30.10.2009

Aktienanalyse ganz leicht lernen

Das Kurs Gewinn Verhältnis

Dieser Beitrag soll Ihnen einige Grundbegriffe vermitteln, die für die Fundamentalanalyse notwendig sind, als auch einiges über die Prinzipien und Ideen, die hinter diesen Kennzahlen stecken, erzählen. Lassen Sie uns gemeinsam die Geheimnisse der Wertpapieranalyse lüften. Auch der Artikel aus der letzten Woche stellt Ihnen weitere Grundlagen der Aktienanalyse vor.

Der Versuch, zu bestimmen, ob ein Aktienkurs (also der Preis der Aktie an der Börse) gerechtfertigt ist oder nicht, stellt die große Idee der Wertpapieranalyse dar. Bei der Analyse der Aktien lassen wir uns von einigen wichtigen Fragen leiten.
Diese grundlegenden Fragen, die sich ein Investor vor jedem Aktienkauf stellen sollte, lauten:

- Steht der aktuelle Börsenkurs in einer gesunden Relation zu den Gewinnen und Umsätzen des Unternehmens? 
- Welche Rendite lässt sich erzielen, wenn ich die Aktie zu dem heutigen Kurs kaufe und sich meine Annahmen erfüllen?
- Welches Gewinn- und Umsatzwachstum erwarte ich von dem Unternehmen in der Zukunft? 
- Welche Auswirkungen hat es auf den Aktienkurs, wenn dieses Wachstum nicht eintritt und dementsprechend auch meine Annahmen nicht eintreten?

Mit Hilfe dieser Fragen gilt es zu klären, ob die Ertragskraft eines Unternehmens bestellt ist. Unternehmen, die von jedem Euro Umsatz möglichst viel Gewinn für uns Aktionäre übrig lassen, sind von Haus aus sehr interessant für eine Anlage. Nach der Beantwortung dieser Fragen, erhält man schon ein erstes Bild darüber, ob der Aktienkurs in gesunder Relation zum inneren Wert steht.

Gute Renditen durch ein gesundes Kurs Gewinn Verhältnis = KGV
Gute Relationen für das Verhältnis von Unternehmensgewinne zu Aktienkursen sind grundsätzlich Bereiche zwischen 8 bis max. 15. In diesem Bereich wird eine Aktie erworben, die wenig bis gar keinen Spekulationscharakter aufweist. Sehr gute Renditechancen bei begrenztem Risiko haben Aktien, die in dieser Region gekauft werden können. Vorausgesetzt natürlich, dass sich Umsatz und Gewinn in der Zukunft genauso entwickeln werden, wie in der Vergangenheit.
Rechenweg für die KGV Ermittlung

Um das KGV zu ermitteln, benötigt man zunächst einmal den Unternehmensgewinn. Diese Zahlen können Sie von jeder börsennotierten Aktiengesellschaft erhalten, Sie müssen nur auf die Homepage des Unternehmens gehen. Im Bereich ‚Investor Beziehungen’ (engl. ‚Investor Relations’) sind in der Regel alle Firmenkennzahlen aufbereitet. Neben dieser Angabe, gibt es auch Informationen über die Geschäftsberichte und Bilanzen der letzten Jahre.

Bitte achten Sie bei der Aktienanalyse eines Unternehmens darauf, dass Sie jeweils die gleiche Gewinnbasis nehmen. Wenn Sie bei einem Unternehmen den Gewinn vor Steuern nehmen, sollten Sie so auch bei den anderen Unternehmen vorgehen, um einen Vergleich zu erhalten. Der englische Begriff für den ‚Gewinn vor Steuer’ lautet: ‚Earnings before Taxes’, mit der Abkürzung EBT. Diese Vorgehensweise sollten Sie auch bei der Errechnung weiterer Kennzahlen beibehalten.

Beispiel KGV Berechnung Hochtief AG für die Jahre 2007 und 2000
Gewinn Hochtief Jahr 2000:       123 Millionen EUR
ausstehende Aktien Jahr 2000:   70 Millionen Aktien

Der Unternehmensgewinn des Jahres 2000 muss durch die Anzahl der existierenden Aktien geteilt werden. Dadurch wird der Gewinn je Aktie errechnet (engl. ‚Earnings per Share’, oder auch EPS). 

Die Formel lautet: Jahresgewinn geteilt durch ausstehende Aktien.

Jahr 2000: 123 Millionen EUR / 70 Millionen Aktien = 1,76 € Gewinn je Aktie

Für 2000 ergibt sich damit ein Gewinn per Aktie (EPS) von 1,76 EUR. Der Gewinn, den ich in 2000 und 2007 verwende, bezieht sich auf den bereinigten Gewinn nach Minderheitsanteilen Dritter.

Für 2007 sieht die Rechnung wie folgt aus:
Gewinn Hochtief Jahr 2007:         141 Millionen EUR
ausstehende Aktien Jahr 2007:       67,87 Millionen Aktien

Jahr 2007: 141 Millionen EUR / 67,87 Millionen Aktien = 2,07 € Gewinn je Aktie

Nachdem der Gewinn je Aktie errechnet ist, kann man diesen Wert in Beziehung zu dem Aktienkurs setzen und mit einem letzten Schritt das KGV dieser Aktie ermitteln. Hierfür ist nur eine einfache Division nötig:
Der durchschnittliche Aktienkurs 2007 betrug 74,5 EUR je Aktie. Um das KGV für das Jahr 2007 zu ermitteln, muss der Aktienkurs durch den Gewinn per Aktie geteilt werden: 74,5 EUR Aktienkurs / 2,07 EUR GpA = 35,99 KGV

Das durchschnittliche Kurs Gewinn Verhältnis betrug damit im Jahr 2007 das rund 36fache des im selben Jahr erzielten Jahresgewinns. Das heißt, dass sich diese Zahl in keinem gesunden Rahmen bewegt und die Aktie, gemessen an ihrem tatsächlichen Gewinn in 2007, meiner Meinung nach, zu teuer bewertet war.

Falsche und fehlende Unternehmenskennzahlen im Internet

Von den unzähligen Informationsdiensten im Internet rate ich in der Regel ab, wenn es darum geht, sich Unternehmenszahlen zu besorgen. Sowohl bei onvista.de, reuters.de, yahoo.de, faz.net, als auch auf vielen anderen Seiten, sind entweder nicht alle Zahlen aufgeführt oder sie sind falsch. Diese Seiten reichen sicherlich aus, um sich einen schnellen und oberflächlichen Eindruck zu verschaffen. Wollen Sie aber tiefer in die Analyse gehen, kommen Sie nicht daran vorbei, sich die Geschäftsberichte der Unternehmen durchzulesen.
Weitere Fragen für die Wertpapieranalyse

Es gibt noch viele weitere Fragen, die man sich stellen kann und auch stellen sollte. Viele dieser Fragen, werde ich in Zukunft auf diesem Blog vorstellen, beantworten und dann in echten Analysebeispielen anwenden.

Rechnen Sie doch gleich einmal das KGV Ihrer Lieblingsaktie aus! Wie ich Ihnen hoffentlich zeigen konnte, ist die fundamentale Aktienanalyse kein Buch mit sieben Siegeln. Denn die wesentlichen Techniken der Aktienanalyse, sind schnell zu erlernen. Auf diesem Blog werde ich die wesentliche Technik der Aktienanalyse vorstellen. Viel Spaß wünsche ich.

Kommentare:

  1. Anonym21/11/09

    Hallo Traderbob!

    Vielen Dank für das Blog.

    Das durchschnittliche Kurs Gewinn Verhältnis betrug damit im Jahr 2007 das rund 36fache des im selben Jahr erzielten Jahresgewinns. Das heißt, dass sich diese Zahl in keinem gesunden Rahmen bewegt und die Aktie, gemessen an ihrem tatsächlichen Gewinn in 2007, meiner Meinung nach, zu teuer bewertet war.

    Ich hoffe Du gestattest mir ein paar Fragen zustellen, woher weiß ich ob ein KGV von 36 teuer, billig oder angemessen ist, man braucht doch sicherlich noch einen Vergleich dazu? Was sagt ein KGV von 36 über den wahren Wert der Firma aus, ist dieser nicht entscheidend für die Bewertung der Firma?

    Ich danke für Deine Bemühungen.


    Mit freundlichen Grüßen

    R.R.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo RR,

    danke für Deine Fragen. Ich gehe jetzt einmal kurz darauf ein um Dir den groben Rahmen zu zeigen wo meine Gedanken hingehen und woher Sie kommen. Und dann werde ich in Zukunft irgendwann noch einmal genauer darauf eingehen da die Frage ja sehr interessant ist - wie alle Fragen hinsichtlich des Wert eines Unternehmens.

    Entschuldige auch, daß ich einige Zeit gebraucht habe Dir zu antworten. Ich war beruflich einige Tage unterwegs.

    Also grundsätzlich gehe ich auch ohne Vergleich an die Aufgabenstellung heran und betrachte ein Unternehmen isoliert für sich. Die New Economy / Dot Com Blase war ja ein gutes Beispiel dafür was passiert wenn man sich von den Dummheiten anderer anstecken lässt. Nur weil ein Unternehmen mit dem 150fachen des Gewinns bewertet ist und ein anderes Unternehmen eine 130fache Bewertung hatte war das 130fache ja noch lange nicht billig deshalb.

    Ich orientiere mich natürlich auch an historischen Zahlen. Wo lag das historische KGV des Unternehmens, der Branche und des Gesamtmarktes. Und ohne jetzt zuviel Zahlen zu bringen kann man doch sagen, daß ein Wert zwischen 10 bis 20 schon einmal ein guter Durchschnitt ist. Ein Wert von unter 10 ist billig - ein wert von über 20 ist generell erstmal eher teuer.

    Ein KGV von 20 entspricht einer Gewinnrendite von 5% (Kehrwert). Ein KGV von 10 entspricht schon einer Gewinnrendite von 10%. Kaufe ich also ein Unternehmen / Aktie bei einem KGV von 10 - und all die anderen Kennzahlen ändern sich nicht. Ich gehe von Null Wachstum für die nächsten Jahre in der Zukunft aus und ich gehe davon aus, daß dieses Unternehmen auch keine Verluste schreibt in den nächsten Jahren. Alles was das Unternehmen nur noch tun soll ist überleben und auf dem gleichen Niveau zu wirtschaften jetzt. Und ich kann ziemlich sicher eine Rendite von um die 10% damit vereinnahmen.

    Diese Überlegung heute angestellt würde mir zeigen, daß eine Rendite von 10% doch ausserordentlich gut ist wenn ich es mit risikolosen Renditen von 2.8% bis 3.5% für 10-jährige Staatsanleihen von AAA Schuldnern vergleiche.

    Eine andere Überlegung die ich grundsätzlich anstelle ist die, daß es nur sehr, sehr wenigen Unternehmen gelingt langfristig schneller als 15% oder sogar 20% jährlich zu wachsen.

    Wenn Du so ein Unternehmen wirklich findest und es vorher weisst dann ist natürlich auch ein KGV von 35 nicht teuer. Wenn dieses Unternehmen dann die nächsten 20 Jahre jährlich um +15% wächst. Das Problem sehe ich nur darin, daß wir es nicht wirklich wissen können welches Unternehmen so wachsen wird. Und damit bergen diese hohen KGV soviel Enttäuschungspotenzial und sehr hohe Risiken für Kursverluste.

    Was Du jetzt wohl meinst ist die Situation das es oft Zeiten gibt, wenn das Unternehmen z.B. temporär für 1 oder 2 Jahre Verluste schreibt, wo das KGV sehr wenig bis nichts aussagt. Das heisst das KGV kann dann durchaus negativ sein oder ein 200er KGV haben und das Unternehmen ist dennoch billig.

    Das ist natürlich so. Wenn die Assets also die produktiven Anlagevermögen, und natürlich das Umlaufvermögen oder sonstigen Vermögenswerte, des Unternehmens in der Lage sind die Vergangenheitsgewinne wieder zu erzielen dann sollte man sich an Durchschnittsgewinnzahlen aus der Vergangenheit halten um die Gewinne und das KGV für die Zukunft zu errechnen.

    Bei so einer Situation wenn das KGV nichts aussagt schau ich mir natürlich als erstes einmal die Bilanz genauer an. In meinem Beispiel wollte ich zum Start nur das KGV generell erklären. Und was das KGV an sich schon aussagt.
    Du hast gleich einen Punkt angesprochen den ich in Zukunft auf jeden Fall aufgreifen werde.

    Auf die Bilanz und viele weitere Dinge gehe ich dann später noch ein. Dieser Blog soll ja ein ständiger „Work in Progress“ sein und lebt natürlich auch von den Feedbacks, Kommentaren und den sich daraus ergebenden Diskussionen.

    Das so auf die Schnelle und ich hoffe es hilft Dir. Danke für Dein Feedback noch einmal !

    Grüsse Bob!

    AntwortenLöschen
  3. Anonym8/12/09

    Hallo Bob,

    ich bedanke mich für die Beantwortung meiner Fragen, jetzt sehe ich viel klarer.

    Ich werde das Blog regelmäßig verfolgen und auf die nächsten Beiträge von Dir bin ich gespannt.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg für das Blog.

    Bis denne

    RR

    AntwortenLöschen
  4. Anonym15/12/09

    Hallo Bob!

    Der durchschnittliche Aktienkurs 2007 betrug 74,5 EUR je Aktie.

    Wie ermittelst Du den durchschnittlichen Aktienkurs aus dem Geschäftbericht, wenn der Höchstkurs, der Tiefstkurs und kein durchschnittlicher Kurs angeben wurde? Rechnet man dann z.B.: Höchstkurs 74,50 € plus Tiefstkurs 43,68 € und dividiert das dann durch 2?
    Manchmal wird im GB auch nur der Kurs vom 01.01. und vom 31.12. – Geschäftsjahr - angegeben, wir gehst Du dann bei der Ermittlung des durchschnittlichen Aktienkurs vor?

    Für eine kurze Antwort wäre ich Dir sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüssen

    R.R.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo R.R.,

    ich habe zu meinem Glück ja schon vor langer Zeit begonnen viele, viele Daten und Zahlen zu sammeln. Das habe ich wohl von meiner Mutter geerbt.

    Wenn Du Jahreshoch / Jahrestief für jedes Jahr hast dann reicht es vollkommen wenn Du einfach einen Mittelwert berechnest indem Du durch 2 teilst. Und genau das gleiche machst Du bei allen anderen Aktien im Vergleich den Du anstellst.

    Wenn Du nur den Kurs am 01.01. und am 31.12. hast dann hast Du ein Problem. Und Deine Beobachtung ist ganz richtig. Sehr viele Aktiengesellschaften zeigen oft nicht den Tiefstkurs und viel zu gerne einen Höchstkurs. Oder Sie verzichten ganz darauf. Oder Sie verzichten auf die Angabe eines Tiefstkurses/Höchstkurses wenn die Kurse gerade eingebrochen sind. In dem Geschäftsbericht der paar Jahre später kommt und wenn die Börsen gestiegen sind dann zeigt man gerne auch wieder eine Angabe der Höchst- und Tiefstkurse. Bei vielen Werten habe ich durch meine Sammelwut die Höchst/Tiefst und sonstigen Kursen für die letzten 20, 30, 50 Jahre und bei einigen amerikanischen Werten und Deutschen Aktien sogar für die letzten 100 Jahre und länger.

    Sorry wieder für die Verspätung. Ich habe einen neuen Job angefangen und bin jetzt manchmal abends einfach zu müde :=).

    Das freut mich das ich Dich als regelmässigen Leser und vor allen Dingen Feedbackgeber habe. Danke! wir sehen und hören uns !

    AntwortenLöschen
  6. Anonym18/1/11

    Hallo Bob,

    erst einmal ein dickes Dankeschön für den tollen Blog.

    Können Sie mir Tips geben, woher ich historische KGV, KUV und KCF Daten für eine Branche oder den Gesamtmarkt bekomme? Bisher bin ich nur für den S&P500 fündig geworden bzgl. Gewinne und KGV.

    Danke und Gruss,
    Jörg

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Besuch. Versuch möglichst sachlich zu bleiben. Feedback, Kritik und auch Deine Beispiel Aktien-Analysen sind herzlich willkommen. Nach Absprache kann Ich auch einen Autoren Zugang vergeben und Du kannst hier jederzeit Deine Analysen zur Diskussion veröffentlichen. Viel Spaß mit diesem Value-Aktienblog ! (nicht böse sein wenn Antworten von mir wieder "ewig" dauern...)