22.12.2009

Eigenkapitalvergleich Hochtief AG und Bilfinger Berger AG


Vergleich des Eigenkapital im Verhältnis zu der Bilanzsumme bei der Hochtief AG und der Bilfinger Berger AG. Welches der Unternehmen hat die gesündere Kapitalstruktur und welche Schlußfolgerungen lassen sich daraus ableiten ?

Eine weitere wichtige Kennzahl die viel über die Qualität und Sicherheit eines Unternehmens zeigt ist für die Fundamentalanalyse das Verhältnis des Eigenkapitals zu der Bilanzsumme des Unternehmens.

Diese Zahl ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Innerhalb einer Branche gibt es Standards an denen sich der Investor orientieren kann. Überdurchschnittlich hohes Eigenkapital ist immer ein Zeichen für Stabilität und Solidität. Ein hohes Eigenkapital ist damit grundsätzlich gut. Weiterführende Ideen und Theorien über das komplexe Thema der optimalen Eigenkapitalstruktur (Das Eigenkapital kann auch zu hoch sein und dann einen negativen Effekt auf die Börsenbewertung haben - Stichwort : weigthed average cost of capital) lasse ich jetzt erstmal aussen vor. Das hier soll ja kein BWL Kurs sein sondern eher ein lockerer Austausch über die fundamentalen Aspekte der Aktienauswahl.

Ein Eigenkapital welches im Verhältnis zur Bilanzsumme sehr niedrig ist, ist immer ein Warnhinweis für uns Anleger. Hoher Fremdkapitalanteil ist immer gefährlich. Die kleinste Krise reicht dann oft aus und das Unternehmen fährt vor die Wand und ist im Bestand gefährdet. Wenn ich bei der Aktienanalyse und dem Vergleich der Kennzahlen an einen Punkt ankomme an dem ich mich für einen Wert entscheiden muss dann ist das EK zu Bilanzsumme eine Kennziffer die für mich persönlich immer ausschlaggebend sein kann. Im Zweifel wähle ich die finanziell solider aufgestellte Firma und kaufe diese Aktie dann für mein Depot.


Klassisch und über alle Branchen hinweg sollte ein Eigenkapital von mindestens 15% erreicht werden. Diese Zahl ist als ein absoluter Tiefstwert anzusehen bei dem alle Flaggen auf rot stehen sollten für uns als Anleger. Warum ist das Unternehmen mit so wenig Eigenkapital ausgestattet ? Kleine Empfehlung von mir: falls Sie in einem Unternehmen arbeiten welches chronisch unterkapitalisiert ist sollten Sie es in Erwägung ziehen zu einem Wettbewerber von Ihnen zu wechseln der finanziell besser dasteht.


Eigenkapitalhöhe der Baubranche

Branchenüblich für die Baubranche sind Eigenkapitalquoten im Bereich von 22% bis 30%. Den Durchschnitt würde ich mit 25% ansetzen. Diese Zahl als Richtschnur gilt nur für die börsennotierten Unternehmen. Die vielen Kleinstbetriebe in der Baubranche erreichen oft nicht einmal 12% Eigenkapital. Das mangelnde Eigenkapital in der Baubranche ist auch ein Grund für die hohe Zahl der Unternehmenspleiten in dieser Branche. Die Hochtief und die Bilfinger Berger haben diesen Durchschnitt im langfristigen Vergleich auch immer erreicht.

Eine Philipp Holzmann war im langfristigen Vergleich mit einem Verhältnis von 15% Eigenkapital zur Bilanzsumme über Jahrzehnte chronisch unterkapitalisiert und stets akut Insolvenzgefährdet. Anders ausgedrückt waren die Hochtief oder die Bilfinger zur gleichen Zeit allein aufgrund der höheren Eigenkapital Ausstattung zu jeder Zeit das sicherere Investment.

Schauen wir uns die beiden Unternehmen doch einmal im längerfristigen Vergleich an um ein Gespür für die Qualität und Sicherheit zu erhalten.


Eigenkapitalvergleich in Prozent zu der Bilanzsumme: Hochtief AG und Bilfinger Berger AG




Auf den allerersten Blick ist die besondere Qualität der Hochtief erkennbar. Über den gesamten Zeitraum liegt die Eigenkapitalquote im Mittel bei der Hochtief bei über 30% und die EK Quote der Bilfinger bei durchschnittlichen 24,4%. Dieser deutlich höhere Durchschnittswert ist den besonders starken ersten 10 Jahren zu verdanken. Wie der Chart schön zeigt haben sich die Eigenkapitalverhältnisse bei beiden Unternehmen in den letzten Jahren stark angenähert. Mit Stand 2009/2010 würde ich von keiner besonders erwähnenswerten Qualität der Hochtief gegenüber der Bilfinger mehr sprechen wenn es um den Standpunkt der Stabilität geht.

Beide Unternehmen weisen im Jahr 2008 das niedrigste Eigenkapital seit 20 Jahren auf. Das zweitniedrigste Ergebnis für die Bilfinger liegt bei 19,1% und ist im Jahr 1989 zu finden. 19,1% Eigenkapital sind in der Regel immer noch weit davon entfernt existenzbedrohend für ein Unternehmen zu werden. Für die Hochtief lag die zweitniedrigste Eigenkapitalquote im Jahr 2002 bei im Branchenvergleich sehr guten 25%.

Mit diesem neuen Wissen ausgestattet wird man die Umsatz und Gewinnenticklung der letzten 20 Jahre mit ganz anderen Augen betrachten. Beide Unternehmen erfüllen damit grundsätzlich die hohen qualitativen Anforderungen die wir an ein Unternehmen stellen in das wir investieren wollen und dessen Aktien wir kaufen könnten.

Um die Qualität zu verdeutlichen erwähne ich noch die Zahlen der Philipp Holzmann. Der Eigenkapital Durchschnitt für die Holzmann AG lag bei 14% in der Periode 1987 bis 1999. Der Anleger der in dieser Zeit in eine Holzmann investierte, lebte zu jeder Zeit gefährlicher als jeder Bilfinger oder Hochtief Aktionär. Kurz nach 1999 ging die Holzmann spektakulär pleite. Auch andere Branchengrössen im Bausektor erreichen in der Regel nicht die Solidität der zwei hier vorgestellten Aktien.

Der Vergleich des Eigenkapitals sollte bei einer gründlichen Aktienanalyse immer im Handwerkszeugkasten des Aktionärs liegen.






Umsatznettorendite der Hochtief AG und Bilfinger Berger AG

Vergleich der langfristigen Umsatznettorendite für den Zeitraum 1989 bis 2008 für die Hochtief AG und die Bilfinger Berger AG. Welches Unternehmen zieht mehr Gewinn aus dem erzielten Umsatz ?


Am Anfang meiner Aktienanalyse für die Hochtief und die Bilfinger Berger stand die Betrachtung des Umsatzes und der Nettogewinne der Hochtief und der Bilfinger. Heute will ich mir weitere Zahlen anschauen die meiner Meinung nach wichtig sind um sich eine fundierte Meinung über ein Unternehmen machen zu können. Im Verlauf werdet Ihr feststellen, daß es im Grunde genommen die eine Methode gar nicht gibt. Es gibt tausende von Kennziffern die wir uns als Investoren ansehen können. Wichtig ist dabei für uns, daß am Ende der Analyse eine belastbare Aussage auf fundierten Daten möglich ist. Frei von Emotionen und persönlichen Vorlieben. Mit einer Handvoll an Daten lässt sich schnell bestimmen ob sich ein Aktienkauf lohnt oder riskant ist. Ob die Aktie billig oder teuer ist.


Wie die Betrachtung der Umsatzzahlen gezeigt hat sind sowohl die Bilfinger als auch die Hochtief grundsätzlich in der Lage Ihr Geschäft auszuweiten. Beide Unternehmen konnten in den vergangenen 20 Jahren und länger Ihre Umsätze und auch Gewinne steigern. Dies an sich ist bereits ein Zeichen für eine gewisse grundsätzliche gute Qualität beider Unternehmen in Ihren alltäglichen Geschäften. Welche Umsatzrenditen sind in der Baubranche möglich und welche Renditen setzen die Hochtief und die Bilfinger Berger um. Dieser Fragestellung bin ich im folgenden Chart nachgegangen. Ich zeige die Entwicklung der Umsatznettorenditen für den Zeitraum 1989 bis einschliesslich 2008.





In den 10 Jahren von 1989 bis 1999 weist die Hochtief AG eine deutlich höhere Umsatzrendite auf als die Bilfinger Berger. Für den Zeitraum 2000 bis 2008 ergibt sich ein komplett anderes Bild. Die teilweise abnormal und branchenunüblich hohen Renditen schrumpfen dramatisch zusammen und die Bilfinger Berger hat in diesem 10 Jahreszeitraum eine fast doppelt so hohe Nettoumsatzrendite aus Ihrem Geschäft erwirtschaftet als die Hochtief.


An dieser Stelle bewahrheitet sich wieder die alte Regel, daß man allzu gute Entwicklungen aus Gründen der Vorsicht nicht allzu weit in die Zukunft fortschreiben darf. Ebenso zeigt sich das es qualitativ guten Unternehmen grundsätzlich auch wieder gelingen kann nach Jahren mit unterdurchschnittlicher Rendite wieder zumindest die durchschnittliche und branchenübliche Rendite zu erzielen.


Qualitativer Aspekt:  Gewinne der letzten 20 Jahre
Die Umsatzrenditen die in der Baubranche erzielbar sind, sind alles andere als spektakulär. Wie schon erwähnt konnten viele Unternehmen in den letzten 20 Jahren bereits froh sein wenn überhaupt noch positive Renditen und Gewinne erzielt wurden. Aus dieser Perspektive betrachtet schlagen sich beide Unternehmen in durchaus schwierigen Zeiten noch sehr gut.


In dem Zeitraum 1987 bis 1996 erwirtschaften beide Unternehmen jedes Jahr positive Erträge und schliessen die Bilanz zum Jahresende immer mit einem positiven Ergebnis ab.
In dem Zeitraum 1997 bis 2008 schliesst die Hochtief jedes Jahr positiv ab. Nur die Bilfinger weist im Jahr 1998 einen kleinen Verlust von minus 46 Millionen aus.


Dieser Verlust war gemessen an dem Vermögen den die Bilfinger 1998 hatte als gering einzustufen. In der gleichen Zeit sind dutzende weltbekannte Unternehmen aus der Baubranche in die Insolvenz gegangen. Auch hier wieder ein Anzeichen für eine Qualität in beiden Unternehmen. Es ist immer eine positive Eigenschaft wenn ein Unternehmen über 20 Jahre lang Umsätze steigern kann und dabei fast nie Verluste schreiben muss. Ob Hochkonjunktur oder Konjunktureinbruch. Beide Unternehmen konnten in der Vergangenheit sehr gut mit allen Anforderungen des Marktes umgehen. Ein Kompliment und Danke an die Mitarbeiter der Hochtief AG und der Bilfinger Berger AG.

Zukünftige Entwicklung der Umsatzrenditen
Für die Zukunft denke ich, daß die Hochtief in der Lage sein wird Ihre Margensituation wieder zu verbessern. Der Trend seit 2001 geht bereits in diese Richtung und die Nettomarge erhöht sich langsam aber stetig. Die extremen Übermargen aus den früheren Jahren sehe ich dagegen nicht mehr. Woher sollten diese denn kommen ? Allerhöchstens Währungsgewinne oder sonstige Erlöse. Das reine Baugeschäft ist historisch gesehen über die letzten Jahrhunderte grundsätzlich margenarm und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Diese hohen Margen sind meiner Meinung nach definitiv als abnormal anzusehen.

Genauso nur mit umgekehrten Vorzeichen verhält es sich bei der Bilfinger. Bilfinger hatte zeitweise eine eher unterdurchschnittliche Marge. Über einen Zeitraum von fast 10 Jahren kämpfte der Konzern mit deutlich fallenden Margen. Der Trend seit 2004 zeigt dafür deutlich steiler nach oben als bei der Hochtief. Das Bild hat sich gedreht.

Dennoch muss zur Vorsicht gemahnt werden. Auch bei der Transformation zum Dienstleister werden die Margen nicht in den Himmel wachsen. Es bleibt abzuwarten ob wirklich nachhaltig Margen von 4 % und mehr zu erzielen sind für beide Konzerne.

Falls dies gelingt sind natürlich beide Werte immer noch billig zu haben. Wir als vorsichtige Investoren sollten darauf jedoch nicht spekulieren. Das überlassen wir den Marketingexperten und PR-Spezialisten die sich allzuoft in die Investor Relations Abteilung eines Konzerns verirren.

Eine nachhaltige Erosion der Margen ist an dieser Stelle und zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht zu erwarten. 2009 und 2010 wird es eine Delle und Wachstumshindernisse geben. Für die Jahre 2011 und 2012 rechne ich dann wieder durchaus mit steigenden Umsätzen bei denen eine sehr gute Möglichkeit besteht das auch die Margen dann wieder erhöht werden. Im nächsten Gewinn und Konjunkturzyklus sind dann auch wieder Höchstgewinne und abermalige Margenausweitungen zu sehen.


Anmerkungen und Kommentare sind ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß.

21.12.2009

Aktienanalyse Hochtief AG und Bilfinger Berger AG

Aktienanalyse Hochtief AG und Bilfinger Berger AG
Schwerpunkt Umsatz und Gewinnentwicklung


Fundamentalanalyse Hochtief AG und Bilfinger Berger AG. Welche Aktie ist zur Zeit günstig bewertet ? Wo lohnt sich der Einstieg unter fundamentalen Gesichtspunkten ?

So. Nach längerer Pause jetzt endlich die Fundamentalanalyse der Bauaktien. Im ersten Schritt betrachte ich nur die Hochtief AG und die Bilfinger Berger AG. Kurz darauf erfolgt dann eine Analyse der Bauzulieferer und Baukomponenten Unternehmen. Dafür habe ich mir die Wienerberger AG und Dyckerhoff AG ausgewählt die beide als global aufgestellte Zementhersteller unterwegs sind.

Im weiteren Verlauf werde ich die Liste der Bauwerte dann ergänzen so das zum Schluß 5 bis 10 Unternehmen durchleuchtet sind und sich ein statistisch schönes Bild ergeben wird. Welches Unternehmen und welche Aktie kaufenswert ist und von welchen Aktien man lieber die Finger lässt. Ich kann mir auch gut vorstellen, daß ich die Analyse dann noch um die eine oder andere Kennzahl erweitern werde.

Vorab kann ich sagen, daß sich zur Zeit kein Investment wirklich aufdrängt. Die klassischen Bauunternehmen sind nicht billig und auch nicht teuer. Wenn wirklich langfristig investiert werden soll und ein Depot jetzt erst aufgebaut wird dann kann bedenkenlos gekauft werden. Die Zeiten sind eher gut zum Aktien kaufen als das Sie schlecht sind.  Die Preise die ich für solide Unternehmen zahle sind immer noch verhältnissmässig moderat. Was ich gleich am Beispiel Hochtief und Bilfinger zeigen werde.

Bei den Zuliefer Betrieben sehe ich eine ganz spezielle Chance bei der Wienerberger AG. Diese Aktie ist meiner Meinung nach bereits im sehr billigen Bereich angekommen. Eine genauere Analyse der Wienerberger mache ich in der nächsten Zeit.

Fangen wir einfach einmal mit den Umsatzzahlen an. Ich nehme willkürlich einige Zahlen aus der Vergangenheit und stelle Sie jeweils gegenüber.


Beide Unternehmen standen im Jahr 1993 am gleichen Ausgangspunkt. Die Bilfinger Berger wies im Jahr 1993 sogar den höheren Umsatz mit 2.6 Mrd EUR aus. Die Hochtief erreichte im Jahr 1993 einen Umsatz von 2.4 Mrd. EUR. Das Bild nach 15 Jahren hat sich zumindest beim Umsatz schon dramatisch gewandelt. Hochtief hat durch Übernahmen wie zuletzt der Leigthon deutlicher an Umsatz zulegen können als die Bilfinger. Aber uns als Anleger sollte der Umsatz nicht allzusehr kümmern.  Höherer Umsatz ist noch lange kein höherer Aktien Kurs Gewinn, höhere Dividende  und bedeutet auch nicht zwangsläufig einen höheren Unternehmensgewinn.  Durch höhere Umsätze allein ist noch keiner reich geworden. Welchen Nutzen konnte die Bilfinger und insbesonders die Hochtief aus diesem explosiven Umsatzwachstum ziehen ?

Folgende Zahlen werden uns helfen das Geheimnis aufzudecken. Ich habe die Jahresgewinne aus den Jahren 1988 bis einschließlich 1995 addiert. Das gleiche geschieht in der Periode 1999 bis 2006. Dadurch haben wir zwei 8 Jahresperioden die wir vergleichen können. Das Ergebnis ist ernüchternd.



Trotz doppelt so hoher Umsätze hat die Hochtief nicht mehr Gewinn in der jeweiligen Periode erzielt als die Bilfinger Berger. Ernüchternd ist auch die Feststellung, daß Hochtief in der Periode 1999-2006 nicht mehr verdient als in der Periode 1988-1995. Ganz anders dagegen das Bild bei der Bilfinger Berger. Bilfinger konnte den Gewinn in der zweiten Periode um gute 90% steigern. Bilfinger verdiente in der ersten 8 Jahresperiode 297 Millionen EUR und war in der Lage in der zweiten Periode einen Nettogewinn von 567 Millionen EUR zu erzielen.

Das ist für den einen oder anderen Aktionär und Mitleser bestimmt eine neue Entdeckung. Die allgemein als klein wahrgenommene Bilfinger Berger lässt das Schlachtschiff Hochtief links hinter sich liegen. Für mich ist in diesem qualitativen Test die Bilfinger Berger der Gewinner. Hochtief war nicht in der Lage die Gewinne nachhaltig zu steigern und konnte auch aus deutlich höheren Umsätzen keinen Mehrwert in Form von höheren Gewinnen schaffen.



Fortsetzung folgt.