf den Kopf haut.

Wenn Ihr gezwungen seit Aktien zu verkaufen dann wurde bereits ein Fehler beim Kauf gemacht. Diesen Umstand, verkaufen zu müssen obwohl man gar nicht verkaufen will, habe ich in den ersten 5 bis 10 Jahren leider auch hin und wieder noch einmal gemacht. Irgendetwas war immer was mich aus meinen Positionen herausgedrückt hat. Einige Monate und Quartale später konnte ich mich dann immer dafür beissen. Meine Rendite hätte in 99% aller Fälle deutlich besser ausgesehen wenn ich nicht hätte verkaufen müssen.

Mögliche Gründe/Fehler warum man Aktien verkaufen muss:
 - Aktienanteil zu hoch gewählt, man hält die Verluste nicht mehr aus
- zuwenig Cash für Notfälle im privaten Bereich (shit happens)
- 1000 weitere mögliche und unmögliche Gründe (Murphys Law)

Alles sehr schlechte Gründe für einen Verkauf von Aktien. Nichts ist schlechter für die langfristige Aktienrendite als am Tiefpunkt einer Krise, wenn das Cash knapp ist und die Verluste im Depot hoch (die Aktien jedoch bilig sind und die zukünftige Rendite wohl eher hoch ist), verkaufen zu müssen weil man für irgendwelche anderen Dinge im Leben wie z.B. Arbeitslosigkeit, Scheidung, Autounfall usw. unbedingt Geld braucht. Wenn es richtig angestellt wird sollten Aktien fast nie verkauft werden müssen.

Ein beliebter Spruch von Warren Buffett ist, daß er die Aktien am liebsten für immer hält. Das er seine Aktien nie verkauft. Wenn Aktien billig gekauft werden gibt es sehr wenig Gründe Sie jemals wieder zu verkaufen. Wenn man eine Aktie wirklich billig gekauft hat, dann kann es uns egal sein was die Börse macht.

Ich habe selber + 20 Jahre Börsenerfahrung und kann sagen, daß es in jeder Krise für uns Möglichkeiten gibt AAA Unternehmen zu kaufen die dann von Tiefstkursen gerechnet eine Dividendenrendite von 10% haben, oder 9% oder 11%. Die Dividendenrenditen sind dann deutlich höher als Anleihenrenditen. Bei AAA Unternehmen ist die Dividende auch in der schlimmsten Krise (damit sind Krisen gemeint die deutlich, deutlich schlimmer werden als 2007-2012) nicht ausfallgefährdet und das Unternehmen ist auch nicht im Bestand gefährdet.


Häufigkeit von Börsenkrisen
Die typische, einmalige und unvorhergesehene Weltuntergangskrise kommt an den Börsen regelmässig alle 5 bis 7 Jahre wieder. Alle Marktteilnehmer sind wie immer überrascht. Panik regiert. Und in jeder ordentlichen Finanz und Börsenkrise, die Ihren Namen verdient, gehen die Banken fast drauf. (jetzt müsst Ihr kaufen!)

Eine Aktie nie verkaufen müssen
Wir werden durch die Krise sehr günstig Eigentümer an phantastischen Unternehmen, mit ebenso phantastischen Gewinnaussichten für die nächsten 20, 30 oder 40 Jahre. Die Krise ist schon bald wieder vorbei und an den langfristigen Aussichten hat sich nicht wirklich etwas geändert. Für die Rendite unser Aktien, für die Rendite unser Investments sind die nächsten 2-3 Jahre bedeutungslos. Was zählt sind die nächsten 10,20 Jahre.

Bei Topunternehmen ändert sich in der Regel nichts an der Perspektive für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Was von langfristigen Prognosen zu halten ist und was es dabei zu beachten gilt könnt Ihr in diversen anderen Artikeln nachlesen. Wir erhalten jedes Jahr eine Dividende von 8%,9%,10% auf unser eingesetztes Kapital. Und erfahrungsgemäss steigt die Dividende jedes Jahr. Diese Dividende ist unabhängig von den Launen der Börse. Die Börse kann von uns aus zumachen für die nächsten 10 Jahre. Die Dividende läuft weiter, wächst stetig, und wir sind nach wie vor Teilhaber an einem tollen Unternehmen. Wir wollen unsere Aktien nicht verkaufen. Wir wollen Eigentümer an diesem Unternehmen bleiben. Es wäre Schwachsinn die Anteile an unserem Unternehmen zu verkaufen. So und nur so ist der berühmte und vielzitierte Kommentar von Warren Buffett zu verstehen, daß seine favorisierte Halteperiode für Aktien "IMMER" ist. Er kauft billig und ist dadurch nie wieder gezwungen zu verkaufen.

(Eine Ausnahme ist auch hier wieder die Regel. Warren E. Buffett hat im Nachhinein gesagt, daß auch eine Coca Cola in der Blase der New Economy mit einem KGV von 40 oder 50 etwas zu teuer war und er lieber hätte verkaufen sollen)

Aktien nie verkaufen - wie ein Eigentümer denken und handeln
Ein William (Bill) Gates ist sehr reich geworden weil er über 30 Jahre lang sein komplettes Vermögen (kaum Diversifikation und damit volles Risiko!) in ein und derselben Aktie gehalten hat. Bill Gates wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen die Anteile seines Unternehmens heute zu kaufen und in 3 Wochen wieder zu verkaufen. Hunderte von Mitangestellten die seine Vision geteilt haben und als ganz normale Angestellte die Aktien von Microsoft gekauft und gehalten haben, diese Aktien nie getradet haben und über jahrzehnte Eigentümer geblieben sind, sind heute mehrfache Millionäre.

Wer ein gutes Unternehmen gefunden hat wird die höchste Rendite durch jahrelanges still halten verdienen.


Wer tradet verliert
Trading funktioniert nicht. Es ist leider nicht möglich langfristig und zuverlässig immer optimale Einstiegs und Ausstiegspunkte zu finden. Die meisten Valueinvestoren versuchen sich daher auch nicht als Trader und lassen die Finger von extremen Markt Timing Versuchen. In diesem Blog findet Ihr diverse Studien die belegen das Trading nicht funktioniert (80% der Daytrader verlieren Geld, die Rendite sinkt durch häufiges Trading allein durch die Tradinggebühren/Bankkosten um 2,6% jährlich / falls doch einmal gewonnen wird frisst die Steuer durch häufiges Steuern zahlen die klägliche Überrendite fast völlig weg / usw.). Auch Warren E. Buffett hat sein Vermögen nicht dem Aktientrading zu verdanken.


Börsenbrief und Musterdepot Abzocke
Auch die Verkäufer der Börsenbriefe schaffen es nicht langfristig und zuverlässig hohe Renditen mit Aktien zu erzielen. Ich habe noch keinen einzigen Börsenbrief in den letzten 20 Jahren gesehen der ein wirklich nachvollziehbares und sehr zeitnahes Musterdepot führt und der ein wirklich geprüftes Testat über das Trading der letzten Jahre nachweisen kann. Was ich sehe sind theoretische Muster Ergebnisse, gewagte Muster Prognosen, dubiose Backtests von theoretisch phantastischen Handelssystemen und wischi-waschi Aussagen.

All diese Unternehmen und Börsenbriefschreiberlinge verdienen Ihr Geld mit dem Unwissen und der Gier der Anleger. Das gilt nicht nur für die letzten 20 Jahre. In diversen Aussagen und Büchern findet man zahlreiche Vergleiche, Tests und Hinweise die deutlich machen, daß auch vor 40 Jahren und 60 Jahren es zahlreiche teuren und billigen Anlageempfehlungen gab jedoch keine verlässlichen Aktiensysteme und Börsentipps gab die eine Überrendite mit Aktien ermöglicht hätten. So einfach ist es leider nicht an den Börsen.

Wenn jemand ein System hätte welches 30% jährlich macht würde er es nicht verkaufen. Für kein Geld der Welt würde man so ein System verkaufen. Die Idee dahinter : Wenn dieses System auch nur eine handvoll Menschen kennen wird es nicht mehr funktionieren und die Überrenditen werden wegschmelzen und automatisch vernichtet. Daher würde jeder so eine "Gelddruckmaschine" so geheim wie nur möglich halten.

Ich kenne mindestens 100 Börsenbriefe, Optionsbriefe, Rohstoffraketen Tipps und Geheiminvestment Newsletter allein aus dem Deutschsprachigen Raum die Renditen von über 30% jährlich oder gar monatlich versprechen. Anscheinend hat jede Zeitung und jeder Börsenbrief so eine Gelddruckmaschine.

Superinvestoren vs. Traumrenditen der Abzocker
Die Wahrheit sieht anders aus. Es gibt nur eine kleine handvoll Investoren weltweit die über längere Zeiträume (mindestens 15 Jahre) eine Rendite von über 20% jährlich nachweisen können. Warren Buffett, George Soros (kein typischer Valueinvestor), Seth Klarman kennt jeder. Diese Superinvestoren kann man an einer Hand abzählen.

Diese Superinvestoren sind auch erst rückwirkend betrachtet als Superinvestoren zu identifizieren. Bei jedem dieser Superinvestoren war es für einen normalen, kleinen Retailinvestor nicht möglich von Anfang an dabei zu sein. Wir hätten Ihn nicht erkannt und falls wir Ihn vor 30-40 Jahren bereits erkannt hätten, hätten wir über erhebliche finanzielle Mittel verfügen müssen um dabei sein zu können. Auch heute ist es fast unmöglich bei einem "echten" Superinvestor mit dabei zu sein.

Eine Ausnahme an der Rendite eines Superinvestors teilzunehmen ist vielleicht Warren Buffett über den Kauf der Berkshire Aktie. Wobei anzumerken ist, daß die Rendite von Warren Buffett z.B. von 1955 bis 1967 (über 1100% in 10 Jahren) natürlich eine andere war als die Rendite von Warren Buffett in den Jahren 2000 bis 2011. Bei Seth Klarman oder George Soros kann man nicht mehr mitinvestieren. Es sei denn man bringt 100 Millionen Dollar/Euro mit.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Möchtegern-Superinvestor-Newsletter bei denen jeder mit einigen hundert Euro jährlich "Partner" werden kann. Ein Warren Buffett flog von 1950 bis 1980 unter fast jeden Radar der Presse und Öffentlichkeit hindurch. Erst in den 70er und 80er Jahren gab es die ersten, seltenen, Presseartikel oder Fussnoten in Finanzbücher über Warren Buffett. Auf die ersten echten Bücher und Biographien über Warren Buffett und seine Erfolge musste man bis 1995 warten.

Das heisst die längste Zeit, die Zeit mit der höchsten Rendite für Warren Buffett und seine Investoren, war es fast unmöglich bei Warren Buffett mit dabei zu sein. Warren Buffett startete das investieren professionell bereits 1951 bzw. 1956 (je nachdem was man als Beginn nimmt, sein privates investieren oder seine erste echte Buffett Partnership). Das erste Buch kam 1996 raus.

Rund 40 Jahre Blindflug für den Großteil der Investor-Menschheit und 40 phantastische Jahre für die winzig kleine Zahl von Investoren die von Beginn an dabei waren. Diese kleine Zahl von Leuten hat Warren Buffett buchstäblich zu mehrfachen Millionären gemacht. Es gibt unzählige, teilweise skurril-lustige Geschichten, von Investoren die Warren E. Buffett bereits 1950 oder 1960 kennenlernten und Ihr Geld unter gar keinen Umständen diesem damals noch jungen und unbekannten Mann anvertrauen wollten.

Die Leute die 1950 und 1960 diese Chance als Anleger verpasst haben und Warren Buffett kein Startgeld gegeben haben finden diese Geschichte rückblickend betrachtet natürlich nicht mehr so lustig. Wer hört schon gerne, daß er die beste Chance seines Lebens verpasst hat (aus Investorsicht gesehen). Was ich damit sagen will ist, daß es fast ausgeschlossen ist, wirklich völlig unmöglich, daß hinter einem von diesen Börsenbriefen und Musterdepots wirklich ein zukünftiger Superinvestor steckt. Genauso gut könnt Ihr auch Lotto spielen oder das Geld wegschmeissen (Spenden für Organisationen mit niedrigen Verwaltungskosten wäre noch was).

Spart Euch das Geld für kostenlose oder kostenpflichtige Börsenbriefe, kostenlose Musterdepot und kostenpflichtige oder kostenlose Foren oder kostenpflichtige Anlageempfehlungen. Ihr werdet den Warren Buffett da draussen nicht finden. Auch diesre Blog ist keine Anleitung wie man zum Superinvestor wird. Dieser Blog soll nur einige Anregungen geben. Wer wirklich Superinvestor werden will muss seinen Job an den Nagel hängen und dann jeden Tag 16 Stunden Geschäftsberichte lesen. Selbst das ist keine Garantie auf Überrenditen - Millionen von professionellen Investoren opfern jeden Tag bereits 16 Stunden und schlagen doch nicht den simplen Index in der Regel.

Es gibt nur eine handvoll echter Warren Buffetts die in der Regel erst deutlich im Nachhinein (wenn es schon fast gelaufen ist) erkannt werden. Es gibt dagegen zehntausende Möchtegern Buffetts und Börsenbriefverkäufer in jedem Land.

Solide Aktientipps 
Auch wenn wir jede Woche in dutzenden Zeitungen mit dutzenden Aktientipps bombardiert werden. Über die unzähligen Foren und Börsennewsletter will ich an dieser Stelle gar nicht reden. Solide Aktientipps nach den Kriterien der Fundamentalanalyse gibt es kaum. Auch erfahren wir in den Zeitungen nicht welche Mischung der Aktien im Depot wir jetzt fahren sollen. Diese Aktientipps werden gedruckt damit die Zeitung voll wird und die Redakteure Ihre Seitenzahl abliefern. Damit verdient der Redakteur und Schreiberling seine Brötchen.

Wie sich die Aktie, nachdem Sie als Aktientipp gedruckt wurde, weiter entwickelt ist bereits eine andere Geschichte und dem Schreiberling in der Regel egal. Eine langfristige Auswahl von Aktien unter fundamentalen Gesichtspunkten ist Mangelware. Woche für Woche, Monat für Monat und egal ob die Aktien, valuetechnisch gesehen, billig oder teuer sind kriegen wir neue Aktientipps gleich im Dutzend aufgetischt und müssen immer investiert sein bzw. neu investieren. Das ist natürlich Käse. Wer 10 gute Aktien hat benötigt nicht noch die 11. beste Idee oder gar die 12. beste Idee. Man sollte sein Kapital in die 5. besten Ideen investieren.

Wer meint das Glückslos für das finanzielle Nirwana in der Hand zu halten der sollte sein Kapital, mit zusätzlichem Fremdkapital, in eine einzige Aktie stecken. Nur so erzielt man die höchste Rendite, natürlich auch die höchsten Verluste falls man falsch liegt.

Und wer hat schon Lust ständig sein Depot umzuschichten ? Der ständige Aktienkauf und Verkauf macht nur meine Bank glücklich. 10 gute Aktien, 10 gute Unternehmen die langfristig (quasi für immer) gehalten werden ist alles was man benötigt um eine tolle Rendite möglich zu machen.

Lösung für alle Nicht Warren Buffetts
Wir sollten versuchen gute Unternehmen zu finden (was schon schwer genug ist), Eigentümer dieser Unternehmen zu werden (am Besten wenn es knallt an den Börsen) und dann sitzen wir einfach lange, lange und ruhig auf unserem Hintern. Wir kümmern uns um andere Dinge und schauen über Jahre nicht mehr ins Depot. Das "auf dem Hintern sitzen", durch alle Krisen hindurch, ist besonders für jüngere und unerfahrene Aktionäre eine der schwersten Aufgabe überhaupt.

Um diese psychologischen Hürden und Fallen die wir uns selber stellen besser zu verstehen helfen uns einige kleine Lektionen und Artikel in der Investor Psychologie / Behavioural Finance auf die ich dann später eingehen werde.

Dieser etwas längere Beitrag über die Fundamentalanalyse und über grundsätzliches bei der Aktienanalyse sollte die folgenden Punkte vermitteln die meiner Meinung nach sehr wichtig für uns Investoren sind. Ich hoffe es ist mir gelungen.

 - Die Tagesschwankungen und Launen der Börse lösen kein Herzrasen mehr aus (Mr. Market bietet uns Chancen. Wir sind nicht gezwungen zu kaufen oder zu verkaufen. Wenn wir gut gekauft haben dann haben wir jetzt die Chance noch einmal nachzukaufen)
- lernen sich bei den Investments auf die reinen Fakten zu konzentrieren (Analyse ist wichtig. Pressgeschrei, Pressemeldungen und Möchtegern Börsenbriefe bringen in der Regel gar nichts)
- Die Auswahl der Aktien langsam aber dafür umso sorgfältiger vorzunehmen (10 Jahre und länger halten, ohne zu traden und schwach zu werden, schafft man nur wenn man 100% überzeugt und informiert über "seine" Unternehmen ist)
- warum sind Aktien manchmal billig und manchmal teuer ? (Das Konzept des Mr. Market und die Emotionen...)

Weiteres zu Mr. Market, die Margin of Safety und Benjamin Graham findet Ihr in der Buchempfehlung Intelligent Investor.



Viel Spaß auf diesem Blog noch und bei der Fundamentalanalyse. Ich freu mich auf Feedbacks.
Mr. Market, Benjamin Graham, David Dodd, Investor Psychologie, Warren Buffett Zitate, Valueinvesting, Margin of Safety