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Eigenkapitalvergleich Hochtief AG und Bilfinger Berger AG


Vergleich des Eigenkapital im Verhältnis zu der Bilanzsumme bei der Hochtief AG und der Bilfinger Berger AG. Welches der Unternehmen hat die gesündere Kapitalstruktur und welche Schlußfolgerungen lassen sich daraus ableiten ?

Eine weitere wichtige Kennzahl die viel über die Qualität und Sicherheit eines Unternehmens zeigt ist für die Fundamentalanalyse das Verhältnis des Eigenkapitals zu der Bilanzsumme des Unternehmens.

Diese Zahl ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Innerhalb einer Branche gibt es Standards an denen sich der Investor orientieren kann. Überdurchschnittlich hohes Eigenkapital ist immer ein Zeichen für Stabilität und Solidität. Ein hohes Eigenkapital ist damit grundsätzlich gut. Weiterführende Ideen und Theorien über das komplexe Thema der optimalen Eigenkapitalstruktur (Das Eigenkapital kann auch zu hoch sein und dann einen negativen Effekt auf die Börsenbewertung haben - Stichwort : weigthed average cost of capital) lasse ich jetzt erstmal aussen vor. Das hier soll ja kein BWL Kurs sein sondern eher ein lockerer Austausch über die fundamentalen Aspekte der Aktienauswahl.

Ein Eigenkapital welches im Verhältnis zur Bilanzsumme sehr niedrig ist, ist immer ein Warnhinweis für uns Anleger. Hoher Fremdkapitalanteil ist immer gefährlich. Die kleinste Krise reicht dann oft aus und das Unternehmen fährt vor die Wand und ist im Bestand gefährdet. Wenn ich bei der Aktienanalyse und dem Vergleich der Kennzahlen an einen Punkt ankomme an dem ich mich für einen Wert entscheiden muss dann ist das EK zu Bilanzsumme eine Kennziffer die für mich persönlich immer ausschlaggebend sein kann. Im Zweifel wähle ich die finanziell solider aufgestellte Firma und kaufe diese Aktie dann für mein Depot.


Klassisch und über alle Branchen hinweg sollte ein Eigenkapital von mindestens 15% erreicht werden. Diese Zahl ist als ein absoluter Tiefstwert anzusehen bei dem alle Flaggen auf rot stehen sollten für uns als Anleger. Warum ist das Unternehmen mit so wenig Eigenkapital ausgestattet ? Kleine Empfehlung von mir: falls Sie in einem Unternehmen arbeiten welches chronisch unterkapitalisiert ist sollten Sie es in Erwägung ziehen zu einem Wettbewerber von Ihnen zu wechseln der finanziell besser dasteht.


Eigenkapitalhöhe der Baubranche

Branchenüblich für die Baubranche sind Eigenkapitalquoten im Bereich von 22% bis 30%. Den Durchschnitt würde ich mit 25% ansetzen. Diese Zahl als Richtschnur gilt nur für die börsennotierten Unternehmen. Die vielen Kleinstbetriebe in der Baubranche erreichen oft nicht einmal 12% Eigenkapital. Das mangelnde Eigenkapital in der Baubranche ist auch ein Grund für die hohe Zahl der Unternehmenspleiten in dieser Branche. Die Hochtief und die Bilfinger Berger haben diesen Durchschnitt im langfristigen Vergleich auch immer erreicht.

Eine Philipp Holzmann war im langfristigen Vergleich mit einem Verhältnis von 15% Eigenkapital zur Bilanzsumme über Jahrzehnte chronisch unterkapitalisiert und stets akut Insolvenzgefährdet. Anders ausgedrückt waren die Hochtief oder die Bilfinger zur gleichen Zeit allein aufgrund der höheren Eigenkapital Ausstattung zu jeder Zeit das sicherere Investment.

Schauen wir uns die beiden Unternehmen doch einmal im längerfristigen Vergleich an um ein Gespür für die Qualität und Sicherheit zu erhalten.


Eigenkapitalvergleich in Prozent zu der Bilanzsumme: Hochtief AG und Bilfinger Berger AG




Auf den allerersten Blick ist die besondere Qualität der Hochtief erkennbar. Über den gesamten Zeitraum liegt die Eigenkapitalquote im Mittel bei der Hochtief bei über 30% und die EK Quote der Bilfinger bei durchschnittlichen 24,4%. Dieser deutlich höhere Durchschnittswert ist den besonders starken ersten 10 Jahren zu verdanken. Wie der Chart schön zeigt haben sich die Eigenkapitalverhältnisse bei beiden Unternehmen in den letzten Jahren stark angenähert. Mit Stand 2009/2010 würde ich von keiner besonders erwähnenswerten Qualität der Hochtief gegenüber der Bilfinger mehr sprechen wenn es um den Standpunkt der Stabilität geht.

Beide Unternehmen weisen im Jahr 2008 das niedrigste Eigenkapital seit 20 Jahren auf. Das zweitniedrigste Ergebnis für die Bilfinger liegt bei 19,1% und ist im Jahr 1989 zu finden. 19,1% Eigenkapital sind in der Regel immer noch weit davon entfernt existenzbedrohend für ein Unternehmen zu werden. Für die Hochtief lag die zweitniedrigste Eigenkapitalquote im Jahr 2002 bei im Branchenvergleich sehr guten 25%.

Mit diesem neuen Wissen ausgestattet wird man die Umsatz und Gewinnenticklung der letzten 20 Jahre mit ganz anderen Augen betrachten. Beide Unternehmen erfüllen damit grundsätzlich die hohen qualitativen Anforderungen die wir an ein Unternehmen stellen in das wir investieren wollen und dessen Aktien wir kaufen könnten.

Um die Qualität zu verdeutlichen erwähne ich noch die Zahlen der Philipp Holzmann. Der Eigenkapital Durchschnitt für die Holzmann AG lag bei 14% in der Periode 1987 bis 1999. Der Anleger der in dieser Zeit in eine Holzmann investierte, lebte zu jeder Zeit gefährlicher als jeder Bilfinger oder Hochtief Aktionär. Kurz nach 1999 ging die Holzmann spektakulär pleite. Auch andere Branchengrössen im Bausektor erreichen in der Regel nicht die Solidität der zwei hier vorgestellten Aktien.

Der Vergleich des Eigenkapitals sollte bei einer gründlichen Aktienanalyse immer im Handwerkszeugkasten des Aktionärs liegen.






Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hallo, Bob,

echt toller Blog, den Du da aufgezogen hast. Vielen Dank für Deinen Hinweis.

Du schreibst: "Klassisch und über alle Branchen hinweg sollte ein Eigenkapital von mindestens 15% erreicht werden. Diese Zahl ist als ein absoluter Tiefstwert anzusehen bei dem alle Flaggen auf rot stehen sollten für uns als Anleger."

Also, 15 % EK-Quote ist meiner Meinung nach schon verdammt mutig. Meine persönliche Untergrenze sind 33 % - darunter geht überhaupt nichts. Das Unternehmen kann noch so gut und in irgendwelchen Sondersituationen sein - wenn nicht 1/3 der Bilanzsumme als Eigenkapital da ist, wird jede weitere Recherche eingestellt.

Am liebsten sind mir 50 %. Wenn ein Unternehmen zwischen 33 % und 50 % liegt, muß es an anderer Stelle so außergewöhnlich sein, daß die Qualität das erhöhte Risiko der geringen EK-Quote rechtfertigt.

Viele Grüße,
Julia-Papa
Robert hat gesagt…
Hallo Julia-Papa,

ja. die 15% sind schon ziemlich Unterkante von mir gerechnet. Bei den anderen Analysen gehe ich glaube ich auch noch einmal auf das Thema ein. Die Baubranche ist halt verflixt Eigenkapitalmager - die finanzieren viel vor usw. . Im Baubereich gibt es ja kaum Unternehmen, auch die Sahnehäubchen der Branche, die mehr als 30% Eigenkapital aufweisen. Mein gesamtes Vermögen würde ich da auch nicht investieren wollen :=).
Robert hat gesagt…
Und danke fürs tolle Feedback noch. Können andere bestimmt was mit anfangen mit diesem Hinweis.

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