18.01.2012

Margin of Safety - Ideen für Valueinvestoren von Benjamin Graham

Die Margin of Safety und Mr. Market - Benjamin Graham und Warren Buffett
Die wichtigste Idee für jeden Investor - Die Margin of Safety


Das Ziel der Valueanalyse und dieses Blog ist es dem durchschnittlichen Investor zu zeigen das es möglich ist, durch das lesen von Geschäftsberichten (mindestens der letzten 5 Jahre, und wenn eine erste Vorauswahl getroffen wurde lohnt es sich auch die Geschäftsberichte und Bilanzen der letzten 10 Jahre und ggf. länger anzuschauen), den Bilanzen und der Gewinn und Verlustrechnungen, einen ungefähren Wert bestimmen zu können was ein Unternehmen, und dessen Aktie, wirklich wert ist (innere oder echte Wert).

Da sich dieser Wert nicht genau bestimmen lässt sollte man sehr vorsichtig und konservativ einen Wert der Aktie ermitteln. Konservativ bedeutet, daß wir z.B. Sondereinflüsse die einmalig bzw. nicht regelmässig wiederkehrend sind aus der Gewinnrechnung herausnehmen.

Wie schätze ich Gewinne, Umsätze usw. ?
Ein Beispiel für eine konservative Ermittlung der Gewinne : Unternehmen XYZ hat einmalig einen großen Teil Immobilien verkauft die 30 Jahre in der Bilanz standen und jetzt mit satten Bilanzgewinnen verkauft werden.

Ein weiteres Beispiel das zeigt wie der innere Wert einer Aktie verfälscht werden könnte: Ein Rohstoffunternehmen (Gold, Aluminium Diamanten usw.) schreibt in den Jahren 2008-2011 Supergewinne nicht zuletzt dadurch, daß der Goldpreis sich verdreifacht hat. Die Gewinne des Rohstoffunternehmens in den Jahren 1990 bis 2005 (eine viel längere Periode) waren bedeutend tiefer. Der vorsichtige Investor wählt zu seiner eigenen Sicherheit die durchschnittlichen Gewinne der Periode 1990 bis 2005 um einen Unternehmenswert zu ermitteln. Die hohen Gewinne sind nur das Produkt einer vorübergehenden Rohstoffhausse an den Rohstoffmärkten. Wir wissen, daß Rohstoffe sehr zyklisch sind. Also wissen wir auch, daß die zyklischen Höchstgewinne dieser Unternehmen mit Vorsicht zu geniessen sind.

Ein weiteres Beispiel für die Ermittlung der echten Gewinne pro Aktie: Eine Investmentbank konnte Ihren Gewinn in den letzten 5 Jahren verfünffachen (Beispielhaft die letzten 2 Jahre vor der Finanzkrise von 2005-2007). Der konservative Investor berücksichtigt, daß der Anteil der Gewinne von Banken in den jeweiligen Indizes wie z.B. S&P500, DAX, Eurostoxx im Vergleich zu anderen Branchen so hoch wie das letzte Mal vor 50 Jahren ist. Der konservative berücksichtigt, daß bei Bankenübernahmen ein Goodwill von 100% und mehr gezahlt wird und viele Gewinne der Banken auf "Luftbuchungen" basieren (dubiose Derivatedeals und so weiter / ein Warren Buffett hat bereits 10 Jahre früher vor dieser Katastrophe gewarnt).

Zur Abwechslung einmal ein Beispiel mit Verlust: Ein Industriekonglomerat muss Ihre Beteiligung an einer Tochter komplett abschreiben da absehbar ist, daß diese Beteiligung in der Zukunft nicht mehr die erhofften Gewinne/Umsätze bringen wird. Das ein Unternehmen eine Beteiligung auf einen Schlag komplett abschreibt ist gar nich so selten wie man meinen könnte, die Regel ist natürlich das langsam abgeschrieben wird und der Vorstand (der in der Regel nur hochbezahlter Angestellter aber kein echter Eigentümer ist) versucht seine Fehlentscheidungen gegenüber den Eigentümern zu verschleiern (Der Fall Olympus lässt grüssen). Es fällt dadurch ein hoher einmaliger Bilanzverlust an der in den kommenden Jahren, zumindest nicht mehr aus diesem Sachverhalt, nicht mehr auftreten kann.

Benjamin Graham ermittelte einen Durschnitt der Gewinne für die letzten 10 Jahre. Was ebenso simpel wie effektiv ist. Hohe Werte in einem oder zwei Jahren werden automatisch nach unten gezogen und normalisiert. Was Benjamin Graham recht war kann uns nur billig sein. Die Gewinne zu mitteln ist auch heute noch ein beliebtes Werkzeug für Valueinvestoren um den Gewinn vorsichtig zu ermitteln.

Was für die Gewinne gilt, gilt ebenso auch für weitere Kennzahlen der Fundamentalanalyse. Umsatzrenditen, Bestellungen, Absatzzahlen, Margen/Handelsspannen, KBV, KUV usw. sollten ebenso als simpler Durchschnitt der letzten Jahre gemittelt werden. Wenn ein Unternehmen im langfristigen Vergleich eine Umsatzrendite von 8% erzielt hat und die letzten 2 Jahre die Umsatzrendite auf 10% steigern konnte müssen wir scharf nachdenken ob die Steigerung wirklich nachhaltig ist. Wenn alle Unternehmen einer Branche mit Abschreibungen auf Ihr Anlagevermögen in Höhe von 5% arbeiten dann sollten wir sehr auf der Hut sein wenn Unternehmen XYZ jährlich nur 3% abschreibt. Sollen hier nur Gewinne geschönt werden, und die dicke Rechnung wird 10 Jahre später präsentiert, oder wieso soll dieses Unternehmen realistischerweise in der Lage sein nur mit 3% anstatt 5% Abschreibung zu rechnen ? Die Maschinen sind in der Regel ähnlich und alle kochen doch nur mit Wasser. Wir sollten uns nicht einlullen lassen und die mentalen Hürden wirklich hoch setzen. Im Zweifelsfall immer mitteln und die Gewinne, Umsätze, Renditen usw. eher zu niedrig als hoch ansetzen.

Vergangenheit sagt nichts über die Zukunft
Beispiel aus der Immobranche : viele amerikanische und UK Häuslebauer Unternehmen (Homebuilder) haben in der Immoblase 2002-2007 natürlich sehr hohe Umsatzrenditen und tolle Gewinne geschrieben. Wie realistisch war es jedoch diese Gewinne, Renditen, Auslastungen, Neubestellungen auch für die Zukunft anzunehmen ?  Was sprach dafür, was sprach dagegen ?

Beispiele und Gründe gegen weiter steigende Immobilienpreise :
Die Zinsen waren in 2002-2003 historisch einmalig niedrig, d.h. wenn die Zinsen fast bei Null rumkrebsen (bildlich gesprochen) ist es doch ein Irrsinn anzunehmen, daß es noch tiefer gehen könnte. Als vorsichtiger Investor müssen wir davon ausgehen, daß die Zinsen in Zukunft wieder steigen werden, daß die steigenden Zinsen die Nachfrage senken werden da weniger Menschen sich eine Immobilie werden leisten können und durch die sinkende Nachfrage automatisch auch die Auslastung, Renditen, Gewinne usw. der Homebuilder Unternehmen sinken werden.

Die sinkenden Zinsen waren nur ein Anhaltspunkt für den vorsichtigen (Graham spricht im englischen vom "defensive Investor") Investor um zu erkennen, daß es eine Blase ist bzw. es sich um ein zyklisches Hoch handelt. Der Index für die Erschwinglichkeit einer Immobilie (Verhältnis Jahres Einkommen zu Kaufpreis der Immobilie) war auf einem Tief, d.h. es mussten historisch deutlich mehr Jahresgehälter für eine Immo gezahlt werden als in den letzten 50 bis 100 Jahren üblich.

Es gab im Fernsehen erste Serien über die sogenannten Homeflippers, d.h. Leute die erfolgreich eine Immo kaufen, die kurz renovieren und nach ein paar Wochen mit hohem Gewinn wieder verkaufen. Häufige Fernsehsendungen, Bücher und Reportagen in denen über die phänomenalen Renditen der letzten 3,5,7 Jahre berichtet wird (uns interessiert nur die Zukunft) sind  typische Erscheinungen in jeder Blase (meine Kommentare zu Gold und der Goldblase könnt Ihr hier nachlesen oder bei wallstreet-online).

Der Backlog an nichtverkauften Immobilien war historisch hoch. Es wurden immer mehr Immobilien nicht mehr verkauft und für die Halde produziert. Der Backlog im Vergleich zu den neu gegründeten Haushalten wuchs inzwischen auf Jahre an (siehe auch Spaniens Immoblase).

Die Erfolge der Homeflipper wurden immer schwerer. Schon recht früh kaufte man sich Häuser die gar nicht mehr der Absicht dienten damit Mieteinnahmen zu erzielen oder darin zu wohnen. Man kaufte sich Häuser weil man fest davon überzeugt war, daß die Häuser in ein paar Wochen (sogar Stunden) wieder zu einem deutlich höheren Preis verkauft werden konnten. Viele Homeflipper hatten gleich zwei oder drei Häuser zum weiterverkaufen im Angebot. Dies ist eines der sichersten Anzeichen für eine reine Spekulationsblase die völlig überzogen ist.

Die Homeflipper waren zum grössten Teil völlig branchenfremd und waren nie Vermieter, nie Makler, nie Bauherr, Maurer oder aus sonst einem Berufsfeld der etwas mit Immobilien zu tun hat. Die Homeflipper waren reine Spekulanten, nicht mehr und nicht weniger.

Die reine Mietrendite die schon deutlich vor dem Ende der Blase erzielt werden konnte war mickrig klein. Eine sehr, sehr hohe Zahl der von Homeflipper gehaltenen Immobilien machte Verluste. Die Mieteinnahmen waren deutlich niedriger als die  vom Homeflipper monatlich zu zahlenden Darlehenszinsen. Ein guter Indikator um eine Spekulationsgetriebene Preisorgie zu erkennen.

In den letzten Monaten und Quartalen waren die Immopreise so hoch, daß Sie trotz ultraniedriger Zinsen für sehr viele Menschen nicht mehr erschwinglich waren. Beispiel  Deutschland : München zeigt meiner Meinung nach bereits seit einigen Jahren einige dieser Symptome - vom Münchener Immomarkt würde ich zumindest die Finger lassen. Der Erschwinglichkeitsindex für Wohnungen in München ist auf einem langjährigen Tief und die Renditen die als Eigentümer in München erzielt werden können bei der Vermietung sind mickrig bzw. man macht inzwischen Verluste. Gerechnet auf dem Kaufpreisniveau von heute bzw. der letzten 36 Monate.

Eine Blase im Immobereich muss nicht unbedingt knallartig platzen (wie Aktienblasen), bei Immoblasen ist es auch möglich, daß es 20 oder 30 Jahre keine Preissteigerungen (real) mehr gibt. Davon gehe ich z.B. in Spanien aus.  Auch in München ist die Rendite für die Zukunft eher bescheiden. Es ist unwahrscheinlich, daß die Einkommen in Bayern/München doppelt und dreifach so schnell wachsen wie im Durchschnitt der letzten 30 Jahre um die Schere zwischen verfügbaren Einkommen und Immopreisen wieder zu verkleinern. Hier eine Studie die etwas über die Erschwinglichkeit von Immobilien in München sagt : Münchener Immos zu teuer - Immoblase München

Ich könnte jetzt noch tausend weitere Beispielfälle aus dem echten Leben und der Theorie aufzählen. Ich hoffe, daß Ihr erkennt worauf ich hinauswill und welche Art von Fragen Ihr euch bei einem Investment stellen müsst. Egal ob Ihr in Aktien investiert, eine Immo kaufen wollt um diese zu vermieten oder die Bratwurstbude von nebenan "übernehmen" wollt um dick in das Currywurstgeschäft einzusteigen. Stellt euch viele Fragen. Fangt damit an und habt keine Angst. Eure Fragen und Eure Erfahrung in der Fundamentalanalyse wird mit der Zeit immer besser werden. Einfach mal anfangen ist die Übung und schon mehr als der halbe Weg.

Warten auf die Krise - wann soll ich kaufen ? oder warum warten gefährlich sein kann
Nachem wir jetzt vieles unternommen haben um zu ermitteln was das Unternehmen realistisch und langfristig verdienen kann geht es darum einen Preis auf diese Gewinne zu setzen. Normalerweise werden Unternehmen an der Börse mit dem 8fachen bis 15fachen bewertet. Das heisst der Preis der Aktie, der Preis des Unternehmens, spiegelt den Wert von 15 Jahresgewinnen wieder. Ein KGV von 15 entspricht einer Gewinnrendite von 6,67% (100/15). Ein KGV von 12 mit normalen Gewinnen ist daher meiner Meinung nach nicht unbedingt zu teuer und auch nicht billig. Ein gutes Unternehmen mit einem KGV von 12 kann man durchaus kaufen. Wer weiss wie lange es noch dauert bis zur nächsten Krise und wer weiss ob es die Aktie überhaupt günstig geben wird (siehe McDonalds und andere Unternehmen die in der Finanzkrise kaum gefallen sind, sondern im Gegenteil gestiegen sind). Ein KGV von 12 entspricht einer Rendite von 8,33%, eine Verzinsung von gut 8% für eine sichere Anlage ist doch schon einmal ein Wort. Schon nach wenigen Jahren, in denen die Gewinne und Dividenden gestiegen sind, ist dann schon schnell die 10% Rendite und mehr erreicht wenn wir von unserem Einstiegskurs ausgehen.

Zur Zeit hätte ich eine Alternative in 10 jährigen AAA Anleihen die unter 2% rentieren.Eine Coca Cola, eine Nestle ist in meinen Augen sicherer als die Bonität des Deutschen Staates. Ein Staat ist nichts, er geht notfalls pleite um sich seiner Schulden zu entledigen und fängt neu an. Eine Coca Cola wird deutlich später pleite gehen als jeder Staat dieser Welt.

Bei der Überlegung wann ich kaufen soll helfen mir zumindest auch die Gedanken des Großmeisters Warren E. Buffett. Vorausgeschickt sei die Anmerkung, daß es wohl völlig unmöglich ist regelmässig und zuverlässig jeweils den Hoch und Tiefpunkt zu erwischen (nur eine ganz besondere Sorte Mensch schafft das). Bei echten Top Unternehmen ist es sehr, sehr fragwürdig das diese in einer Krise auf KGV von 3,4,5 fallen. Wir können dort schon froh sein wenn Sie auf einem Niveau bei dem 8fachen oder 9fachen des Jahresgewinns gekauft werden können. Wenn wir zu gierig sind oder anders ausgedrückt eine zu hohe Margin of Safety wählen ist die Gefahr meiner Meinung nach zu groß, daß wir nie zum Schuss kommen werden. Dann sitzen wir auf Geld welches mit Minizinsen vor sich hinvegetiert oder Geld das wir dann zu Kursen investieren müssen die wieder deutlich höher sind. Die Alternative das wir dann anstatt in Topunternehmen in Unternehmen der zweiten und dritten Reihe investieren ist auch keine wirklich gute Alternative.

Wenn wir Topunternehmen haben wie z.B. Coca Cola, Nestle, Walmart, Tesco, BASF, Johnson&Johnson usw. dann ist die Zeit unser Freund. Wir können uns sehr, sehr sicher sein, daß die Gewinne und Umsätze in 3 Jahren höher sind als heute. Wir können uns sehr, sehr sicher sein, daß diese Unternehmen in 15 Jahren erheblich mehr Geschäft machen werden. Die Aktie und der Wert des Unternehmens muss quasi steigen über kurz oder lang. Es ist bei diesen Unternehmen gefährlich auf den optimalen Einstiegszeitpunkt zu warten, dieser Punkt kann niemals kommen und wenn er kommt dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir diesen Punkt verpassen gewaltig.

Meine Meinung ist, daß echte AAA Unternehmen bereits ab einem KGV von 12 wirklich kaufbar sind. Bei einem KGV von 10 sind es schon Schnäppchen und bei einem KGV von 7 oder 8 muss ich schon überlegen ob ich mein Haus beleihen soll und mit Fremdkapital kaufe (nur sehr erfahrenen Anlegern zu empfehlen).

Diese Sichtweise habe ich nur bei AAA Unternehmen. Bei den von Graham und auch Buffett zeitweise geliebten Cigar-Butts (Zigarettenstummel) die noch einen kostenlosen Zug haben sieht die Sache schon anders aus. Diese Unternehmen haben oft eine zweifelhafte Gewinn und Umsatzprognose. Es ist fast schon die Regel, daß diese Unternehmen in 10 Jahren nicht nennenswert mehr Umsatz und Gewinn machen werden. Viele dieser Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe gehen vielleicht auch ganz vor die Hunde.

Bei diesen Unternehmen ist die Zeit nicht unser Freund sagt Warren Buffett. Und er hat völlig Recht. Die Zeit wird uns hier nicht rausboxen, bei AAA Unternehmen ist die Zeit unser Freund, falls wir nicht optimal kaufen. Bei diesen Unternehmen muss ich eine viel höhere Margin of Safety einplanen. Wenn ich denke, daß dieses Unternehmen mit durchschnittlichen Gewinnen ein 10er KGV wert ist und maximal ein 12er KGV dann fange ich erst an zu zucken wenn ich bei einem KGV von 6 kaufen kann. Bei den sogenannten Schrottunternehmen hilft es nur wenn wir die Laune der Märkte ausnutzen, d.h. mit den Bewertungen spielen. Das Schrottunternehmen wird heute mit KGV 5 bewertet und wir hoffen und vermuten, daß wir in den nächsten 5 Jahren vielleicht zu einem 9 KGV verkaufen können. Die Zeit wird uns nicht helfen. Da Schrott nicht wächst und nicht mehr Geld verdienen wird in den nächsten 5,10,15 Jahren.

Zusammenfassung Margin of Safety

Alles ist ungefähr. Alles ist im Dunkeln. Wir können die Gewinne nur ungefähr schätzen, wir wissen nicht wie die Börse in den nächsten 30 Jahren Unternehmen bewerten wird. Die Idee der Margin of Safety von Benjamin Graham schützt uns vor Fehlern bei der Bewertung, schützt uns vor Fehlern beim schätzen. Wenn ein Unternehmen mit einem KGV von 12 realistischerweise betrachtet für uns nicht zu teuer ist und investierbar ist, dann sollten wir mit der Margin of Safety versuchen dieses Unternehmen vielleicht erst bei einem KGV von 10 zu kaufen. Also deutlich unter dem Wert den es unserer Meinung nach hat. Wenn ein ganzes Aktiendepot nach diesen fundamentalen Überlegungen zusammengestellt wird ist die Wahrscheinlichkeit Verluste mit so einem Depot zu machen längerfristig so gut wie ausgeschlossen  (eher geht Deutschland pleite). Die Wahrscheinlichkeit längerfristig bedeutende Gewinne und sichere und hohe Dividenden zu erzielen ist dagegen sehr hoch.

Manchmal notieren Aktien nur bei 50% Ihres inneren Wertes, zu anderen Zeiten zahlt man 2,3,10x oder  gar 20x mal soviel wie die Aktie, nach vorsichtigen Schätzungen, überhaupt jemals (in den nächsten 10 Jahren) wert sein kann. Am Aktienmarkt werden dann Preise erzielt und auch bezahlt die bei Übernahmen an den anderen Märkten niemals erzielt werden (Beispiel GmbH Anteile). Diese Eigenart des Aktienmarktes, die teilweise wilden Preisauschläge (in der Börsensprache: volatile Märkte) und Emotionen erlauben es uns Valueinvestoren Geld zu verdienen und eine Mehrrendite gegenüber dem Markt und gegenüber dem Großteil der Anleger einzufahren.

Das ist eine Besonderheit des Aktienmarktes im Vergleich zu anderen Märkten an denen auch Beteiligungen gehandelt werden wie z.B. bei dem Erwerb von GmbH Anteilen und Unternehmensbeteiligungen generell. Diese Märkte sind nicht standarisiert, reguliert und transparent im Vergleich zu Aktienmärkten. Das Verhalten der Markteilnehmer (Käufer und Verkäufer), die Preisbildung und auch die Preisvolatilität auf diesen Märkten ist deutlich anders als am Aktienmarkt. Auf diesen Märkten gibt es keine Panik wie an den Börsen.

Im besten Fall kaufen wir Unternehmen die deutlich unter Ihrem echten Wert notieren. Da wir wissen, daß der Markt diese Aktien früher oder später richtig bewerten wird und die Aktie entsprechend steigen wird um mindestens Ihren "inneren/echten Wert" wieder zu erreichen. Das kann einmal 2 Jahre dauern und manchmal gar 5 Jahre. Aber wir sind uns sicher, daß früher oder später dieses Missverhältnis zwischen dem Wert des Unternehmens,  d.h. dem Börsenwert der Aktie, und den echten Werten wieder aufgehoben ist.

Benjamin Graham beschrieb ein echtes Investment mit einer Margin of Safety wie folgt:"[To] have a true investment, there must be a true margin of safety. And a true margin of safety is one that can be demonstrated by figures, by persuasive reasoning, and by reference to a body of actual experience".

Warren Buffett beschrieb einmal seinen Job und die Margin of Safety wie folgt : Seine Aufgabe jeden Tag besteht darin sich einfach hinzusetzen und sich hunderte von Unternehmen anzuschauen und den Wert X eines Unternehmens herauszufinden. Und dann versucht er im nächsten Schritt zu kaufen wenn er nur 50% von X zahlen muss.

Der Idealfall eines typischen Margin of Safety Investments wäre wenn sich ein Unternehmen finden lässt was deutlich weniger wert an der Börse ist als das Nettovermögen.

Damit ist gemeint, daß die Summe aller vorsichtig geschätzten Immobilien, Bargeldbestände, Beteiligungen, Umlaufvermögen/Anlagevermögen abzüglich aller Verbindlichkeiten deutlich höher ist als die aktuelle Börsenbewertung. Im Idealfall ist allein der Kassenbestand bereits höher als der Börsenwert (Anlagevermögen, Umlaufvermögen usw. nicht einmal dazugerechnet). Das ist auch heute noch möglich. Wenngleich auch deutlich weniger oft als in den Zeiten der schweren Depression 1929 - 1935.

Diese Tiefstbewertungen finden wir schon nicht mehr bei echten Topunternehmen, bei Weltklasse Unternehmen sollten wir uns damit zufrieden geben wenn wir diese unter Ihren langfristigen KGV kaufen. Unter Bewertungen die uns ruhig schlafen lassen selbst wenn die Börse zumacht. Das reicht für 99% aller Investoren und damit werden bereits sehr, sehr gute Ergebnisse erzielen. Diese Investoren beschreibt Benjamin Graham mit dem Defensive Investor.

Das 1% der Investoren denen das nicht genug ist nennt Benjamin Graham den "Enterprising Investor".  Diese Investoren wollen noch etwas mehr Rendite, noch mehr Performance. Dafür ist jedoch auch ein erheblicher Aufwand nötig. Graham meint damit, daß der Anleger in der Lage sein muss 8-12 Stunden täglich für die Analyse und das beobachten der Unternehmen verwenden zu können. Und selbst dann erzielen viele "Professionals" keine zufriedenstellende Ergebnisse.

Bei diesem Aufwand lassen sich in der Tat auch heute noch Unternehmen aus der zweiten und dritten Garnitur finden die nach einem ordentlichen Abzug für die Margin of Safety immer noch billiger zu haben sind als Ihr Wert an der Börse. Der Enterprising Investor tummelt sich heutzutage weltweit an allen Börsen. Er ist zuhause im Markt für kleine Werte an der Börse London (AIM), kennt das Aktienkürzel der kleinen Unternehmen in Italien und ordert über spezielle Banken auch Aktien in Nordafrika wenns billig und aussichtsreich ist. Das sind dann die Unternehmen und Deals mit denen eine Rendite von über 50% jährlich möglich ist. Ehrlich gesagt wüsste ich gar nicht einmal ob es überhaupt erstrebenswert wäre zu diesen 1% gehören. Spätestens wenn ein Hobby wieder in Arbeit ausartet macht es doch keinen Spaß mehr :=)...

Die zwei wichtigsten Ideen von Benjamin Graham, die Margin of Safety und das Konzept des Mr. Market, kann man gar nicht oft genug studieren und verinnerlichen . Ich hoffe diese kurze Einführung in diese zwei Konzepte hat auch gefallen.

Lest bitte auch den Artikel über den Mr. Market von Benjamin Graham. Diese beiden Konzepte wurden in Benjamins Graham Buch bereits vor über 50 Jahren vorgestellt. Die Zusammenfassung findet Ihr hier : Buchempfehlung Valueanalyse

Ich bin sicher, daß diese Ideen allen Investoren beim Valueinvesting helfen werden. Auch bei anderen Entscheidungen im Leben bei denen es ums Geld geht, z.B. Immokauf, lohnt es sich Warren Buffett und Benjamin Graham zu fragen. Viel Spaß noch mit der Fundamentalanalyse.

Kommentare:

  1. Schön, dass es auf diesem Blog wieder weitergeht!

    Deine Überlegungen zu der Frage, wann man kaufen soll sind sehr interessant. Ich bin eigentlich ähnlicher Meinung, man sollte nicht zu lange warten. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass man immer voll investiert sein sollte, solange man zumindest fair bewertete Unternehmen findet, die sich innerhalb des eigenen Kompetenzbereiches befinden. Sollte der Markt dann irgendwann mal abstürzen, fallen nicht alle Aktien gleichermaßen stark. Dann kann man das Depot neu umschichten und die attraktivsten Werte kaufen.

    Wenn man zu lange zu viel Cash hält, hat man eben leider eine Rendite nahe Null, während fair bewertete Unternehmen langfristig 7 oder 8% abwerfen dürften.

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  2. Hallo Stefan,

    ja. Alles sehr richtig. Das Thema ist sehr komplex und da kann man noch sehr viel zu schreiben.

    Ist der Markt wirklich nicht zu teuer dann ist es nicht falsch einfach regelmässig/immer nachzuinvestieren bzw. voll investiert zu sein.

    Was gefährlich ist, ist die Tendenz im Menschen das spielen und wetten irgendwann anzufangen. Irgendwann meint man, daß man wisse wann der Crash kommt, man wisse wo der Boden ist und wann die Rally wieder beginnt. Und dann ist es vorbei mit den Grundsätzen einer Asset Allocation und man fängt an das Depot wild hin und her zu schichten. Heute 75% Aktien, morgen 30% Aktien und in 2 Monaten 100% Aktien.

    In 99,99% aller Fälle hat man dann 5% jährlich an Spesen verloren und in 99,99% aller Fälle wäre Buy&Hold sicher besser gewesen...

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