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Von der Gewinnrendite zum KGV | Finanzkennzahlen erklärt

KGV und Gewinnrendite | Fundamentalkennzahlen für die Aktienanalyse

Die Gewinnrendite einer Aktie wird über das KGV ermittelt. Wir bilden den Kehrwert aus dem KGV um die Aktiengewinnrendite zu erhalten. Die Gewinnrendite ist universell einsetzbar um die Rentabilität einer Geldanlage zu vergleichen und gilt natürlich nicht nur für den Aktienvergleich. Diese Kennzahl sollte jeder Anleger, Vermieter und Unternehmer intuitiv beherrschen. Egal ob wir eine Aktie kaufen, eine Wohnung vermieten oder eine Beteiligung an einer Gaststätte erwerben oder einen neuen Traktor für unseren Bauernhof kaufen. Mit dieser Kennziffer lassen sich alle Investments schnell miteinander vergleichen.


Beispielrechnung Kurs Gewinn Verhältnis         

Beispiel : um für eine Aktie mit einem Kurs Gewinn Verhältnis von 15 die Gewinnrendite auszurechnen teilen wir 100 / 15 = 6,66. Ein KGV von 15 entspricht demnach einer Gewinnrendite von 6,66 % jährlich. Durch das ermitteln der Gewinnrendite lassen sich Aktien sehr bequem mit Anleihen vergleichen. Eine Empfehlung von Benjamin Graham für die Aktienanalysen lautete, daß Aktien nur dann gekauft werden sollen wenn die Gewinnrendite mindestens doppelt so hoch ist wie die Renditen von AAA Anleihen. Im April 2010 rentieren die Umlaufrenditen der 8 bis 15 jährigen Bundesanleihen bei 3,05%. Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit zwischen 15 bis 30 Jahre bieten eine Rendite wenn bis zur Endfälligkeit gehalten wird in Höhe von 3,80%. Der Lehrmeister von Warren Buffett setzte diese Kennzahl bereits 1930 in der Aktienanalyse ein. Eine Aktie die dieses Graham Kriterium erfüllt muss daher im April 2010 mindestens eine Gewinnrendite von 6% bis 7,6% aufweisen - was wiederum einem KGV zwischen 16 und 13 entspricht. WIe in den letzten Aktienanalysen gezeigt wurde sind erstklassige Dividenden- und Wachstumsaktien wie z.B. eine Procter Gamble zur Zeit in der Lage dieses Kriterium zu erfüllen. Die Gewinnrendite gepaart mit weiteren Aktienkennzahlen liefert schon sehr brauchbare Ergebnisse bei der Aktienvorauswahl und Aktienauswahl. Weitere Graham und Warren Buffett Kennzahlen werde ich später noch vorstellen.

Wie schnell zahlt sich unser Investment aus ?

Die Gewinnrendite und das KGV sagen uns wieviel Jahre ein Investment benötigt bis es "selbst verdient" und ausgezahlt hat. Wieviel Jahre wir warten müssen bis Dividenden, Zinsen oder Mieteinnahmen und ähnliches. die auf unser Konto zurückfliessen unser Investment wieder bezahlt haben.Die Gewinnrendite geht von keiner Wiederanlage der jährlichen Rückflüsse aus. Wenn zwischen mehreren Geldanlagen oder Aktien gewählt werden muss, dann gilt natürlich das kürzere Zeiträume attraktiver sind als lange Zeiträume.Wir haben unsere Investition lieber in 10 Jahren als in 30 Jahren verdient. Vorausgesetzt wir vergleichen Anlagen die vom Risiko vergleichbar sind. Ein KGV von 30 bedeutet in diesem Sinne, wenn wir für die Zukunft von Nullwachstum dieser Geldanlage für die Zukunft ausgehen, das wir 30 Jahre warten müssen bis sich der Kauf durch die an uns rückfliessenden Erträge selber bezahlt hat. Mit anderen Worten: Ein KGV von 30 bedeutet das wir hier eine Geldanlage haben die sich mit einer Gewinnrendite von nur  3,3% "verzinst". (Rechenweg 100/30 = 3,3%)

Tipp Aktiengewinnrendite Kennziffer in der Praxis einsetzen
Beispiel KGV Rechnung mit der Procter Gamble Aktie im Vergleich zu einer Bundesanleihe

Wie wir bemerken können sind die sicheren AAA Bundesanleihen über diesen Renditevergleich betrachtet ein relativ schlechtes Investment. Bei der Bundesanleihe habe ich für die nächsten 30 Jahre eine Rendite festgeschrieben wenn ich bis zur Endfälligkeit halte die mir ca. 3,80% bringt. Bei der Bundesanleihe ist es vollkommen ausgeschlossen, daß meine jährlichen Rückflüsse in Form von Zinszahlungen in den nächsten 30 Jahren wachsen werden. Wenn ich bis zur Endfälligkeit in 30 Jahren halte erhalte ich exakt die jährliche Rendite die heute bereits beim Kauf feststeht (3,80%). Diese 30 jährige Anleihe hat demnach ein KGV von 26,3. Der Rechenwerg für die Renditeberechnung bzw. KGV Berechnung der Anleihe : 100 / 3,8.

Aktuell kann ich ebenso gut eine Procter & Gamble Aktie oder andere solide Aktien mit sehr stabilen Umsätzen und Gewinnen kaufen die fast doppelt so hoch rentieren und sich  in nur der Hälfte der Zeit in rund  14 Jahren selber zahlen werden.  Im April 2010 liegt das KGV der Procter & Gamble Aktie zwischen 14 und 15.

Die Frage für uns Investoren ist jetzt inwieweit  es wahrscheinlich ist, daß Deutschland pleite geht oder die Procter & Gamble in den nächsten 30 Jahren pleite geht. Procter Gamble hat aktuell ein AA Rating und ist damit in der Bonität nicht wesentlich schlechter als die Bundesrepublik Deutschland mit einem AAA Rating.

Wenn sich die Vergangenheit des hier im Beispiel vorgestellten Unternehmens auch nur ansatzweise für die Zukunft fortschreiben lässt dann kann der Investor mit langfristig steigenden Ausschüttungen der Aktie rechnen. Der Rückflusszeitraum über die in der Zukunft weiter wachsenden Gewinne & Dividenden der Procter Gamble Aktie wird sich damit weiter verkürzen und eine Investmententscheidung für die Aktie fällt damit sehr positiv aus. Beim Kauf der Anleihe zurrt der Anleger seine Rendite für die nächsten 30 Jahre bei 3,8% fest. Spasseshalber könnten wir jetzt noch einen Vergleich mit den griechischen 10 jährigen Anleihen machen die eine Bonität von BBB haben mit einem negativen Ausblick. Diese rentierten um den 20 April 2010 mit einer Rendite von 8,3% was wiederum einem KGV von 12 entspricht.

Ich persönlich ziehe ein Investment in eine Aktie wie Procter & Gamble mit einem aktuellen KGV von 15 mit garantierten Kursschwankungen in den nächsten 30 Jahren einem Investment in AAA Bundesanleihen mit einem KGV von 26,3 bis über ein 30er KGV vor. Bei der Aktie habe ich gute Aussichten auf jährlich steigende Dividenden und ich habe eine sehr hohe Chance darauf, daß der Aktienkurs in 30 Jahren wesentlich höher sein wird als heute. Bei der Bundesanleihe wird garantiert weder der Zins noch der Auszahlungsbetrag steigen auf Sicht von 30 Jahren. Entscheiden muss jeder selbst ...

Weitere Kennzahlen der Fundamentalanalyse stelle ich in späteren Artikeln vor. Später kommt dann noch einmal eine Zusammenfassung.


Wie so eine Aktienanalyse in Excel aussehen kann zeigt die folgende Grafik. Beim mitlesen in diesem Blog werden Sie früher oder später in der Lage sein Ihre eigenen Aktienanalysen erstellen zu können. Sie werden unabhängig sein von der Meinung anderer, besonders der Presse, und hoffentlich ein kleines Stück weit zu einem besseren Investor werden.

Hier die Grafik für eine Muster Aktienanalyse aus Excel.

Diese Bilder und die dazugehörigen Aktienanalysen finden Sie in den entsprechenden Fundamentalanalysen auf diesem Blog.


Viel Spass noch mit den Aktienanalysen.

Kommentare

Mariane hat gesagt…
Hallo Bob,

weil Sie gerade das Thema Griechenland und Anleihen ansprechen: Spasseshalber könnten wir jetzt noch einen Vergleich mit den griechischen 10 jährigen Anleihen machen die eine Bonität von BBB haben mit einem negativen Ausblick. Diese rentierten um den 20 April 2010 mit einer Rendite von 8,3% was wiederum einem KGV von 12 entspricht.

Was passiert beispielsweise mit meiner P&G Aktie, wenn eventuell demnächst Portugal, Spanien, Italien, Irland, UK oder wenn selbst irgendwann mal die USA keine Abnehmer mehr für ihre Anleihen finden sollte, sprich der Bankrott nicht mehr aufzuhalten ist? Mittlerweile kann man ja nichts mehr ausschließen und ich befürchte, dass das auf Dauer nicht mehr gut gehen kann. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Bob, ich möchte mich rechtherzlich für Ihre tolle Arbeit hier bedanken. Ich finde, dass Ihre Seite die beste Seite zu der Thematik im Netz ist. Weiter so!

Mit freundlichen Grüssen,

Mariane
Robert hat gesagt…
Hallo Mariane,

mit einer Anlage in Papiergeld - auch eine Anlage in Anleihen, Lebensversicherungen, Festgeld ist Papiergeld - bist Du einer Inflation schutzlos ausgeliefert. Ich habe in einem anderen Blog den Kauf von Griechenlandanleihen für spekulative Investoren seit mehreren Wochen empfohlen. Griechenland und auch die IKB und andere Banken wurden nur aus einem Grund gerettet - man wollte nicht, dass Millionen von Lebensversicherungsbesitzer merken in was für einen Quatsch Sie eigentlich Ihr Geld "investieren". Schade, dass keine der bekannten Publikumszeitschriften oder Magazine über dieses Thema berichtet hat. In einer Anlage in Aktien bist Du vor Inflation zumindest teilweise geschützt. Wenn Du weit zurückblickst z.B. Weimarer Inflation oder den Kapitalschnitt nach dem zweiten Weltkrieg dann hatte der Aktieninvestor immer noch sein Kapital retten und sogar mehren können (vorausgesetzt Du hast diversifiziert angelegt). Als Geldinvestor, Sparbriefinvestor und auch Investor in Lebensversicherungen war alles verloren ohne die Chance zu haben etwas wieder aufzuholen. Ein Unternehmen profitiert sogar von Inflation genauso wie auch derjenige von Inflation profitiert der viel Schulden hat. Jedes Unternehmen hat zum einen A) Schulden und zum anderen B) Anlagevermögen welches nicht mehr in Papier investiert ist. Ein Unternehmen wie Procter & Gamble hat zehntausende von Maschinene, Gebäuden und Grundstücken und ein sehr umfangreiches Lager an Fertigprodukten und Rohstoffen die ebenfalls weitestgehend vor Inflation geschützt sind. Das vielleicht nur ganz kurz um Dir einiges aufzuzeigen was aus meiner Sicht wichtig ist um die Zusammenhänge zu verstehen. Kurz gesagt: Als Aktionär musst Du Dir wesentlich weniger Sorgen vor Staatspleiten machen als jemand der nur Bargeld hat oder der meint er wäre in einer Lebensversicherung oder Staatsanleihen sicher vor einer Inflation. Sorry für die späte Antwort, ich war wieder unterwegs. Ach eins noch - auch Gold ist nicht der ultimative Schutz. Gold ist im Grunde genommen reine Spekulation und hat keinen inneren Wert. Gold zahlt keine Dividenden und Du bist nur auf die reine Preissteigerung (Spekulation!?) angewiesen um etwas gewinnen zu können. Denjenigen denen es gelingt immer zum Hoch oder Tief zu kaufen singen natürlich ein anderes Lied.

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