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Gutes und schlechtes Anlegerverhalten

Warum die Aktienanlage nicht einfach ist
Psychofallen für den Aktionär | Behavioural Finance | Valuestrategie Aktien | falsches Anlageverhalten senkt die Rendite

In diesem Artikel will ich einiges über die häufig gemachten Fehler beim investieren sprechen. Fehler die ich zu Beginn meiner Karriere als Investor sehr häufig bzw. immer gemacht habe da ich es nicht besser wusste. Auch heute muss ich meine inneren Instinkte bekämpfen um jeden Tag ein besserer Investor zu werden. Wenn wir die Fehler und Tücken kennen und erkennen die uns unsere Psyche selber spielt werden wir erfolgreicher Geld anlegen.

Optimismus und Overconfidence
Im Berufsleben und auch im privaten Bereich wird uns beigebracht optimistisch zu sein. Wer umgibt sich schon gerne mit Grüblern, Querdenkern und Pessimisten ? Wer jemals im Verkauf erfolgreich sein will, oder auch als Vorstandsvorsitzender, setzt sich lieber die Daueroptimismuskappe auf und posaunt seine optimistischen Ansichten über alle medialen Kanäle an die Aussenwelt. Die Probleme die sich daraus unbewußt ergeben lassen sich in der Wirtschafts und wissenschaftlichen Literatur unter dem Stichwort "Overconfidence" nachlesen.

Das Besondere an der Börse und den Aktien ist, dass es der Aktie und dem Markt egal ist ob Sie charismatisch, optimistisch und erfolgreich sind. Dadurch wird sich der Aktienpreis kein Stück bewegen. Es ist der Aktie völlig egal wer Ihr Eigentümer ist.


Optimismus an den Aktienmärkten und optimistische Aktionäre

Das einzige was passiert wenn sehr viele optimistisch sind ist die hohe Wahrscheinlichkeit das Sie etwas kaufen werden was durch den Optimismus bereits zu teuer geworden ist . Zu teuer bedeutet : gemessen an den möglichen und historischen Erträgen und Gewinnen die in Form von Mieten, Zinsen oder Dividenden dem Eigentümer zufliessen. Ein Preis der nur durch Optimismus anstatt von harten finanziellen Fakten getragen wird ist das beste Rezept um Geld zu verlieren. Da der Markt und die überoptimistischen Anleger bereits überdurchschnittliche Gewinne eingepreist haben werden nur noch exorbitante Gewinne den Aktienpreis überhaupt noch nach oben bewegen (mit dem Ergebnis, daß die Aktie vermutlich ein noch schlechteres Preis/Leistungsverhältnis bekommt). Daher kann man sehr oft das folgende an den Börsen beobachten: werden die erwarteten, bereits oft sehr hohen Gewinne, erreicht bewegt sich der Aktienkurs nicht mehr da diese sehr hohen Gewinne bereits eingepreist waren. Egal ob wir eine Immobilie oder eine Aktie kaufen. Diese allgemeine Regel der Geldanlage gilt überall. In jedem Land und in jeder Branche. Egal ob die Beteiligung über den Kauf einer Aktie oder z.B. die Beteiligung an einer GmbH oder beim Kauf einer vermieteten Eigentumswohnung. Der bezahlte Preis, die Einnahmen und die zu erwartenden zukünftigen netto Einnahmen sind die einzig wichtigen Faktoren.

Im Umkehrschluss bedeutet dies nichts anderes als das Sie in Zeiten in denen ein sehr grosser Pessimismus herrscht und die Presse sich mit Weltuntergangszenarien gegenseitig zu übertreffen sucht die Chancen gut sind sehr gute Investments zu finden. Sehr gute Investments bedeutet: niedriger Kurs an den möglichen und nachhaltigen Aktienerträgen, Mieteinnahmen oder sonstigen Erträgen. Der Pessimismus wird in der Regel in den Aktienkursen enthalten sein und Sie können Qualitätsinvestments zu niedrigen und vernünftigen Bewertungen kaufen. Bewertungen die es uns erlauben die Aktien als Investoren sehr lange zu halten und einfach zu besitzen. Der Einstieg in eine Aktie bei niedrigen Bewertungen ist der beste Schutz vor Kursverlusten.

Um  als Aktionär erfolgreich zu sein müssen wir genau das Gegenteil von einem Daueroptimisten sein. Wir müssen an unseren Entscheidungen zweifeln  und Sie prüfen, prüfen und noch einmal prüfen um mögliche Schwachstellen in unserem Investmentprozess entdecken zu können.

Als Investor, egal ob wir eine Aktie kaufen, einen Zeitungskiosk kaufen, uns an der Bäckerei von nebenan beteiligen wollen, wir ein Mehrfamilienhaus kaufen oder wir 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche kaufen sollten wir besonders intensiv über negativen Seiten nachdenken. Was kann schiefgehen ? Wieviel kann ich verlieren ? Was passiert wenn ich falsche Annahmen gemacht habe ? Rechnet sich mein Investment auch noch wenn ich 20% weniger Einnahmen, Umsatz usw. kalkuliere ? Für jede Aktie die Sie kaufen gibt es immer einen Verkäufer. Fragen Sie sich immer was der Verkäufer weiss und was Sie nicht wissen. Da die Börse anonym ist kann es durchaus passieren, dass Sie gerade die Aktien von jemandem kaufen der vielleicht ein Insider ist. Oder Sie kaufen Teile von einem Paket das gerade ein Superinvestor wie Warren Buffett über die Börse abgestossen hat. Vielleicht weiss der Verkäufer der Aktie ja mehr als Sie ?

In diesem Zusammenhang sind die Studien von Barber und Odean bemerkenswert.
Boys will be Boys - Overconfidence an Common Stock Investments.

In dieser Studie mit zehntausenden von Depots wird klar nachgewiesen, dass Anleger die häufig kaufen und verkaufen eine deutlich schlechtere Rendite erzielen als Anleger die deutlich weniger kaufen und verkaufen. Ebenfalls wird nachgewiesen, dass Frauen eine bessere Rendite erzielen als Männer. Link zur Studie : http://faculty.haas.berkeley.edu/odean/papers/gender/gender.html

Ich versuch es mal so zu erklären. Die Gründe für die Outperformance von Frauen bei der Aktienanlage sind : Frauen sind zumindest bei der Aktienauswahl und dem Aktienkauf weniger emotional getrieben als Männer und haben mehr Angst etwas zu verlieren. Im Gegensatz zu Männern sind sich Frauen auch sehr viel mehr darüber bewusst, dass jede Entscheidung auch eine Fehlentscheidung sein kann. Der durchschnittliche Mann als Aktionär ist im Vergleich dazu immer fest davon überzeugt, dass genau sein Investment schon funktionieren wird. Wir Männer werden seit der Kindheit dazu angehalten mutig zu sein und vorwärts zu gehen. Eine manchmal fatale Einstellung bei der Aktienauswahl.


Was viele machen wird schon richtig sein

Im Berufsleben und privaten Bereich tun wir gut daran uns an die Meinung vieler zu halten. Wenn Ihr gesamter Bekanntenkreis Ihnen dazu rät das Restaurant XYZ zu meiden dann wird da etwas dran sein. Wenn Sie vor 2 Restaurants stehen die direkt nebeneinander sind und das eine ist menschenleer und das andere ist sehr gut gefüllt dann werden Sie nicht sehr viel falsch machen wenn Sie das leere Lokal meiden. Wenn Sie in einem Raum sitzen mit 8 weiteren Leuten an einem Tisch und alle sind einer Meinung dann werden Sie im Zweifelsfall negativ auffallen wenn Sie eine Meinung vertreten die nicht der Meinung der Mehrheit entspricht. Das ist im Zweifelsfall sogar schädlich für Ihre Karriere. Um ein erfolgreicher Investor zu sein sollten Sie sehr schnell lernen sich anders zu verhalten.

Populäre und beliebte Produkte im Haushalt oder am Arbeitsplatz, die vielleicht schon seit Jahrzehnten populär sind, sind in der Regel nicht die schlechtesten Produkte und Sie können den Empfehlungen und der Meinung der anderen grösstenteils vertrauen. Auch im Berufsleben und anderen Teilen des Lebens wird es meistens funktionieren das wir uns an das halten was die Mehrheit mit Erfolg praktiziert. Ganz anders verhält es sich mit Trendthemen wie Gold/Rohstoffen (ein aktuelles Beispiel) oder populären Aktien die überall in der Presse, im Büro und im Freundeskreis erwähnt werden. Diese populären Aktien haben statistisch bewiesen eine schlechtere Rendite als unpopuläre Aktien. An der Börse zahlt es sich aus eine eigene und unabhängige Meinung zu haben.


populäre Aktien sind schlecht für die Rendite

Wenn eine Aktie sehr beliebt ist und in aller Munde ist und wir sehr oft von diesem Unternehmen in den Nachrichten hören dann können wir uns 100% sicher sein, dass alles positive (und oft viel mehr) bereits im Kurs enthalten ist. Die populärsten Aktien sind oft das allerschlechteste Investment. Dies wird auch statistisch belegt. Es gibt zahlreiche Studien die belegen, dass die Aktien mit den meisten Verkaufsempfehlungen sich deutlich besser entwickeln als Aktien mit einer höheren Anzahl von Kaufempfehlungen als Verkaufsempfehlungen.

Wissenschaftliche Papers und Belege für die Outperformance von sogenannten schlechten Aktien:



"Stock Prices and Financial Analysts Recommendations" in The Journal of Finance - vol. 38 - no 1 - März 1983


oder ebenfalls bei E. Dimson und P. Marsh "An Analysis of Brokers and Analysts Unpublished Forecasts of UK Stock Returns" in Journal of Finance - vol. 39 - no 5


oder auch ein Working Paper vom Darthmouth College mit dem Titel "Do Brokerage Analysts Recommendations have value?"


ebenso gibt es einen sehr guten wissenschaftlichen Beitrag von Barber aus 2004 "Comparing the Stock recommendation Performances of Investment Banks and Independent Research Firms.

Ein weiterer Link ist hier zu finden :
10 Jahre von irreführender Information. Buy Empfehlungen und Underperformance - Studien dieser Art gibt es für fast alle Länder. Überall mit dem gleichen Ergebnis. Wer aufmerksam hier mitliest und nachdenkt wird verstehen warum es gar nicht anders sein kann.


Kaufempfehlungen von Analysten zu folgen kann sich durchaus lohnen. Erheblich besser fährt aber offenbar, wer in einer Hausse das exakte Gegenteil des Analystenrats vollzieht und auf besonders schwach eingeschätzte Aktien setzt. Der Artikel aus dem Wirtschaftsblatt.at mit der Überschrift Analystentipps sind gut, das Gegenteil ist aber besser findet sich im folgenden Link : http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/investor/analystentipps-sind-gut-das-gegenteil-ist-aber-besser-454275/index.do

Ein etwas älterer Artikel :
Go against the grain

Es gibt noch hunderte und tausende anderer Studien die diese Situation eindeutig belegen. Sie müssen sich jetzt selber fragen was von den üblichen Presseartikeln und Analystenmeinungen zu halten ist. Dieser Artikel und auch andere Infos die Sie hier finden versuchen Ihnen zu erklären warum es gar nicht anders sein kann. Warum die am schlechtesten bewerteten Aktien quasi zwangsläufig, als Gruppe, eine bessere Rendite bringen müssen als die am besten bewerteten Aktien. An der Börse und Ihren Kauf und Verkaufsentscheidungen müssen Sie komplett anders denken als im privaten Leben. Emotionen müssen völlig aussen vor bleiben. Ihre Meinung ist nicht deshalb richtig weil es tausende anderer Leute so machen. Sie ist richtig weil Sie sich eine eigene Meinung, unabhängig von den anderen, gebildet haben die auf Fakten und eigenem Nachdenken beruht. 


weitere Gründe warum Valueinvesting schwer ist :


- wir lesen Geschäftsberichte und Bilanzen. Der durchschnittliche Geschäftsbericht einer AG  hat bereits zwischen 100 bis 200 Seiten. Um eine Aktie richtig zu analysieren müssen wir die letzten 5 bis 10 Geschäftsberichte lesen. Um jetzt eine substantielle Aussage über die Aktie zu treffen müssen wir die Aktie mindestens mit einem weiteren Unternehmen aus der gleichen Branche vergleichen. Was wiederum bedeutet weitere 5 bis 10 Geschäftsberichte und Bilanzen zu lesen. Jeder kann erahnen warum der normale Journalist auf eine echte Aktienanalyse verzichtet und lieber schlau daher redet ohne etwas wirklich substantielles zu sagen. Ich selber benötige für eine echte Analyse von Aktien in der ich viele Zahlen und Aktienkennziffern zusammentrage und prüfe und diese Kennzahlen mt den Kennzahlen von anderen Unternehmen vergleiche ein vielfaches der Zeit die ich in einen normalen Artikel stecke (so wie diesen hier - sowas hier schreibe ich zwischen 2 Kaffee am Abend :=) )
Die meisten Menschen schauen auf den Aktienkurs und kaum einer kümmert sich um den Aktienwert.

- wir subtrahieren, addieren und multiplizieren um vernünftige Annahmen über die Zukunft machen zu können und müssen Meinung und Stimmung ausblenden. Der typische Aktionär schaut nicht einmal was das Unternehmen in den letzten 5 Jahren an Umsatz und Gewinn erzielt hat. Die Frage wie die nächsten 5 Jahre aussehen können stellen sich die meisten Aktionäre meiner Meinung nach auch nicht. In den ersten Jahren als Investor habe ich genau diese und noch viel mehr Fehler gemacht.



- jede Art der Geldanlage ist trocken und muss trocken bleiben. Auch wenn der nette Immobilienverkäufer von nebenan sehr gerne versucht ein Haus oder die Wohnung über Emotionen zu verkaufen. Auch ein Börsengang wird sehr oft über Gefühle verkauft. Die Verkäufer der Aktien wollen Ihnen dann erzählen, dass Sie jetzt an etwas einmaligen teilnehmen. Das die Zukunft ganz toll ist und voller Geld sein wird. Die Wahrheit ist, dass die meisten Börsengänge (IPO) deutlich schlechter rentieren als die Aktien die schon länger an der Börse sind. Auch dafür gibt es dutzende von empirischen Beweisen die sich auch logisch nachvollziehen lassen. Folgende Artikel gehen auf IPOs und deren Flops für Aktionäre ein : IPO Failure Risk oder diesen Beitrag The Survival and Success of Pennystocks oder auch interessant Are IPOs really underpriced ?


- Der Börsengang von Tesla Motors vor 2 Tagen brachte mich zum lachen - der Misserfolg der Anleger ist bei der Tesla Aktie fast vorprogrammiert. Emotionen sind menschlich und helfen uns im privaten Bereich. Impulsive und emotionale Entscheidungen im beruflichen und im finanziellen Bereich werden uns bei der Geldanlage nicht helfen. Achten Sie darauf ob Ihnen jemand eine Aktie, eine Versicherung oder ein Investment "verkauft" oder ob wirklich über nüchterne Zahlen und Fakten verkauft wird. Der einzige der von Emotionen profitiert ist in der Regel der Verkäufer.

- fast alles spielt sich im Kopf ab des Valueinvestors ab (Warren Buffett sitzt jeden Tag mehrere Stunden still in seinem Büro - liest und denkt nach)

- Das mediale Kreuzfeuer lenkt nur vom wesentlichen ab ohne wirklich etwas substanzielles (echte Fakten, echte Zahlen) beitragen zu können. Die Kurssteigerung von Gestern sagt nichts über das Verhalten der Kurse in den kommenden 7 Tagen oder 7 Monaten aus. Die meisten Pressemeldungen und Analysen der Presse sind meilenweit davon entfernt echte Analysen zu sein.

- etwas zu kaufen wenn alles um uns herum davon abrät ist psychologisch nicht einfach. Aktien zu kaufen wenn wenn alle um uns herum vor Angst zittern ist schwierig. Die meisten Menschen haben erst dann ein gutes Gefühl wenn die Aktien in den letzten 3 Jahren um 75% gestiegen sind. Der bessere Moment für diese Art von Glücksgefühlen wäre der Kauf von Aktien kurz nachdem Sie schon um 50% gefallen sind. Wir treffen Entscheidungen die gestützt sind durch die Zahlen die uns eine Aktien Fundamentalanalyse liefert. Wir sind unabhängig von substanzlosen Storys und der Hysterie an den Märkten nach grösseren Kursverlusten.

Beenden möchte ich diesen Artikel mit einem Spruch von Warren E. Buffett der jetzt für einige vielleicht verständlicher wird:
try to be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful. Übersetzt bedeutet diese Empfehlung von Warren Buffett : Versucht gierig zu sein wenn andere Angst haben und seit ängstlich wenn die anderen gierig sind.


In den Kommentaren ist noch viel Platz für weitere Gründe und Beispiele von Ihnen. Aus den Fehlern beim investieren lerne ich oft mehr als aus den offensichtlich richtigen Entscheidungen. Keine Hemmungen. Was waren denn Ihre grössten finanziellen Fehler in den letzten Jahren ? und was machen Sie jetzt besser als früher ?

Viel Spass bei der Aktienanalyse und meinem Blog weiterhin. Ich hoffe wirklich sehr, sehr das dieser Blog Ihnen hilft ein besserer Investor zu werden. Mit weniger Angst an der Börse, mit weniger Fehlern,  mit mehr Wissen und mehr Rendite.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Ein toller Bericht mit den aus meiner Sicht richtigen Ansatz- und Arbeitspunkten. Es ist halt nicht damit getan - einmal kurz über den Chart zu schauen, sich die Wertpapiernummer herauszusuchen und dann sofort ohne Sinn und Verstand zu ordern. Am Anfang meiner Börsenzeit dachte ich, dass die einschlägigen Börsenjournale, -zeitungen und TV-Berichte, die von der Börsenfront berichten - ja logischerweise richtig liegen müßten, denn die tun doch den lieben langen Tag nichts anderes als sich gerade mit diesem einem Thema zu befassen. Heute weiss ich es besser und benutze sie eher als Kontraindikator für Marktstimmungen. Sind in den einschlägigen Medien die großen und geheimen Tipps zu lesen, so wird es gefährlich, denn jetzt in diesem Moment ist stets die Party eher am Ende und nicht am Anfang! Mir macht es großen Spaß alte Börsenmagazine aufzuheben und dann noch einmal nach 5 Jahren zu schauen wie sich denn damals die Meinungen zu verschiedenen Themen und Aktien darstellten. Es bleibt nur festzuhalten: Will man wirklich Valueanleger sein und Mehrwert schaffen bleibt einem nichts anderes übrig als seinen eigenen Gehirnschmalz in Wallungen zu bringen und dann möglichst ohne Emotionen auf "den richtigen Zeitpunkt" zu warten.
Robert hat gesagt…
Hallo,

Ich habe in den ersten Jahren meines Börsianerlebens auch noch diesen Gurus und der Presse geglaubt. Erst später habe ich verstanden, dass die Gurus besonders mit schlechten Prognosen einfach Ihre Publicity erhalten. Die Medien auch liebend gerne schlechte Nachrichten produzieren weil es sich gut verkaufen lässt.

Erst später habe ich bemerkt, dass die Trefferquote der Gurus und der Presse weniger als 50% ist. Ers viel zu spät - aber immer noch früh genug - habe ich verstanden, dass mehr als 90% aller Artikel im Handelsblatt, in der Financial Times, in der Frankfurter, in der Börse Online, im Manager Magazin usw. für uns als Investoren völlig uninteressant sind da dort das wichtige nie drin steht.

Und ebenfalls viel zu spät habe ich verstanden und bemerkt, dass die Presse und sogar die Live Nachrichten wie Fernsehen oder Internetnachrichten immer nur über die Vergangenheit sprechen - die letzten 5 Minuten oder die letzten 5 Monate.

Wir Investoren haben aber leider nichts mehr von der Performance der letzten 5 Monate uns interessieren nur die nächsten 5 Monate oder die kommenden 5 Jahre. Ich kann auch selber auf den Chart schauen und sehen das der Dax in den letzten 20 Minuten um 50 Punkte gefallen ist. Dafür brauche ich keine News auf der ganzen Seite und dafür brauche ich keine ganzseitigen Artikel die schlau über die letzten Monate und Jahre daherreden. Interessant wäre für mich nur die nächsten 20 Minuten. Die letzten 20 Minuten und letzten 20 Wochen sind uninteressant für uns.

Es ist halt viel einfacher über die letzten 12 Monate zu schreiben - über Fakten - als über die nächsten 12 Monate oder 5 Wochen und eine begründete Annahme über die Zukunft zu machen. Über die Vergangenheit ist immer einfacher schreiben - und die Fakten stehen dann auch fest.

Lustig ist auch das kurze Gedächtnis der Presse (die meisten Presseleute sind auch sehr jung und haben nicht einmal Wirtschaft gelernt - der Dr. Friedhelm Busch hat mal etwas lustiges über die Journalisten und Medien gesagt).

Ein Max Otte (und all die tausend anderen Propheten) wird jetzt als Guru gefeiert weil er den Crash vorhergesehen hat. Die Wahrheit ist, dass fast alle Gurus ständig über den Crash reden und dann zwangsläufig irgendwann Recht haben. Und über die grosse Zahl der Fehlprognosen lesen wir dann nichts in den Medien.

Was ich auch schon total oft bemerkt habe ist das die Presse und die Gurus es sich später wunderbar zurecht drehen. Im Nachhinein behaupten Sie einfach - und die Presse prüft nicht nach - das Sie es vor 6 Monaten oder 2 Jahren schon gesehen und gesagt haben. Wenn ich aber genau zurückblicke (deshalb sammle ich alles) dann habe ich vor 3 Jahren keinen gesehen der fest überzeugt und 100% sicher gesagt hat ,dass jetzt eine grosse Krise und ein grosser Crash kommt. Und das ist auch soetwas was viel über die Qualität der Medien sagt und über die, die das auch noch lesen. (zum Schutz der Leser muss man natürlich sagen, dass die meisten ja gar nicht wissen und verstehen was da passiert. Ich wusste es wie gesagt auch nicht und habe mindestens 5 bis 7 Jahre und länger im Dunkeln gestochen und dachte dabei noch, dass ich Ahnung von der Geldanlage hatte).

Gerade gestern fiel mir auch wieder auf um wieviel schlechter die Qualität der Medien geworden ist. Auf der ard.de/boerse und auch auf dem handelsblatt.de und überall finde ich fast jeden Tag den einen oder anderen Schnitzer. Manche davon sind richtig derbe.

Das was Du machst finde ich sehr gut. Ich mache das auch und lege mir regelmässig Artikel ab und scanne die ein. Damit hätte ich schon viel früher anfangen sollen. So eine Sammlung ist wunderbar geeignet um daraus zu lernen. Auch aus den eigenen Fehler zu lernen. Wenn Du da was interessantes hast was als Beispieln dienen kann um die "Prognosegenauigkeit" zu zeigen und es nicht zuviel Mühe ist dann kannst es mir gerne schicken. an die : valueanalyse@yahoo.de
Robert hat gesagt…
Einen guten Beitrag mit einer ordentlichen Portion Ironie&Sarkasmus gefunden. Der bringt es auf den Punkt und beschreibt es sehr gut :

http://www.news4press.com/So-koennen-Sie-als-Boersenguru-Millionen-v_383661.html
Anonym hat gesagt…
Hallo Bob!

Erstmal Glückwunsch zu einem Super Blog!
Endlich mal was fundiertes auf einer Stelle, was ich mir sonst mühsam zusammenklauben muss.

Wenn Du mich nach meinen Erfahrungen fragst (Siehe Blogbeitrag):
2000 fast auf die Nase gefallen. Hab halt auch den Medien geglaubt und mich anstecken lassen. War damals auch der Meinung, ein aktuelles KGV von 75 sei billig....

Diesmal was klüger gewesen:
Die Nummer in der Dimension hatte ich schon vorgeahnt (auch weil ich mich mal mit der Immoblase in Japan beschäftigen durfte und mir insofern klar war, wo die Sache hinlaufen kann). 5 Jahre Hausse zuvor und dann solche Gweitterwolken am Horizont, wer da noch kauft ... Also konsequent abgewartet.
Nachdem sich Merkel, Steinbrück und andere Regierungen dann aber 2008 vor die Presse gestellt hatten, dass der Staat die Einlagen "garantiert" usw. an den schwarzen Tagen gekauft wie ein Dummer. Dito dann nochmal März 2009, als es nochmal richtig runterging.
Habe mich (auch wegen der Abgeltungssteuer und der Einfachheit) für den DBX Sel 100 entschieden. Sinn: billig kaufen und liegen lassen.

Die Medien hatten da übrigens gerade den Untergang herbeigeschworen. Die leben meiner Meinung nach ganz gut von einem Blick in die Glaskugel. Mehr machen die auch nicht. Das kann im Prinzip fast jeder...


Mal eine Frage, vielleicht könntest Du ja mal die Versorger ein wenig auseinandernehmen.
Ich sinniere gerade darüber nach ob ich RWE (aber die Vz) oder aber E.On kaufe. Was mir bei RWE auffällt, ist ein recht hoher Buchwert im Vergleich zu E.ON. KCV, KUV und Div Rendite (Ausschüttungsquote) finde ich ganz i. O. Wie siehst Du das? Du hast ja scheinbar RWE. Warum?

ENEL hat sicherlich eine gute Div Rendite, aber soweit ich weiß greift ja erstmal der italienische Staat 27% von der Dividende ab und dann anschließend das deutsche FA auch nochmal 15%. Womit sich für mich die tolle Div Rendite relativiert...

Über BP denke ich übrigens auch nach. Wenn das Unternehmen in der Form überlebt, ein tolles Investment. Nur zerschlagen dürfen die es nicht, dass kann imo maximal passieren. Eine Insolvent verbunden mit einem Produktionsausfall von BP dürfte weltwirtschaftlich wohl nicht erwünscht sein - der Effekt kommt sicher an den Zapfsäulen an

LG

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