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Zum Einstieg wird nicht geklingelt

oder warum man jetzt Aktien kaufen sollte

ist eine der unzähligen Börsenregeln die man erst nach einiger Erfahrung an der Börse richtig versteht. Die Presse verbreitet nach wie vor Panik. Jeden Tag neue Horrormeldungen (Griechenland & Co.) und der gemeine Anleger weiss wieder einmal nicht was er tun soll weil er die Hosen voll hat.

Von Juli 2011 bis Mitte September hat der DAX einen Kursrutsch von knapp 7500 Punkten auf (intraday) 5000 Punkten hinter sich. Aktuell liegt der Dax bei knapp 5500 Punkten. Diese Woche las ich einen Artikel in dem stand, daß der DAX seit den 80er Jahren zu 98% der Zeit teurer bewertet war als zur Zeit.

Aktuelle Bewertung des DAX
Die Dividendenrendite des DAX liegt aktuell bei knapp 5%. 10 jährige Anleihen notieren deutlich unter 2%.
Das KGV des DAX aktuell liegt bei unter 8. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis des DAX liegt zur Zeit bei 0,5 und ist ebenfalls historisch sehr billig.
Das Kurs-Buchwertverhältnis ist 1,2 aktuell (DAX 5500) und ebenfalls billig. Die Stimmung ist mies, die Leute haben wieder Angst.

Dazu passt die andere Börsenweisheit, daß die Kurse bereits deutlich früher steigen als man es an den Nachrichten ablesen kann.

Bei ausgesuchten Einzelwerten ist die krasse Unterbewertung noch offensichtlicher. In den europäischen Standardindizes finde ich gleich ein Dutzend solider Aktien die in den letzten Quartalen deutliche Gewinnzuwächse hatten und nichstdestotrotz bis zu 50% oder gar 70% Kursverluste haben. Die Dividendenrendite dieser Einzelwerte liegt bei fast 10% und auch die anderen Kennzahlen sehen phantastisch aus.

In den kleineren Indizes z.B. MDAX, SDAX oder die französischen und englischen Pendants dazu finde ich Aktien die man aktuell zu dem 3fachen Nettogewinn kaufen kann. Ich finde Aktien die mit dem 3-5fachen des Cashflows bewertet werden. Ich finde Aktien deren Nettovermögen deutlich mehr wert ist als die aktuelle Börsenbewertung. Und all diese Aktien machen zur Zeit keine Verluste...

Weitere Merkmale für einen günstigen Markt sind das Verhalten div. Top Investoren. Warren Buffett hat wieder zugeschlagen. Seth Klarman bewegt sich und auch andere Valueinvestoren werden wieder rührig.

Kurzum : die perfekte Zeit um Barreserven locker zu machen und fröhlich zu investieren. Ich fühle mich in den letzten Wochen wieder wie ein Kind das in der Süßwarenabteilung eingesperrt wurde. Die Aktien können vielleicht noch einmal 10-20% fallen (gemessen an den großen Indizes) aber das sollte es dann gewesen sein. Bei der letzten Krise hatte ich auch sehr punktgenau den Boden "vorhergesehen". Mal sehen wie ich diesmal liege.

Gold und Silberspekulation
Von Gold & Silber halte ich nach wie vor nichts (ausser den obligatorischen 1-2-3 Silbermünzen die man sich in die Schatulle legt). Meine Hinweise im Gold/Silberthread bei Wallstreet-Online.de kamen (rückblickend) betrachtet genau zur richtigen Zeit. Silber hat ja doch einige wilde Zuckungen hinter sich in den letzten 6 - 12 Monaten und die Spekulation bricht hoffentlich bald zusammen. Im Bericht über die letzte Berkshire Hauptversammlung kann man nachlesen was ein Warren Buffett von Gold&Silber als Investitionsobjekt hält. Dort hat er auf seine unnachahmliche Weise beschrieben was Gold & Silber ist : Investitionsmüll der langfristig Mickey-Mouse Renditen bringt.

Bei Gold und Silber sind viele Menschen investiert die vor  2-3 Jahren noch nicht einmal etwas von Gold & Silber als Anlageidee gehört haben. Es wird gekauft weil die Kurse so schön gestiegen sind. Das ist die einzige sich dahinter verbergende "Investmentphilosophie". Wie in China, wie in Vietnam und anderen Zockermärkten werden sich auch bei Silber & Gold die meisten Hausfrauen und Möchtegern Anleger die Finger verbrennen und viel Geld mit diesen Edelmetallen verlieren.

Einzelne Put Positionen die ich in Februar 2011 eingegangen bin, siehe Thread bei Wallstreet-online.de, habe ich grösstenteils aufgelöst. Von fallenden Kursen auf breiter Flur gehe ich jetzt nicht mehr aus. Nur in sehr selektiven Aktien halte ich noch Puts als Hedge. Aber das ist eine Geschichte die hier jetzt auch nicht unbedingt hingehört...

So long. Fröhliches investieren noch.
Robert

Kommentare

Stefan hat gesagt…
Sehe das genauso wie du, wenn nicht jetzt kaufen, wann denn dann?
Aber viele warten halt auf eine "Bodenbildung" oder die Risiken sind ihnen zu groß...

Besser ist es wohl, Charts erst garnicht anzusehen, dann spart man sich das Boden suchen. Und gerade in schwierigen Zeiten nach Kursstürzen sind denke ich die Risiken eher geringer, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so scheinen mag.

Also: Bewertungen anschauen und zuschlagen wenns passt...und das tut es zur Zeit.

Sehr guter Artikel!

Viele Grüße,
Stefan
Anonym hat gesagt…
Hallo Robert,
vollkommen korrekt. Die große Frage die jetzt natürlich kommt - welche Aktien hast Du denn im MDAX und SDAX auf der Liste? Abgesehen von Praktiker? Die Daten suche ich mir selbst heraus, aber die Namen wären interessant...

Vielen Dank für die Posts
Peter
Robert hat gesagt…
Hallo Peter,

es gibt wirklich viele Chancen im Moment mit sehr, sehr geringem Risiko (für einen erfahrenen Anleger wie mich würde ich sagen, daß Risiko zur Zeit ist quasi Null - das Risiko bei Festgeld / Anleihen auch AAA ist viel höher).

Wenn Du hier schon länger mitliest wirst Du schon erkannt haben, daß ich sehr vorsichtig bin und mich mit Empfehlungen zurückhalte. Wenn ich empfehle dann die großen Werte. Die Gründe für diese Vorgehensweise habe ich schon beschrieben hier. Noch billiger sind die kleineren Werte.

Aber nehmen wir einfach mal einige Aktien aus den DAX-30 oder den europäischen Pendants :

Carrefour = Div-Rendite um die 6%, KGV deutlich unter 10% und Nettovermögen höher als Börsenwert (allein die Immos haben mehr Wert als die Kapitalisierung)

Vivendi = Divrendite 9% bis 10% (bei DAX um die 5000 Punkten bzw. CAC 40) / Umsatzanstieg + Gewinnanstieg in den letzten Quartalen. Dividende & Gewinne sind sehr, sehr sicher

Praktiker = Bewertung 2 bis 3fache des Cashflows (mit einigen Nebenwirkungen / diese Aktie ist nicht in den Top Indizes und um einiges kleiner als die anderen Empfehlungen und Hinweise hier)

Enel = Divrendite war bei DAX 5000 gut 10%, jetzt bei 8% bis 9%. Div-Rendite sollte sicher sein.

Das wären so einige Ideen die nichts mit Bankenkrise zu tun haben.

In den kleineren Indizes bzw. im Gesamtmarkt in Deutschland, Frankreich, England wird es dann noch um einiges billiger.

Viel Erfolg. Es lohnt sich jetzt wirklich einzugsteigen meiner Meinung nach.

Vor einigen Wochen hat mal hier einer nach STADA gefragt. Tja, was soll ich sagen. Vor einigen Monaten war Stada zu teuer. Ich habe in den letzten 2 Wochen einen Sparplan angelegt und werde den auch weiter besparen solange die Aktie nicht gleich um 30% steigt in den nächsten 2 Monaten.

viele Grüße.
Robert
Robert hat gesagt…
Peter,

vielleicht eins noch. Im Moment gibt es auch einige Unternehmen die sehr klug Aktienrückkäufe machen. Einige der US amerikanischen Groß Hightechkonzerne machen jetzt schöne Programme und auch die Bouygues (hab ich gestern paar Aktien gekauft) legt ein Programm auf und kauft mal eben über 10% des Aktienkapitals auf.

Aktueller Aktienkurs Bouygues Aktie ist um die 24/25 € und die wollen für 30€ je Aktie zurückkaufen.

Auch so eine Aktie die jetzt tief gefallen ist. Div-Rendite jetzt ganz ordentlich usw.

In den kleineren Aktien findet man noch mehr solche Geschichten. Es gibt quasi Geld geschenkt zur Zeit...
Anonym hat gesagt…
Genau so sehe ich es auch und habe, nach dem unberechtigten Crash im August/September in großem Stil gekauft und lasse mich jetzt nicht verrückt machen.

Meines Erachtens, mit die einzige richtige Börsenregel: "Sei gierig, wenn die anderen Angst haben und sei ängstlich wenn die anderen gierig sind". Wenn man sich nicht daran hält, verpasst man garantiert immer günstige Einstiegskurse und trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit Höchststände nach langen Aufwärtstrends.

Grüße
Marc
Tim S NYC hat gesagt…
Robert, ich finde Ihre Website super. Vor allem hat mich der Bericht von der Bershire-HV beeindruckt.

Jetzt ist in der Tat eine gute Zeit, um sich an der Börse mit Qualitätsaktien einzudecken....

Beste Grüße und weiter so.
Tim
Alex hat gesagt…
Hallo Robert, (ich wähle mal das unhöfliche Internet-Du)

Kurz zu mir:
Ich habe vor kurzem meine ersten Schritte an der Börse gemacht und bin sehr unsanft gelandet bzw. fliege noch. Bin noch ein blutiger Anfänger.
Meine Überlegung bisher war, wenn irgendetwas schon mal 30€ wert war, dann wirt es das schon wieder. (also kaufen in der Krise und spekulieren das es besser wird)
Ich bin zwar momentan saftig im Minus; nichts desto trotz habe ich Blut geleckt und werden weiter einsteigen, nur dies mal anders!

Der Ansatz des Intelligent-Investment finde ich 100% logisch, nachvollziehbar und rational.
Da dieser auch noch von dem reichsten (Börsen-)Mann empfohlen wird, verstehe ich nicht warum diese nicht populäre ist??
(Ich hab nachgeschaut, die Facebook-Seite von Kim Schmitz hat mehr „Fans“ als das Buch von Graham ;)
Ich werde das Buch erst mal lesen bevor ich weiter handle… Ich glaube der Markt gibt mir Zeit und die Kurse steigen demnächst noch nicht :P

Zwei Entscheidungen deinerseits Versuche ich gerade nachzuvollziehen. BP und Praktiker:

Bei BP geht es ja schon vor 2010 nach unten (von 22.000 Mio auf 16.000 Mio) Überschuss.
Heißt dies nicht, dass die Firma nicht gut Wirtschaftet? Oder findest du den Preis, gesunken wegen des Unfalls, zu verlockend? Ist es nicht besser eine super Firma zu kaufen als eine Gute (Zitat Warren)
http://www.ariva.de/bp-aktie/fundamental

http://www.ariva.de/praktiker-aktie/fundamental
Bei Praktiker dasselbe mit dem Gewinn. Oder ist der Preis nahe am Cashflow und ein KBV von um 0,5 so verlockend?
Ich halte Praktiker für keine besonders gute Firma in keiner besonders rentablen Branche. Du?


Und wo kriegst du deine ganzen Zahlen her?

Grüsse
Alex
Nochmal der Alex hat gesagt…
In meinem ersten Kommentar gleich das unhöfliche Du beanspruchen aber dann nicht für den tollen Blog danken, wo bleiben nur meine Manieren.
Und nochmal der Alex hat gesagt…
So, nochmal ich.
Schon einen Tag später versuche ich mich an der Fundamental-Analyse der Telekommunikationsbranche.

1ste Frage. Hättest du Intresse dir diese anzusehn und gegebenen Falls zu kommentieren?

2te Frage. Wenn ich auf OnVista gehe, dort unter Fund.Analyse auf Kennzahlen clicke steht dort der Wert "Verschuldungsgrad in %"

Diese ist z.B. bei deinem Favorit ENEL z.B. auf 213,85% Prozent. bei Staaten wird schon ab knapp 80% gejammert? ist dies bei Firmen anders?

Mein Favorit die France Telecom bietet z.B. eine Dividende von 11,73% bei einem Verschuldungsgrad von 198,82%. Ist dies Gut?


lg Alex
Robert hat gesagt…
Hallo Axel,

sorry für die späte Meldung. Ich habs gelesen aber nie die Muße gehabt zu antworten. Ja klar - schick mir mal Deine Analyse zu : zuckerdepot@yahoo.de

zu BP: BP ist meiner Meinung nach ein Superunternehmen. In der Ölbranche sicherlich ganz vorne. Die Bewertung war da zu verlockend zu diesem Zeitpunkt. Der maximale Schaden durch die Katastrophe ist für BP zu stemmen. Und wie jetzt die Geschichte zeigt wird der Schaden wohl eher weniger als 20-30 Milliarden sein. BP hat ja die ersten Gegenklagen eingereicht gegen Halliburton usw. / vielleicht gibts noch ein paar Mrd. zurück.

Bei Praktiker eine ähnliche Geschichte. Praktiker erinnert mich an Pro7. Pro7 konnte ich in der Krise zum 1-2fachen des Cashflows kaufen nach einem Kursverlust von 90%. Dann ist Pro7 um 1000% gestiegen. Praktiker ist saubillig meiner Meinung nach. Kein AAA Unternehmen, aber auf diesem Niveau jetzt aktuell. Durch Nachkäufe bin ich jetzt bei einem Durchschnittskurs von 4,50 €. Im Dezember war die Praktiker Aktie bei 1 Eur fast. Inzwischen bei 2 Euro. Ich denke die Praktiker Aktie müsste eher 10 Euro wert sein...

Grüße.
Robert

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